Hinrichtung in Iran Frau soll wegen Mord an mutmaßlichem Vergewaltiger gehängt werden

Reyhaneh Jabbari soll als 18-Jährige von einem Mann vergewaltigt worden sein - worauf sie ihn erstach. Nun wird das Urteil vollzogen: Der inzwischen 26-Jährigen droht Tod durch Erhängen.


Teheran - Sie gibt zu, als Teenager in der iranischen Hauptstadt Teheran einen Mann getötet zu haben. Doch statt von Mord spricht Reyhaneh Jabbari von Notwehr: Ihr mutmaßlicher Peiniger soll sie in eine Wohnung gelockt und vergewaltigt haben. Mehr als sieben Jahre hatte die Iranerin im Gefängnis verbracht, nun wird offenbar ihr Urteil vollstreckt: Jabbari soll im Radschaei-Schahr-Gefängnis in der Nähe von Teheran gehängt werden. Nur ein Gesuch um eine Begnadigung durch die Opferfamilie kann sie im letzten Moment noch retten, berichtete eine iranische Nachrichtenagentur.

Vor rund sieben Jahren soll Jabbari - die damals 18-jährige Innendekorateurin - eigenen Angaben zufolge zwei Kunden aus beruflichen Gründen in eine Wohnung in Nordteheran begleitet haben. Damals sei es zu der Vergewaltigung gekommen.

Einen der mutmaßlichen Peiniger tötete sie - aus Notwehr, wie sie sagt. Doch die Staatsanwaltschaft hatte an dieser Aussage Zweifel, sie widersprachen der polizeilichen Beweislage, hieß es. Auch ein Gerichtsmediziner hatte keine Anzeichen einer Vergewaltigung entdeckt.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International bezweifeln jedoch die Darstellung der offiziellen Seite: Die Studentin habe die Tat nach ihrer Festnahme zwar gestanden, allerdings in Abwesenheit eines Rechtsbeistands. Ein weiterer Hinweis: Die Staatsanwaltschaft habe selbst nicht überzeugend erklären können, aus welchem Grund die Frau den Mann erstochen haben soll. Auch die USA und die EU schlossen sich den weltweiten Protesten an und baten die Verantwortlichen im Iran, das Urteil zu widerrufen.

Im Iran wird Jabbari nicht als Opfer, sondern als Täterin dargestellt. Im Ausland und in sozialen Netzwerken wird das seit 2009 ausstehende Todesurteil jedoch heftig angegangen.

daf/dpa/Reuters

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bertholdalfredrosswag 08.10.2014
1. Warum schaltete sie keinen Anwalt ein?
Ja leider hat das Mädchen keinen Anwalt gehabt, so konnte nicht protokolliert werden, ob sie tatsächlich vergewaltuigt wurde Ein Arztattest hat sie vermutlich auch nicht? Ob so ein Fall Herrn Rohani zur Beurteilung vorgelegt werden könnte? Ich bin nicht grundsätzlich gegen eine Todestrafe. Aber nicht bei Affekthandlung oder Notwehr und nur wenn der Mord auf Planung einer kriminellen Tat beruht
keyghobad 08.10.2014
2.
Am 24. September 2014 wurde der 37jährige Mohsen Amir Aslan in einem Gefängnis nahe der Stadt Karaj im Iran hingerichtet. Er war vor 8 Jahren von einem iranischen Gericht wegen „religiöser Häresie“ zum Tode verurteilt worden. Aslan hatte in einem von ihm geleiteten Korankurs gesagt, daß die Geschichte von Jonas und dem Wal nicht wörtlich sondern nur sinnbildlich zu verstehen sei. Das reicht, um im heutigen Iran zum Tode verurteilt zu werden. Das in Amerika angesiedelte Iran Human Rights Documentation Centre gibt an, daß in diesem Jahr im Iran bereits 531 Menschen hingerichtet wurden. Die Repression gegenüber religiösen und ethnischen Minderheiten hat sich in den letzten Monaten deutlich verstärkt.
blodnach 08.10.2014
3. Tja
Andere Länder, andere Sitten.
katyradjabi 08.10.2014
4. Falsche Berichterstatung
Unglaublich! Blödsinn! 1. Reyhane wurde nicht vergewaltigt! Er hatte es vor und es waren nicht 2! Ein zweiter Mann spielt eine wesentliche Rolle, aber er war nicht dabei!!! 2. Spiegel schreibt: Im Iran wird Jabbari nicht als Opfer, sondern als Täterin dargestellt. Wenn das iranische Volk nicht gegen dieses Urteil wäre, hätte es auch nicht die Amnesty International mitbekommen. 3. Es macht mir große Angst, wenn sogar ausländische Medien falsch berichten!!! Reyhanes Fall wurde mittlerweile in vielen Sprachen übersetzt. http://netzfrauen.org/2014/10/02/eilt-lasst-reyhaneh-leben/
vagabondix 08.10.2014
5. Frauen aller Länder, vereinigt Euch!
Kehrt einfach allen Ländern, die Euch so schmählich behandeln, den Rücken. In einer Generation ist das Problem gelöst und die herrschaftlichen Männer sind ausgestorben, aus Verzweiflung bi geworden und haben sich aus kompletter sexueller Frustration gegenseitig ausgerottet. Aber so lange Frauen selbst solche Männer erziehen und Macho-, Pascha- und Brüderle-Kulturen am Leben erhalten, so lange müssen sie auch mit den Folgen klar kommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.