Betrugskandal Iran richtet prominenten Multimillionär hin

Er galt als einer der reichsten Männer in Iran: Mahafarid Amir Khosrawi wurde im berüchtigten Ewin-Gefängnis hingerichtet. Er hatte sich mit gefälschten Dokumenten Milliarden erschwindelt.


Teheran - In Iran ist erstmals ein Mann wegen Unterschlagung hingerichtet worden. Der Geschäftsmann Mahafarid Amir Khosrawi starb am Samstag im berüchtigten Ewin-Gefängnis in Nordteheran durch den Strang, wie die Nachrichtenagentur Fars meldete.

Gemeinsam mit Khosrawi hatten noch 38 weitere Angeklagte vor Gericht gestanden. Drei von ihnen wurden ebenfalls zum Tode verurteilt, die anderen zu langjährigen Haftstrafen. Die Hinrichtung des Multimillionärs wurde vollzogen, nachdem auch das höchste iranische Gericht das Urteil bestätigt hatte.

Nach Angaben der Justiz hatten er und seine Gefolgsleute mit gefälschten Bankunterlagen fast zwei Milliarden Euro veruntreut. Khosrawi galt als einer der reichsten Männer in Iran. Sein Geschäftsimperium umfasst mehr als 35 Firmen in den verschiedensten Branchen. Auch ein Fußballklub gehört dazu.

Berichten iranischer Zeitungen zufolge sollen die Unterschlagungen 2007 begonnen haben. Im Zusammenhang mit dem Fall geriet auch Mahmud Reza Khawari, der ehemalige Chef der Melli Bank, unter Verdacht. Der Manager hatte eingeräumt, dass seine Bank an den Betrügereien beteiligt gewesen war, ein eigenes Fehlverhalten jedoch abgestritten. Ihm gelang die Flucht nach Kanada, bevor die Behörden ihn festsetzen konnten.

Die bedingungslose Bekämpfung der Korruption im Land gehört zu den innenpolitischen Prioritäten der Regierung von Präsident Hassan Rohani. Der jetzt abgeschlossene Fall legt den Verdacht nahe, dass unter dem Regime des ehemaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad auch die höchsten Kreise aus der Politik daran beteiligt waren. Auch Ahmadinedschad hatte damals den Kampf gegen Korruption zu einem seiner wichtigsten Ziele erklärt - und die Vorwürfe gegen Mitglieder seiner Regierung als Schmierenkampagne zurückgewiesen.

mik/AP

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insgesamt 86 Beiträge
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Seite 1
steve72 24.05.2014
1.
Gutes Beispiel ,sollte auch in der BRD angewandt werden. Es bestätigt sich mal wieder wie rückständig Europa ist .
lolli 24.05.2014
2. pech gehabt
im selbsternannten rechtsstaat deutschland hätte der gute mann das bundesverdienstkreuz bekommen.
Atheist_Crusader 24.05.2014
3.
Zitat von sysopIn Iran ist ein prominenter Geschäftsmann hingerichtet worden. Nach Angaben der Justiz hatte er mit Hilfe von gefälschten Dokumenten Milliarden erschwindelt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/milliarden-betrug-iran-richtet-prominenten-geschaeftsmann-hin-a-971425.html
Ich hasse derartige Nachrichten. Nicht wegen "Todesstrafe ist böse" oder "diese fiesen Moslems" oder so. Sondern weil sie mich wieder ein ganz kleines Bisschen Sympathie für eine theokratische Diktatur entwickeln lassen. Da wird ein Mensch hingerichtet, der sich Milliarden erschwindelt hat. Milliarden. Wie in "eintausend Millionen". Und der Plural davon. Kein Mensch dieser Welt hat den Bedarf oder auch nur die Verwendung für derartige Mengen an Geld. Aber für solche trivialen Fakten interessiert sich die Gierkultur natürlich nicht. Hierzulande wird Jemand gefeuert, weil er zwei Pfandbons klaut, deren Gesamtbetrag nichtmal ausreicht um ein Brot zu kaufen. Andere Leute stürzen ganze Volkswirtschaften ins Unglück, vernichten zigtausende Arbeitsplätze und ergaunern sich gewaltige Beträge... und alles was sie dafür bekommen ist ein Jahr mal keinen fetten Bonus. Und sollten sie tatsächlich mal gefeuert werden, fängt sie ein engmaschiges Netz der Parasiten-Solidarität wieder auf und ein paar Monate später sitzen sie irgendwo als Berater. So wenig ich für das iranische politische System oder die Todesstrafe übrig habe - manchmal können wir doch noch was von denen lernen.
der_durden 24.05.2014
4.
Zitat von sysopIn Iran ist ein prominenter Geschäftsmann hingerichtet worden. Nach Angaben der Justiz hatte er mit Hilfe von gefälschten Dokumenten Milliarden erschwindelt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/milliarden-betrug-iran-richtet-prominenten-geschaeftsmann-hin-a-971425.html
Keine Ahnung, was er getan hat, ob das stimmt, oder ob er der Regierung nur zu mächtig wurde. Ich jedenfalls bin froh, dass ich so privilegiert bin und in Deutschland, bzw. Europa geboren wurde. Im Iran ist im Prinzip so ziemlich alles verboten, was Freude und Freiheit bedeutet, Frauen werden nach wie vor gesteinigt, Menschen öffentlich am Kran aufgehängt. Es ist eigentlich unglaublich, dass es tatsächlich noch solche Gesellschaften gibt und dass diese nicht endgültig aufstehen um Ihre bigotten Diktaturen zu stürzen.
Regulisssima 24.05.2014
5. naiv
Wenn ein Krimineller wie Ahmadinedschad Regierungschef eines Landes ist, braucht man sich nicht zu wundern, dass die Korruption auf breite Zustimmung trifft.
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