Italien Mailänder Migranten liefern sich blutige Kämpfe

In einem überwiegend von Einwanderern bewohnten Viertel von Mailand ist es zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Auslöser war die Ermordung eines jungen Ägypters, der offenbar von einem Lateinamerikaner niedergestochen wurde.

Unruhen im Mailänder Nordosten: "Tiefer Hass und Wunsch nach Rache"
dpa

Unruhen im Mailänder Nordosten: "Tiefer Hass und Wunsch nach Rache"


Mailand - Wie italienische Medien am Sonntag berichteten, waren der 19-jährige Nordafrikaner und ein Freund am Samstagabend im Bus in eine Auseinandersetzung mit einer Gruppe Südamerikaner geraten. Dabei wurde der junge Mann mit einem Messer getötet. Nähere Tatumstände sind bisher nicht bekannt.

Mehr als drei Dutzend wütende Nordafrikaner versetzten nach dem Mord das Viertel im Mailänder Nordosten mit einer Jagd auf Lateinamerikaner in Angst und Schrecken. Wie der "Corriere della sera" berichtete, zerschlugen sie Schaufenster, zerstörten Autos und setzten Müllcontainer in Brand.

Eine Gruppe von Nordafrikanern zog zum ägyptischen Konsulat und skandierte anti-italienische Parolen. Die Polizei nahm vier Afrikaner fest. Der Mörder des jugendlichen Ägypters wurde bisher noch nicht gefasst.

Viele Anwohner des Problemviertels sorgen sich jetzt um die öffentliche Sicherheit: "Was mir am meisten Angst macht, ist, dass man einen tiefen Hass spürt, einen Wunsch nach Rache", sagte eine Bar-Besitzerin aus der Via Padova dem Blatt.

Mailands Vizebürgermeister Riccardo De Corato von der Berlusconi-Partei "Popolo della libertà" machte am Sonntag die hohe Ausländerkonzentration verantwortlich für das Chaos. Inzwischen seien solche Kämpfe an der Tagesordnung, das Viertel um die Via Padova schon längst "ein Pulverfass". In Mailand leben laut seinen Angaben insgesamt 200.000 Ausländer, von denen sich 40.000 illegal im Land aufhielten. Die Auseinandersetzung zwischen südamerikanischen und nordafrikanischen Migranten würde auf Kosten der Mailänder ausgetragen, erklärte De Corato.

Die ausländerfeindliche "Lega Nord" nutzte die Vorkommnisse für Parteipropaganda: Der EU-Abgeordnete der Regierungspartei, Matteo Salvini, forderte die sofortige Ausweisung für alle Beteiligten sowie Kontrollen im Brennpunkt-Viertel - "Haus für Haus, Stockwerk für Stockwerk".

ala/dpa



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