"Baby Gangs" in Italien Neun Jugendliche nach Attacke auf Teenager gefasst

In Neapel steigt die Zahl brutaler Überfälle durch marodierende Jugendbanden. Jetzt hat die Polizei neun Jugendliche nach einer Attacke auf einen 15-Jährigen festgenommen.

Neapel
REUTERS

Neapel


Nach einer brutalen Attacke auf einen Teenager sind neun Jugendliche in Neapel gefasst worden. Die Minderjährigen werden verdächtigt, einen 15-Jährigen am 12. Januar außerhalb einer Metrostation grundlos so schlimm zusammengeschlagen zu haben, dass dessen Milz in einer Notoperation entfernt werden musste, wie die Polizei mitteilte.

Die Verdächtigen sollen einer sogenannten Baby Gang angehören. Acht von ihnen kamen laut Polizei in betreute Wohngemeinschaften, ein mutmaßlicher Angreifer darf weiterhin bei seiner Familie wohnen.

Jugendbanden machen das Land unsicher

Immer wieder wird Neapel von Gewalttaten durch Jugendliche erschüttert. Die "Baby Gangs" machen allerdings nicht nur die süditalienische Stadt, die gerade am heftigsten mit dem Problem zu kämpfen hat, unsicher. Die Jugendbanden sind auch in Mailand, Rom, Turin und zunehmend auch in kleineren Gemeinden aktiv. Sie belassen es nicht nur bei Drohungen, sondern terrorisieren Nachbarn, pinkeln auf Obdachlose, verletzen Gleichaltrige, klauen Handys und provozieren die Sicherheitskräfte.

17 Raubüberfälle und 32 Opfer allein in Neapel zählt die Tageszeitung "Repubblica" von Oktober bis November 2017. Mitte Januar attackierten zwölf Teenager nahe der Metrostation Chiaiano den 15-jährigen Gaetano. Der Fall empörte viele in der Stadt: Hunderte Schüler und Studenten demonstrierten in Neapel. "Schluss mit der Gewalt. Gaetano, wir sind bei dir", war auf den Plakaten zu lesen.

Neapel reagiert mit Sicherheitsrat

Neapel kämpft von jeher mit der Gewalt, hier herrscht die Mafia-Organisation Camorra. Die Stadt hat angesichts der wachsenden Gewalt einen Sicherheitsrat einberufen. Der sozialdemokratische Innenminister Marco Minniti (PD) besuchte die Stadt, traf Opfer der Übergriffe und versprach eine Aufstockung der Sicherheitskräfte um mindestens 100 Beamte.

"Wir haben es mit einer Form nihilistischer Gewalt zu tun, die keinen Respekt vor dem Wert des Lebens hat und willkürlich ausgeübt wird. Das sind Methoden, die terroristische Züge tragen", sagte Minniti. Daher könne man dem Phänomen nur mit null Toleranz begegnen. Mehr zu den "Baby Gangs" und wie Italien auf die Jugendbanden reagiert, lesen Sie hier.

win/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.