Terrorismus Ermittler nehmen deutsche Dschihadistin Sarah O. fest

Die damals 15-jährige Sarah O. aus Konstanz war Ende 2013 eines der ersten Mädchen aus Deutschland, die in den Bürgerkrieg nach Syrien zogen. Nun wurde sie bei ihrer Rückkehr in Düsseldorf festgenommen.

IS-Frauen (Archiv)
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Einmal schickte Sarah ein Foto aus Syrien nach Hause, es zeigte eine Pistole. "Meine neue Perle", schrieb sie dazu. Die damals 15 Jahre alte Gymnasiastin aus Konstanz gehörte im November 2013 zu den ersten Mädchen, die sich in dem Bürgerkriegsland islamistischen Organisationen anschlossen. Als die "FAZ" ihren Fall Monate später öffentlich machte, war das Entsetzen groß. Was sucht sie dort?, fragte sich die Öffentlichkeit. Womöglich wird Sarah diese Frage nun bald selbst beantworten können.

Nach Informationen des SPIEGEL haben Polizisten Sarah an diesem Freitagmorgen bei ihrer Wiedereinreise nach Deutschland am Flughafen in Düsseldorf festgenommen. Der Generalbundesanwalt ermittelt gegen die inzwischen 20-Jährige wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

In Syrien soll Sarah eine Schusswaffen-Ausbildung bei einer islamistischen Gruppierung erhalten haben. Sie heiratete dort den Kölner Islamisten Ismael S., der zusammen mit seinem Bruder Emre in den Dschihad gezogen war.

Ismael S. und Sarah schlossen sich, so die Ermittler, kurz darauf dem "Islamischen Staat" (IS) an. Für die Terrororganisation soll Sarah O. Wachdienste übernommen haben. Anfang 2018 floh sie vor dem IS in die Türkei, wo sie sich den dortigen Behörden stellte. Nun wurde sie nach Deutschland abgeschoben.

Werbung für das "Kalifat"

Während ihrer Zeit in Syrien bekam Sarah drei Kinder, die nun ebenfalls in Deutschland sind.

Die Islamisten Ismael und Emre S. waren schon als Teenager auffällig, weil sie vor nunmehr zehn Jahren Polizisten in einen Hinterhalt locken wollten, um die Waffen der Beamten zu erbeuten. Damit beabsichtigten sie, US-Soldaten zu töten und als Märtyrer ins Paradies zu kommen. So notierten sie es in "Testamenten", die ihre Eltern fanden. Die Staatsanwaltschaft erkannte damals kein politisches Motiv und ging lediglich wegen des Verdachts des versuchten schweren Raubs gegen die Brüder vor.

Sarah ist nicht die erste Dschihadistin, die in Deutschland gefasst wurde. Unlängst nahmen Ermittler Sabine S. fest, die in einem Blog und über einen Telegram-Kanal das Leben im sogenannten Kalifat gepriesen und andere dazu aufgerufen hatte, ebenfalls nach Syrien auszureisen.

Zuvor war Jennifer W. festgesetzt worden. Die 27-Jährige, die aus Niedersachsen stammt, hatte sich nach Erkenntnissen der Ermittler zwischen September 2014 und Anfang 2016 im Irak dem IS angeschlossen. Dort habe sie gegen Lohn als "Sittenpolizistin" überwacht, dass andere Frauen die vom IS aufgestellten Verhaltens- und Bekleidungsvorschriften einhielten, hieß es. Vor zweieinhalb Jahren wurde W. bei einem Besuch in der Türkei festgenommen und nach Deutschland abgeschoben.

Im Video: Von Hamburg nach Rakka - Deutsche "IS"-Frauen

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"Schlafen, essen, schießen"

Die deutschen Sicherheitsbehörden - allen voran die Bundesanwaltschaft - bemühen sich derzeit, dass die etwa 200 Frauen, die aus Deutschland Richtung Syrien und Irak ausgereist sind, nicht mehr so einfach ohne Strafe davonkommen. Dutzende Islamistinnen sind inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt.

Strafrechtlich verfolgt hat die Justiz die mitreisenden Ehefrauen bislang nur, wenn sie Terrororganisationen konkret unterstützt oder wenn sie selbst gekämpft hatten. Ihre Rolle als Mütter und Ehefrauen betrachteten die deutschen Strafverfolger lange Zeit als "sozialadäquates Verhalten", wie ein hochrangiger Ermittler sagt.

Versuche, Frauen bereits für die Anwesenheit beim IS strafrechtlich zu belangen, sind bislang vor dem Bundesgerichtshof gescheitert. Allerdings, so heißt es in Justizkreisen, seien die Hürden für eine strafrechtliche Verfolgung solcher Frauen inzwischen deutlich gesunken.

In einer vertraulichen Analyse der deutschen Sicherheitsbehörden heißt es, dass der IS Frauen und Männern unterschiedliche Aufgaben übertragen habe. Die Geschlechter seien in "unterschiedlichen Funktionsbereichen" des zu errichtenden Kalifats eingesetzt worden. Daher hätten sich sowohl Frauen als auch Männer mit ihrer freiwilligen Ausreise der Terrororganisation zur Verfügung gestellt. Die Rolle der Frauen als Unterstützerinnen der kämpfenden Männer und als Mütter zukünftiger Dschihadisten sei in der Logik des IS von großer Bedeutung gewesen.

Sarah selbst beschrieb ihren Tagesablauf in Syrien laut "FAZ" mit den Worten: "Schlafen, essen, schießen, Vorträge anhören." Im Übrigen, ließ Sarah damals wissen, sei das Leben überhaupt "nur ein trügerischer Genuss".

Im Video: Kampf eines Vaters - Meine Tochter ist beim "Islamischen Staat"

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