Irland Ermittler finden Massengrab mit Kinderleichen

Eine Untersuchungskommission in Irland hat in einer früheren katholischen Einrichtung eine grausige Entdeckung gemacht: In dem Mutter-Kind-Heim sind offenbar bis in die Sechzigerjahre Kinderleichen verscharrt worden.

Gelände eines Massengrabs im irischen Tuam
AP

Gelände eines Massengrabs im irischen Tuam


Ermittler haben in einem ehemaligen Heim für unverheiratete Mütter in Irland ein Massengrab mit den sterblichen Überresten von Kinderleichen entdeckt. Wie eine Untersuchungskommission in Dublin mitteilte, wurden in unterirdischen Kammern im westirischen Tuam "erhebliche Mengen" Knochen gefunden. Einige der Leichen seien untersucht worden. Es handelt sich demnach um Föten und Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren.

Das Heim in Tuam wurde von 1925 bis 1961 von der katholischen Kirche betrieben. Die Leichen stammen der Untersuchungskommission zufolge höchstwahrscheinlich aus dieser Zeit. "Die Kommission ist schockiert von dieser Entdeckung und ermittelt weiterhin, wer verantwortlich für die Entsorgung menschlicher Überreste in dieser Art war", hieß es in einer Mitteilung.

Die irische Regierung hatte die Kommission 2014 ins Leben gerufen. Anlass waren Recherchen einer örtlichen Historikerin. Demnach zeigen Dokumente, dass von knapp 800 Kindern, die damals in Tuam starben, nur eines offiziell bestattet wurde.

Skandalöse Situation

Die katholische Kirche betrieb damals viele Mutter-Kind-Heime, in die Frauen zur Entbindung geschickt wurden, die außerehelich schwanger waren. Diese Frauen brauchten eine Zuflucht, da ihre Situation in der streng-katholischen Gesellschaft skandalös war. Selbst die eigenen Familien ließen sie oft fallen.

Betrieben wurde das Heim in Tuam von den Schwestern der Bon Secours, einem katholischen Frauenorden. Der Alltag in dem Heim war hart, die Babys waren ausgezehrt und wurden vernachlässigt. (Lesen Sie hier eine Geschichte über das dunkle Geheimnis der Schwestern von Bon Secours.)

Daten der Regierung zeigen, dass die Sterblichkeitsraten von unehelichen Kindern in dem streng-katholischen Land bis in die Fünfzigerjahre fünfmal so hoch waren wie bei Kindern von verheirateten Paaren.

Wie die Kinder, deren Leichen nun gefunden wurden, ums Leben kamen, ist nicht bekannt. Die Kommission werde ihre Recherchen fortsetzen, teilte die zuständige Ministerin mit. Die Kommission untersucht neben Tuam 17 weitere kirchliche Einrichtungen.

sms/dpa/AP/Reuters



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