Italien verstaatlicht Mafia-Restaurants Pizza, Pasta, Basta

Der italienische Staat ist über Nacht um 80 Millionen Euro reicher geworden - ihm gehören jetzt Dutzende Pizzerien, Eisdielen und Autos: Die Behörden haben sich ein kulinarisches Mafia-Imperium in Rom angeeignet.

Restaurants in der Altstadt Roms
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Restaurants in der Altstadt Roms


Vor zwei Jahren beschlagnahmte die Polizei im Herzen Roms sämtlichen Besitz eines italienischen Mafia-Clans, nun ist der Staat noch einen Schritt weitergegangen: Das gesamte Imperium einer Mafia-Familie im Wert von etwa 80 Millionen Dollar sei in staatlichen Besitz übergegangen, meldet unter anderem die Zeitung "Corriere della Sera".

Damit hat der italienische Staat auf einen Schlag etwa 28 Etablissements verstaatlicht - unter anderem Pizzerien, Eisdielen, Bars und Restaurants. Insgesamt sind 41 Immobilien, 76 Fahrzeuge, 77 Gesellschaften sowie 300.000 Euro Bargeld in staatlichen Besitz übergegangen, wie "La Repubblica" berichtet.

Der Schlag richtet sich gegen die Mafia-Familie der Brüder Luigi, Antonio und Salvatore Righi, die Spezialeinheiten schon 2014 bei einem Polizeieinsatz gegen organisierte Kriminalität im Zentrum der italienischen Hauptstadt festgenommen hatten. Den Ermittlungen zufolge sollen sie vor allem für den Contini-Clan der neapolitanischen Camorra gearbeitet haben.

In Neapel sitzt ein Ex-Bürgermeister in Haft

Auch in Neapel gelang Ermittlern ein Erfolg gegen die Mafia. Wie "La Repubblica" berichtet, nahmen Einsatzkräfte am Donnerstagmorgen acht Verdächtige fest - darunter den früheren Bürgermeister des süditalienischen Städtchens Grazzanise: Enrico Parente soll mit der Camorra zusammengearbeitet haben.

Erst Ende März hatte der bislang größte Mafia-Prozess Norditaliens unter großem öffentlichen Interesse gestartet. Insgesamt 147 Angeklagte, darunter der italienische Fußballweltmeister Vincenzo Iaquinta und dessen Vater, müssen sich vor einem Gericht in Reggio Emilia verantworten.

Im Visier der Justiz steht die kalabrische Mafia 'Ndrangheta, die mehr und mehr auch im Norden des Landes aktiv wird. Iaquinta, der 2006 in Deutschland Weltmeister wurde, werden illegaler Waffenbesitz und Unterstützung der Mafia vorgeworfen. Sein Vater wird verdächtigt, Mitglied der Verbrecherorganisation zu sein. Der frühere Nationalspieler weist die Vorwürfe zurück.

Mit den beiden prominenten Angeklagten stehen zahlreiche Verdächtige vor Gericht, darunter Beamte, Politiker, Handwerker, Unternehmer und Journalisten. Zu den Anklagepunkten zählen vor allem klassische Mafia-Verbrechen wie Mord, Geldwäsche, Erpressung, Korruption und Stimmenverkauf bei Kommunalwahlen.

mxw

insgesamt 22 Beiträge
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Alias_aka_InCognito 05.05.2016
1. Fließende Übergänge
Wobei man besonders in Süditalien ja kaum zwischen Mafia, Gesellschaft und Staat unterscheiden kann. Die am besten organisierte Kraft ist dort die Ndrangheta. Auch in Rom - eine von mir sehr geschätzte Stadt - ist zu spüren, dass Rom schon immer in seiner sehr langen Geschichte schon immer "mafiös" war. Der moderne, saubere Staat in seiner Theorie ist wohl nur doch Theorie. Und besonders die Leute in den nördlichen Ländern glauben, dass die Theorie funktioniert. Südländer sind trotz Katholikentum weniger gläubig.
hevopi 05.05.2016
2. Große Anerkennung für die Italiener,
die endlich mal den Nerv dieser Verbrecherbande getroffen hat. Wenn jetzt noch ganz Europa sich endlich daran gewöhnen würde, dass Vermögen der Verbrecher zu beschlagnahmen, hätten wir demnächst nicht nur eine Demokratie, sondern Verbrecher würden in die Geschichtsbücher verbannt. Außerdem würde der Staat nur so im Geld schwimmen und sich keiner mehr Gedanken über Altersarmut mehr machen müssen.
nick23 05.05.2016
3. Sollten wir in Deutschland auch mal machen
Dumm nur, dass bei uns niemand weiß, wo überall das Mafia-Geld investiert wurde. Mal das BKA fragen?
noalk 05.05.2016
4. Wissen tun sie das manchmal schon
Zitat von nick23Dumm nur, dass bei uns niemand weiß, wo überall das Mafia-Geld investiert wurde. Mal das BKA fragen?
Aber nachweisen, dass es illegal erworben wurde, ist meistens nicht möglich. Und das ist in D nun mal nötig, um das Vermögen in Staatsbesitz zu überführen. D ist halt immer noch quasi ein Paradies für Schwarzgeld. Daran wird auch die Abschaffung des Fünfhunderteuroscheines nicht viel ändern.
klaus.leim 05.05.2016
5. damit
könnte man auch die diversen kriminellen Clans in Deutschland austrocknen und sie dann südlich des Mittelmeeres aussetzen.
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