Kino-Attentat von Aurora: Anwälte bezeichnen Holmes als psychisch krank

Der mutmaßliche Kino-Schütze von Aurora ist laut seinen Anwälten psychisch krank. Mehrmals wiederholten die Verteidiger diese Einschätzung bei einer Anhörung vor Gericht. Prozessbeobachter sehen darin einen Hinweis, wie die Verteidigungsstrategie für James Holmes aussehen könnte.

Centennial - James Holmes ist psychisch krank und versuchte vor dem Kino-Attentat von Aurora, Hilfe zu bekommen - das haben die Anwälte des wegen vielfachen Mordes angeklagten 24-Jährigen bei einem Gerichtstermin gesagt. Die Verteidiger erklärten bei der Anhörung, sie benötigten mehr Zeit, um Art und Ausmaß der Erkrankung von Holmes zu prüfen. Der Beschuldigte wirkte am Donnerstag ähnlich verwirrt wie bei seinen vorherigen Auftritten vor Gericht.

Die Verteidigung habe Universitäts-Psychiaterin Lynne Fenton um Hilfe gebeten, bei der der Angeklagte in Behandlung war, sagte der Anwalt Daniel King. Kürzlich war bekannt geworden, dass die Psychiaterin die University of Colorado offenbar einen Monat vor dem Amoklauf vor ihrem Patienten, einem ehemaligen Doktoranden der Hochschule, warnen wollte. In Colorado sieht das Gesetz vor, dass Ärzte die Behörden nur vor möglichen Gewalttaten von Patienten warnen müssen, wenn diese eine direkte Drohung gegen ein konkretes Ziel oder eine bestimmte Person ausgesprochen haben.

Die Frage nach Holmes' Geisteszustand dürfte ein zentraler Punkt des Verfahrens werden. Wiederholte Hinweise der Verteidigung auf eine psychische Erkrankung könnten ein Indiz dafür sein, welche Strategie die Anwälte verfolgen. "Unzurechnungsfähigkeit ist in diesem Fall die einzig mögliche Verteidigung", sagte der ehemalige Staatsanwalt Craig Silverman. Holmes' Anwälte legten die Grundlage für ihre Verteidigung, indem sie vor Gericht wiederholt von einer psychischen Erkrankung gesprochen hätten.

Noch ist laut Polizei wenig darüber bekannt, wie Holmes die Tat während einer Mitternachtspremiere vorbereitete oder seine Wohnung mit Sprengfallen sicherte. Dem 24-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, am 20. Juli im US-Staat Colorado zwölf Menschen getötet und 58 verletzt zu haben.

Bei der Anhörung ging es auch um Zugang von Medien zu Gerichtsunterlagen. Mehrere Nachrichtenmedien haben in dem Fall Einsicht in Akten gefordert, die Details über Holmes und die Bluttat in einem Kino liefern könnten. Rund 20 Medien, darunter die "New York Times", die "Denver Post" sowie der TV-Sender CBS, wollen die Herausgabe der bislang unter Verschluss gehaltenen Gerichtsunterlagen erwirken.

Zudem fordern sie von Richter William Sylvester die Lockerung eines Verbots, das der ehemaligen Universität des Angeklagten die Weitergabe von Details über Holmes untersagt. Die zuständige Staatsanwaltschaft hat erklärt, eine Freigabe entsprechender Unterlagen könnte ihre Ermittlungen in dem Fall gefährden. Richter Sylvester sagte, er werde die Forderung der Medien prüfen und seine Entscheidung schriftlich mitteilen.

ulz/dapd/Reuters

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