Bluttat von Aurora: Holmes wegen vielfachen Mordes angeklagt

Die Staatsanwaltschaft in Colorado hat Anklage gegen den mutmaßlichen Kino-Schützen von Aurora erhoben. James Holmes zeigte demnach bei der Tat besondere Gleichgültigkeit - deshalb wird ihm jeder Mord doppelt zur Last gelegt. Die Liste der Vorwürfe umfasst 142 Punkte.

Angeklagter Holmes bei erster Anhörung (Archiv): Angeklagt in 142 Punkten Zur Großansicht
AP/ Denver Post

Angeklagter Holmes bei erster Anhörung (Archiv): Angeklagt in 142 Punkten

Denver - Der mutmaßliche Kino-Schütze von Aurora muss sich unter anderem wegen mehrfachen Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Colorado brachte gegen James Holmes bei einer Anhörung insgesamt 142 Anklagepunkte vor, darunter Mord in 24 Fällen und versuchter Mord in 116 Fällen.

Holmes ist wegen jedes Toten und Verletzten doppelt angeklagt. Der zweite Anklagepunkt unterstellt laut der Nachrichtenagentur Reuters und CBS News jeweils, dass Holmes eine Haltung "umfassender Bosheit" an den Tag gelegt habe, die sich "in extremer Gleichgültigkeit gegenüber dem Wert menschlichen Lebens" geäußert habe. Hinzu kommen zwei weitere Anklagepunkte wegen Besitz eines explosiven Gegenstandes und Verübung einer Gewalttat.

Holmes schien wie bei seiner ersten Anhörung vor einer Woche verwirrt, sprach aber einmal mit einem seiner Anwälte. Der Gerichtssaal war voll besetzt. Bei dem Termin waren keine Kameras zugelassen.

Dem 24-Jährigen wird vorgeworfen, während einer Mitternachtspremiere des neuen "Batman"-Films "The Dark Knight Rises" am 20. Juli zwölf Kinobesucher getötet und 58 Menschen verletzt zu haben. Zehn Personen sind noch immer im Krankenhaus, vier davon in kritischem Zustand. Holmes wird zudem beschuldigt, seine Wohnung so mit Sprengfallen versehen zu haben, dass das gesamte Gebäude zerstört worden wäre, wenn die Ladungen detoniert wären.

"Die einzige mögliche Verteidigung ist Geisteskrankheit"

Die Staatsanwaltschaft erwägt, die Todesstrafe für Holmes zu fordern. Sie muss in Colorado innerhalb von 60 Tagen nach der Anklageerhebung beantragt werden. Sie wird in dem Bundesstaat äußerst selten verhängt. Zuletzt wurde in Colorado 1997 eine Person hingerichtet - die einzige seit 1977.

Experten rechnen damit, dass die Verteidigung versuchen wird, durch "Unzurechnungsfähigkeit" eine mildere Strafe zu erreichen. "Es geht nicht um Wer-hat-es-getan. (...) Die einzige mögliche Verteidigung ist Geisteskrankheit", sagte der frühere Staatsanwalt Craig Silverman.

Colorados Gesetze sehen keine rechtliche Verantwortung für Angeklagte vor, die zum Tatzeitpunkt nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden konnten. Auf unzurechnungsfähig zu plädieren könnte sich allerdings als schwierig erweisen, sagte Sam Kamin, ein Jura-Professor an der Universität Denver - weil es deutliche Beweise dafür gebe, dass die Tat vorbereitet wurde. Holmes hatte sich laut Polizei über Monate Waffen und Munition verschafft.

"Worüber wir aber nichts wissen, und davon wird das Verfahren abhängen, ist sein Geisteszustand", sagte Kamin. Prozessbeobachter rechnen mit einem langen Verfahren. Demnach könnte es bis zu einem Jahr dauern, bis eine Hauptverhandlung eröffnet wird.

ulz/dpa/dapd/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Justiz
RSS
alles zum Thema Die Aurora-Morde 2012
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Karte