Kampf gegen die Cosa Nostra Siziliens Superboss gerät in Bedrängnis

Seit einem Vierteljahrhundert jagen italienische Ermittler Mafiaboss Denaro. Jetzt sind sie ihm auf die Pelle gerückt: Die Polizei hat 22 Männer festgenommen - darunter auch Familienangehörige des Capo.

Polizistin mit einem Bild des flüchtigen Matteo Messina Denaro (Archivbild)
AP

Polizistin mit einem Bild des flüchtigen Matteo Messina Denaro (Archivbild)


Seit 1993 sucht die italienische Polizei nach Matteo Messina Denaro, der als Kopf der sizilianischen Cosa Nostra gilt. Jetzt haben Antimafia-Ermittler das Gespenst eingekreist: Am Donnerstag wurden bei einer koordinierten Operation von Carabinieri, Polizei und Antimafia-Behörde DIA insgesamt 22 mutmaßliche Mafiosi aus dem Umfeld des Bosses festgenommen.

Bei den Festgenommenen soll es sich laut italienischen Medien um Mitglieder der Mafiafamilien von Castelvetrano, Campobello di Mazara und Partanna handeln. Die Vorwürfe lauten der Polizei zufolge: Mafiazugehörigkeit, Erpressung, Sachbeschädigung, illegaler Waffenbesitz und Betrug.

Auch Familienangehörige des Mafioso gingen den Ermittlern ins Netz: Denaros Schwager Gaspare Como und Saro Allegra gelten als seine Stellvertreter in der sizilianischen Provinz Trapani. Allegra soll sich um die Finanzen der Organisation gekümmert haben, unter anderem das lukrative Onlinewettgeschäft.

Denaro gilt als Nachfolger von Salvatore "Totò" Riina

Denaro setzt auf seinen engsten Familienkreis, wenn es um die Verwaltung seines "Territoriums" geht. Allegra und Como sind mit Giovanna und Bice Messina Denaro verheiratet, zwei Schwestern des flüchtigen Mafiabosses. Eine dritte Schwester, Anna Patrizia, wurde zu einer langen Haftstrafe verurteilt, zwei Neffen und ein Cousin von Denaro sitzen im Gefängnis, ein Bruder und ein Schwager sind gerade freigekommen.

Den Ermittlern war es mithilfe einer engmaschigen Überwachung gelungen, sich ein Bild über die Organisationsstruktur der Mafia von Trapani zu verschaffen. Ein Großteil der Kommunikation zwischen dem flüchtigen Denaro und seinen Adepten in der Heimat läuft demnach über "Pizzini", handgeschriebene und codierte Botschaften mit Handlungsanweisungen, die seit jeher das bevorzugte Instrument der Bosse sind.

Computergeneriertes Phantombild von Messina Denaro
REUTERS/ Italian State Police Scientific Laboratory

Computergeneriertes Phantombild von Messina Denaro

Aus Abhörprotokollen geht hervor, dass der Mafiaboss viel unterwegs ist und sogar ab und zu nach Sizilien kommt. Wo er sich aktuell aufhält, ist unklar, er soll allerdings exzellente Verbindungen nach Süd- und Mittelamerika haben. Niemand weiß, wie Denaro heute aussieht, er ist zum Phantom geworden. Mitgeschnittene Gespräche von Mafiosi zeigen, dass er inzwischen wie ein Heiliger verehrt und sogar mit Padre Pio verglichen wird.

Mutmaßlich Dutzende Morde verübt oder angeordnet

Dennoch ist die permanente Abwesenheit Denaros ein Problem. Laut Berichten der Zeitungen "Stampa" und "Repubblica" gehen die Ermittler davon aus, dass es in der Provinz Trapani zu einem Krieg der Mafia-Clans kommen könnte, weil es an direkter Kontrolle durch Denaro fehle - und er sein Territorium dadurch nur unzureichend verteidigen könne.

Undatiertes Archivbild des Mafiabosses
DPA

Undatiertes Archivbild des Mafiabosses

Denaro - Spitzname "U siccu", der Magere, - gilt als Nachfolger des 2017 in Haft verstorbenen "Boss der Bosse", Salvatore "Totò" Riina. Denaro soll eine bedeutende Rolle bei den Attentaten auf die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino im Jahr 1993 gespielt haben. Für seine Mittäterschaft wurde er in Abwesenheit zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Der heute 55-Jährige soll zudem Dutzende Morde verübt oder angeordnet haben. Unter anderem wird ihm vorgeworfen, eine schwangere Frau eigenhändig erdrosselt zu haben. Im Jahr 1993 soll er an der Entführung des kleinen Giuseppe Di Matteo beteiligt gewesen sein, dessen Vater gegen die Mafia ausgesagt hatte. Als dieser seine Aussage nicht zurückzog, wurde das Kind erdrosselt und seine Leiche in einem Fass mit Säure aufgelöst.

ala



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