Japan Vierfacher Kindermörder hingerichtet

Er tötete vier Mädchen und verschickte Leichenteile an Eltern - jetzt wurde in Japan das Todesurteil gegen einen Serienmörder vollstreckt. Der Fall hatte die Diskussion um gewaltverherrlichende Fernsehserien neu entfacht: Der Täter besaß Tausende umstrittene Videos.


Tokio - Ein wegen vierfachen Mordes zum Tode verurteilter Japaner ist am Dienstag hingerichtet worden. Der 45-jährige Tsutomu Miyazaki wurde laut Berichten des Justizministeriums in Tokio in den frühen Morgenstunden gehängt.

Miyazaki hatte in den achtziger Jahren aus sexuellen Motiven mehrere Kinder getötet und war 1989 festgenommen worden, als er Nacktfotos von einem kleinen Mädchen machen wollte. Daraufhin gestand er, vier weitere getötet und verstümmelt zu haben. Auch habe er das Handgelenk eines seiner Opfer verspeist, in einem anderen Fall schickte er Leichenteile an die Eltern des toten Kindes.

Nach seiner Festnahme wurden bei der Durchsuchung von Miyazakis Wohnung rund 5700 belastende Videos gefunden, die illegale Pornographie und Gewaltdarstellungen enthielten. Der Fall hatte in Japan daraufhin eine Debatte über den Einfluss gewaltverherrlichender Comics und Fernsehserien ausgelöst. Der Vater des Täters beging wegen der Greueltaten seines Sohnes Selbstmord.

Obwohl Miyazaki während des Prozesses angegeben hatte, ihm sei wiederholt ein "Rattenmann" erschienen, bevor er die Mädchen tötete, entschied das Gericht, dass er die Taten im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ausgeführt haben musste. Seine Opfer waren alle im Alter von vier bis sieben Jahren.

Das Todesurteil gegen den Kindermörder wurde in zweiter Instanz und im Januar 2006 auch durch den Obersten Gerichtshof bestätigt.

An diesem Dienstag wurden in Japan außerdem zwei weitere zum Tode verurteilte Mörder hingerichtet. Damit wurden seit Amtsantritt von Justizminister Kunio Hatoyama im vergangenen August insgesamt 13 zum Tode Verurteilte hingerichtet. Die Todesstrafe wurde in Japan im Jahr 1993 wiedereingeführt. Seitdem brachte es keiner von Hatoyamas Vorgängern innerhalb einer Amtszeit auf eine derart hohe Anzahl vollstreckter Urteile.

Derzeit sitzen noch 102 Todeskandidaten in japanischen Gefängnissen ein. Neben den USA ist Japan eines der letzten hochindustrialisierten Länder, in denen noch Todesurteile vollstreckt werden.

imo/AFP/IHT



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