Psychiatrie in Israel Polizei nimmt Dutzende Klinikangestellte fest

Sexueller Missbrauch, Gewalt, Vernachlässigung: Angestellte einer psychiatrischen Klinik in Israel sind wegen schwerer Vorwürfe festgenommen worden. Kritiker monieren, die Behörden hätten seit Monaten von Missständen gewusst - und dennoch nichts unternommen.


Tel Aviv - Wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs, der Gewaltanwendung und Vernachlässigung psychisch kranker Patienten sind in Israel Dutzende Angestellte einer Klinik festgenommen worden. Krankenschwestern und Pfleger kamen ebenso wie Ärzte und Verwaltungspersonal für Befragungen in Gewahrsam, sagte ein Sprecher der israelischen Polizei.

Es handelt sich um Angestellte einer psychiatrischen Klinik nahe der Stadt Petah Tikwa nordöstlich von Tel Aviv. In dem Krankenhaus werden derzeit 155 Patienten behandelt. Die Festnahmen, an denen der Polizei zufolge mehr als 200 Ermittler und Sozialarbeiter beteiligt waren, erfolgten nach einer monatelangen geheimen Untersuchung zu den mutmaßlichen Vorgängen in dem Krankenhaus.

13 Personen seien zu einer gerichtlichen Anhörung gebracht worden, berichtete die Zeitung "Haaretz". Einem Angestellten wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Zwölf weitere, darunter der Besitzer der Klinik und Pflegepersonal, sollen Patienten vernachlässigt, angegriffen oder misshandelt haben.

Nach offiziellen Angaben waren die ersten beiden schriftlichen Beschwerden anonym. Vermutlich wurden sie von zwei Patientinnen verfasst, die darin sexuelle Übergriffe anprangerten. Dem "Haaretz"-Bericht zufolge hatten die Behörden von den mutmaßlichen Missständen erfahren, weil manche Patienten mit schweren Verletzungen, die typisch für tätliche Angriffe seien, in andere Krankenhäuser eingeliefert worden waren. Auch frühere Angestellte sollen Hinweise gegeben haben.

Das Krankenhaus ist laut "Haaretz" weiter geöffnet. Personal aus anderen Kliniken sei hinzugezogen worden und soll den Betrieb aufrechterhalten, bis über die Zukunft des Krankenhauses entschieden ist. Bizchut, eine Organisation, die sich für Rechte von Behinderten einsetzt, kritisierte, die Behörden hätten auf Hinweise nur zögerlich reagiert. Über Monate sei nichts geschehen, obwohl die Vorwürfe gegen das Klinikpersonal bekannt gewesen seien. Der Staat müsse "das kranke System ändern".

ulz/AFP

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