Eingemauerte Waffen: LKA Thüringen durchsucht Neonazi-Treffpunkt

Beamte des Landeskriminalamts Thüringen haben mehrere Gebäude in Thüringen durchsucht. Darunter ist auch das sogenannte Braune Haus in Jena, ein Neonazi-Treffpunkt. Auf dem Grundstück sollen Waffen eingemauert worden sein, zwei Neonazis wurden festgenommen.

Das "Braune Haus" in Jena: Auf dem Grundstück sollen Waffen eingemauert sein Zur Großansicht
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Das "Braune Haus" in Jena: Auf dem Grundstück sollen Waffen eingemauert sein

Jena - Schon im September 2010 hatte die Polizei das Gebäude nach Plastiksprengstoff durchsucht - ohne Erfolg. Jetzt nahmen Ermittler des Landeskriminalamts Thüringen (LKA) erneut das sogenannte Braune Haus in Jena unter die Lupe.

Nach Angaben eines Sprechers führt die Staatsanwaltschaft Gera ein Verfahren gegen mehrere Rechtsextreme wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat durch. In diesem Zusammenhang seien vom LKA zehn Objekte in Thüringen durchsucht worden, darunter auch das "Braune Haus" in Jena, über Jahre ein Neonazi-Treffpunkt.

Auf dem Grundstück werden nach Angaben der Staatsanwaltschaft Waffen gesucht, die eingemauert worden sein sollen.

Im Zuge der Ermittlungen ließ die Staatsanwaltschaft auch zwei thüringische Neonazis festnehmen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE handelt es sich dabei um den 28-jährigen Steffen R. und den 34-jährigen Marco Z. Beide sind justizbekannt. Die beiden Verdächtigen, von denen einer im Raum Nürnberg festgenommen wurde, wurden dem Haftrichter vorgeführt. Sie sitzen nun in Untersuchungshaft, teilten das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Gera mit. Über Details der Anschlagspläne hüllten sich die Ermittler in Schweigen.

Treffpunkt für Neonazis

Die Durchsuchungen dauerten am Mittwochmittag noch an. Über bisherige Ergebnisse wurde nichts bekannt. Das "Braune Haus" wurde unter anderem von dem ehemaligen stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Ralf Wohlleben genutzt. Am 29. November 2011 wurde er verhaftet. Er soll die Mitglieder des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) mit Waffen und Munition versorgt haben. Wohlleben sitzt in der JVA Tonna in Untersuchungshaft.

Erst Ende Mai hatte die Bundesanwaltschaft angeordnet, zwei weitere mutmaßliche Waffenbeschaffer des NSU, Carsten S. und Matthias D., aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Eine längere Inhaftierung sei trotz des zumindest bei Carsten S. weiterhin bestehenden dringenden Tatverdachts nicht mehr gerechtfertigt, hieß es. Zuvor hatte der Bundesgerichtshof (BGH) bereits den Haftbefehl gegen Holger G. aufgehoben, weil es keinen dringenden Tatverdacht gebe.

Das Neonazi-Trio Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe war im November 2011 aufgeflogen. Der Generalbundesanwalt macht die sogenannte Zwickauer Zelle für neun Morde, zwei Sprengstoffanschläge und 14 Banküberfälle verantwortlich.

Das Thüringer Landeskriminalamt hatte vor einer Woche personelle Konsequenzen aus den Ermittlungspannen im Fall des "Nationalsozialistischen Untergrunds" gezogen. Der für die Suche nach den untergetauchten mutmaßlichen NSU-Mitgliedern zuständige Zielfahnder musste seinen Posten räumen. Der ehemalige BGH-Richter Gerhard Schäfer hatte das Versagen in einer Kommission untersucht und die Aussagen des Ermittlers als "erbärmlich" bezeichnet.

ala/dpa

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1. thüringen?
donkzonk 06.06.2012
Zitat von sysopDPADas Landeskriminalamt hat auf der Suche nach Waffenverstecken mehrere Gebäude in Thüringen durchsucht. Darunter ist auch das sogenannte Braune Haus in Jena, jahrelang einer der bekanntesten Neonazi-Treffpunkte in Deutschland, in dem auch die Rechtsterroristen der Zwickauer Zelle verkehrten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,837285,00.html
wer hat die braunen bazis diesesmal gewarnt?
2. Na endlich
indian2000 06.06.2012
geht es auch diesen Spinnern mal an den KRAGEN. Eingemauerte Waffen? Wird das jetzt auch wie bei den Rockern eingerissen oder steht das Haus unter Denkmalschutz? Danach dann bitte noch bei den Miri´s und den Salafisten suchen. wer weiß was da noch so alles gefunden wird. Die Abriss Firmen bzw. Bau Firmen können sich wieder über Aufträge freuen. So kann man das innerdeutsche Bruttosozialprodukt auch steigern.
3.
pandur90 06.06.2012
Tja, damit haben Sie einen Teil des Problems erkannt: Rechte morden über 100 Menschen und es gibt immer noch Polizisten die so denken. Und es gibt Menschen wie Sie, die sowas hören und anstatt sich zu informieren einfach nachplappern...
4. Genau!
berteb 06.06.2012
Stimmt, genau die selbe Erfahrung habe ich auch gemacht....... damals, in der Weimarer Republik.
5. Sensibilität
otto_iii 06.06.2012
Dieser Befund ist offensichtlich, wenn man nur mal vorurteilsfrei die Berichterstattung zu den rechten Aufmärschen verfolgt. Die Rechtsextremisten achten peinlich darauf, dass bei diesen Aufzugen keinerlei Gewalt oder sonstige Rechtsbrüche (bei den Rechtsextremen kann man sich ja schon durch Propagandadlikte strafbar machen) vorkommen. Ansonsten wäre das ihre letzte Demo. Die Antifa betrachtet es hingegen als ihr ausschließliches Recht, in der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Wenn die Rechtsextremen (mit gerichtlicher Billigung und unter Polizeischutz) demonstrieren, dann sieht sich die Antifa berufen, diese Demo gewaltsam aufzulösen. Man stelle sich nur einmal vor, die Rechtsextremen würden bei einer genehmigten Demo der Linken so einen Krawall veranstalten - da würde der Staatsnotstand ausgerufen!
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