Hinrichtungen: Japan vollstreckt drei Todesurteile

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Justizminister Sadakazu Tanigaki: Morde "von extremer Grausamkeit"

Die japanischen Behörden haben drei zum Tode verurteilte Häftlinge hingerichtet - trotz internationaler Kritik. Die Männer hätten Morde "von extremer Grausamkeit" begangen, sagte der Justizminister.

Tokio - Drei zum Tode verurteilte Mörder sind in Japan gehenkt worden. Das gab das Justizministerium bekannt. Es waren die ersten Hinrichtungen unter der seit Dezember amtierenden Regierung des rechtskonservativen Premiers Shinzo Abe.

Japan gehört zu den wenigen Industrieländern, in denen die Todesstrafe noch nicht abgeschafft worden ist. Menschenrechtler prangern seit Jahren den Umgang der drittgrößten Wirtschaftsmacht der Welt mit der Todesstrafe sowie die Haftbedingungen an.

Bei den Gehenkten handelte es sich um drei Männer: einen 44-Jährigen, der im November 2004 in der Provinz Nara ein sieben Jahre altes Mädchen entführt und getötet hatte. Einen 29-Jährigen, der im März 2008 auf offener Straße mit einem Messer wild um sich gestochen und dabei zwei Menschen getötet und mehrere verletzt hatte. Und einen 62-Jährigen, der wegen des Mordes an einer Barbesitzerin verurteilt worden war.

Sie seien am frühen Morgen "nach eingehender Prüfung" ihrer Fälle gehenkt worden, weil sie Morde "von extremer Grausamkeit" begangen hätten, sagte Justizminister Sadakazu Tanigaki. Es handelte sich um die ersten Hinrichtungen in Japan seit September 2012.

Als besonders grausam kritisieren Menschenrechtsorganisationen und ausländische Regierungen, dass den Todeskandidaten der Zeitpunkt der Hinrichtung nicht mitgeteilt wird. Die zum Tode Verurteilten leben oft jahrelang in Einzelhaft. Erst wenige Minuten vor ihrer Hinrichtung wird den Gefangenen gesagt, dass sie sterben werden. Die dauernde Angst, dass es jeden Tag soweit sein könnte, treibt nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen viele Todeskandidaten in den Wahnsinn. Ist der Todestag gekommen, dürfen sie sich von ihren Angehörigen nicht mehr verabschieden. Die Angehörigen erfahren von den Hinrichtungen erst im Nachhinein.

Ende 2012 saßen 137 Verurteilte in den japanischen Todeszellen, so viele wie noch nie seit Beginn der Erfassung solcher Statistiken im Jahr 1949. Die Regierung beruft sich stets auf Umfragen, wonach die Mehrheit der Bürger die Todesstrafe für brutale Mörder befürworte. Es gibt in Japan sieben Todeskammern in Vollzugsanstalten der Städte Tokio, Osaka, Hiroshima, Nagoya, Sapporo, Fukuoka und Sendai.

wit/dpa/AFP

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Fläche: 377.944 km²

Bevölkerung: 127,298 Mio.

Hauptstadt: Tokio

Staatsoberhaupt: Kaiser Akihito

Regierungschef: Shinzo Abe

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