Ex-Mafiaboss James "Whitey" Bulger umgebracht Im Gefängnis war es tödlich

Mit Unterstützung des FBI stieg James "Whitey" Bulger zum Paten von Boston auf, räumte unbehelligt Rivalen und Zeugen aus dem Weg. Jetzt ist der brutale Mafiaboss im Gefängnis selbst getötet worden.

DPA

Sein Leben endete so, wie es über Jahrzehnte gewesen war: gewaltsam. James "Whitey" Bulger, berüchtigter und legendärer Bostoner Mafiaboss, wurde am Dienstagmorgen um 8.20 Uhr leblos in seiner Zelle im US-Gefängnis Hazelton in Bruceton Mills, West Virginia, gefunden. Er, der unzählige Morde anordnete und ausführte, wurde selbst umgebracht.

"Die Staatsanwaltschaft und das FBI werden eine Untersuchung zum Tod von James Bulger einleiten. Aktuell werden keine weiteren Informationen veröffentlicht", zitiert der "Boston Globe" eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in West Virginia. Drei mit dem Fall vertraute Personen berichteten der Zeitung, man ermittle gegen einen Insassen, der selbst Verbindungen zur Mafia haben soll.

Bulger ereilte das Schicksal, das viele seiner Opfer und die Opfer seiner Mordkumpane erlitten. Als "Pate von Boston" regierte er in den Siebzigern und Achtzigern mit der Winter Hill Gang brutal die Unterwelt der Stadt. Die Bande vergab illegale Kredite, wurde mit Erpressung reich und tötete jene, die ihr im Weg waren.

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James "Whitey" Bulger: Leben eines Gangsters

1994 tauchte Bulger unter und wurde erst 2011 gefasst. Seit 2013 saß er die Strafe für seine Verbrechen ab, seine Wertsachen wurden versteigert, um seinen Opfern finanziell zu helfen. Erst am Montag war der mittlerweile 89-Jährige aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Oklahoma nach West Virginia verlegt worden.

Bulgers Karriere begann in einem Armenviertel im Süden Bostons. 1929 wurde er als ältester Sohn irischer Einwanderer geboren. Sein weißblondes Haar brachte ihm den Spitznamen "Whitey" ein. Sein jüngerer Bruder William befreite sich mit Bildung aus der Armut und ging in die Politik, war viele Jahre Präsident des Senats von Massachusetts. Die Machenschaften seines Bruders holten ihn schließlich doch ein. Weil er nicht unter Eid über den flüchtigen "Whitey" aussagen wollte, gab er öffentlichem Druck nach und trat als Präsident der Universität von Massachusetts zurück.

Während William dennoch eine respektierte Figur des öffentlichen Lebens war, setzte James auf das Gesetz der Straße: Er machte sich in Schlägereien einen Namen mit seiner Brutalität, schloss sich der Winter Hill Gang an und beging Banküberfälle. 1956 wurde er festgenommen, einen Teil seiner Strafe saß er auf der berüchtigten Gefängnisinsel Alcatraz ab. Um seine Haftzeit zu verkürzen, meldete Bulger sich freiwillig zur Teilnahme an einem CIA-Programm, bei dem mit LSD experimentiert wurde. In seinem Gefängnistagebuch schrieb er, das Experiment habe bei ihm Halluzinationen und Albträume ausgelöst.

Nach seiner Entlassung kehrte Bulger nach Boston zurück und traf dort einen alten Bekannten wieder. Der elf Jahre jüngere John Connolly war in Bulgers Nachbarhaus aufgewachsen und stand als FBI-Mann auf der anderen Seite des Gesetzes - eigentlich. Doch die beiden verband ihre Herkunft und offenbar auch kriminelle Energie. Sie verabredeten einen fragwürdigen Deal: Bulger lieferte Connolly Informationen über rivalisierende Mafiabosse, im Gegenzug hielt Connolly ihm den Rücken frei.

Herrscher der Bostoner Unterwelt

Von einem Schnapsladen im Hafenviertel aus führte "Whitey" Bulger fortan seine Geschäfte, unterstützt von Handlangern wie Stephen "Der Schütze" Flemmi und Johnny "Der Schlächter der Baisin Street" Martorano. Er kontrollierte illegales Glücksspiel und den Drogenhandel in der Stadt, war Kredithai und Erpresser. Unliebsame Konkurrenten und Zeugen räumte er aus dem Weg - mit Connollys Wissen. Eines seiner Opfer erwürgte er mit bloßen Händen, weil sie von seiner Rolle als FBI-Informant wusste.

Vom FBI geduldet, stieg Bulger zum "Paten von Boston" auf. Im Gegenzug gelangen Connolly mithilfe von "Whiteys" Informationen spektakuläre Festnahmen. Für seine Erfolge wurde der Agent beim FBI gefeiert und bekam den Spitznamen "der Prinz".

Zehn Jahre regierte Bulger mit Connollys Hilfe die Bostoner Unterwelt. Als der FBI-Mann 1994 in Ruhestand ging, wollte man Bulger als Informanten fallen lassen. Connolly warnte seinen Kindheitsfreund; Bulger tauchte mit seiner Freundin Catherine Greig unter. Das FBI setzte ihn auf die "Most Wanted"-Liste, doch "Whitey" hatte ausreichend Mittel, um 16 Jahre lang unentdeckt zu bleiben. Der Gangsterboss hatte 1991 im Lotto gewonnen: 14,3 Millionen Dollar. Dass der Gewinn ein glücklicher Zufall war, darf bezweifelt werden. Als Bulger den Gewinn abholte, soll er laut "Boston Herald" gesagt haben: "Das glauben die nie."

Als Rentnerehepaar Charlie und Carol Gasko hielten sich der Schwerverbrecher und seine Freundin im kalifornischen Santa Monica versteckt. Die Faszination mit Bulger ebbte nicht ab. 2006 erschien der Film "Departed: Unter Feinden", der stark an Bulgers Leben angelehnt ist. Jack Nicholson spielte die Figur des Mafiapaten. Der Film bekam vier Oscars. 2015 erschien die Geschichte um Aufstieg und Fall von "Whitey" Bulger erneut im Kino - in "Black Mass" spielte Johnny Depp die Hauptrolle.

Ermittlungserfolg dank Brustimplantaten

Die Filme hätten womöglich die Erinnerung an Bulger geprägt und verklärt, wenn seine Freundin keine Brustimplantate gehabt hätte. Deren Seriennummer verfolgten Ermittler zu einem Schönheitschirurgen, den Greig regelmäßig zur Kontrolle aufsuchte - und fanden so schließlich Bulger. Am 22. Juni 2011 nahmen die Ermittler den damals 81-Jährigen fest. In der Wohnung des Paares fanden sie ein Waffenarsenal und 800.000 Dollar in einem Wandversteck.

Greig wurde 2012 wegen des Nutzens einer falscher Identität und ihrer Rolle als Fluchthelferin zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Bulger musste sich ab 2013 vor Gericht verantworten. Auftragskiller Martorano sagte gegen seinen Ex-Boss aus, aus Rache für dessen Rolle als FBI-Informant. "Ich schoss ihm ins Herz", erinnerte er sich im Zeugenstand an den Mord an einem Rivalen 1974, den er auf Geheiß Bulgers in eine Falle gelockt hatte.

Nach 15 Monaten Prozess wurde Bulger im August 2013 in 31 Anklagepunkten für schuldig befunden, darunter 11 Morde in den Jahren von 1973 bis 1985. Acht weitere Morde konnten ihm nicht eindeutig nachgewiesen werden. Der Mafiaboss bekam zweimal lebenslänglich plus fünf Jahre.

Damit folgte Bulger seinem einstigen Partner, dem korrupten FBI-Mann Connolly. Er war wegen seiner Verstrickungen schon 2002 und 2005 zu insgesamt 50 Jahren Haft verurteilt worden.

Im Video: Mafiaboss Lucky Luciano - Der Erfinder des organisierten Verbrechens

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