Europäisches Gericht Italien muss männlich dominiertes Namensrecht ändern

"Patriarchalisch" und "diskriminierend", urteilt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte über das Namensrecht in Italien - und fordert eine Änderung. Bislang müssen Kinder verheirateter Eltern den Nachnamen des Vaters annehmen.

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Kritik an ungleicher Behandlung von Männern und Frauen
DPA

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Kritik an ungleicher Behandlung von Männern und Frauen


Straßburg - In Italien war das Ehepaar in allen Instanzen abgewiesen worden, vor dem Gericht in Straßburg bekam es schließlich recht: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat am Dienstag das in Italien geltende Namensrecht bemängelt und damit der Klage eines italienischen Paares stattgegeben.

Das Gesetz, wonach Kinder verheirateter Paare den Nachnamen des Vaters übernehmen müssen, sei "patriarchalisch" und "diskriminierend", urteilten die Straßburger Richter. Diese Regelung stelle eine "ungleiche Behandlung von Männern und Frauen" dar und sei unvereinbar mit dem in der italienischen Verfassung verankerten Gleichheitsgrundsatz.

Italien muss das entsprechende Gesetz nun ändern, falls es nicht innerhalb von drei Monaten Einspruch einlegt.

Das italienische Paar kämpft seit 13 Jahren dafür, dass die Kinder den Geburtsnamen der Mutter tragen dürfen. Nachdem sie in Italien in allen Instanzen abgewiesen worden waren, waren sie vor den EGMR gezogen.

Ende 2012 erlangten Alessandra Cusan und Luigi Fazzo einen Teilerfolg, als die örtlichen Behörden ihnen gestatteten, ihrer Tochter zusätzlich zum Nachnamen des Vaters den Geburtsnamen der Mutter zu geben. Das Paar setzte seinen juristischen Kampf für eine freie Namenswahl aber fort.

Politiker des linken sowie des rechten Lagers begrüßten den Richterspruch. Die klagenden Eltern äußerten sich gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa erleichtert. Dadurch werde eine "gravierende Lücke" im italienischen Recht geschlossen, sagte Fazzo.

Seine Ehefrau sprach von einer fortschrittlichen Entscheidung, die vor allem den Kindern zugute komme. Das italienische Namensrecht ist im europäischen Vergleich besonders starr. In vielen Ländern können die Eltern ihren Kindern den Familiennamen des Vaters, der Mutter oder einen Doppelnamen geben.

sun/AFP



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