Rolle der BBC im Missbrauchsskandal: Chaos ja, Zensur nein

Warum hat die britische BBC einen kritischen Beitrag über ihren einstigen Star-Moderator Jimmy Savile zurückgehalten? In einem neuen Bericht heißt es nun, Verwirrungen und Chaos im Sender hätten dazu geführt. Es sei jedoch keine gezielte Entscheidung gewesen.

BBC-Gebäude in London: Bericht über Verhalten im Fall Savile veröffentlicht Zur Großansicht
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BBC-Gebäude in London: Bericht über Verhalten im Fall Savile veröffentlicht

London - Scotland Yard sprach von einem Skandal in einem "noch nie dagewesenen Ausmaß": Jahrzehntelang soll Jimmy Savile, einst gefeierter Moderator der britischen BBC, Dutzende Kinder missbraucht haben. Aussagen von mutmaßlichen Opfer hätten ergeben, dass Savile für 199 Verbrechen verantwortlich sein könnte - darunter für 31 Fälle von Vergewaltigung.

Der Skandal war erst durch eine Dokumentation des britischen Senders ITV bekanntgeworden, im Oktober wurden Ermittlungen eingeleitet. Die BBC selbst hatte einen kritischen Beitrag über Savile zuvor zurückgehalten. Dazu hätten schlechte Entscheidungen auf Führungsebene geführt, heißt es nun in einem Bericht zu den Vorfällen, den die BBC selbst angestoßen hatte und der unter der Leitung des ehemaligen Sky-News-Chefs Nick Pollard erstellt worden ist.

Zugleich kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass es nicht das Ziel der Verantwortlichen im Sender gewesen sei, den Beitrag zu stoppen. Niemand hätte Druck ausgeübt. Schuld seien vielmehr "Verwirrungen und schlechte Führung" gewesen. Dem damaligen BBC-Chef Mark Thompson seien keine Vorwürfe zu machen. Thompson hatte im November seinen Posten als Geschäftsführer bei der "New York Times" angetreten.

Allerdings geht dem Bericht zufolge aus verschiedenen E-Mails von BBC-Mitarbeitern hervor, dass einige von einer "dunklen Seite" Saviles gewusst hätten - selbst, als diese an den Tribut-Sendungen nach seinem Tod 2011 gearbeitet hätten.

Ein weiterer Bericht kritisiert den Beitrag, in dem die BBC-Sendung "Newsnight" Missbrauchsvorwürfe gegen einen unschuldigen Tory-Politiker verbreitet hatte. BBC-Chef George Entwistle trat daraufhin zurück. Es sei fälschlicherweise davon ausgegangen worden, dass die Vorwürfe in dem Beitrag nicht sorgfältig zu prüfen seien, da der Politiker nicht namentlich genannt wurde. Die Spitze der BBC sei nicht informiert worden, der Politiker wurde mit den Vorwürfen nicht konfrontiert. Nach der Ausstrahlung des Reports war der Name des Politikers schnell durchgesickert.

Ein Redakteur und der stellvertretende Redaktionsleiter von "Newsnight" werden nun versetzt. Darüber hinaus werden weitere Redakteure und BBC-Angestellte in Folge der Untersuchungsergebnisse auf andere Posten wechseln.

Am Mittwoch gab es zudem eine weitere Festnahme im Fall Savile. Ein älterer Mann aus London sei um 6.30 Uhr wegen des Verdachts von Sexualdelikten festgenommen worden, sagte die Polizei. Im Rahmen der "Operation Yewtree" untersuchen die Ermittler Missbrauchsfälle, die von Savile alleine oder gemeinsam mit anderen verübt worden sein sollen. Nach Angaben der BBC sind 30 Beamte an der Operation beteiligt, bisher habe sie zwei Millionen Pfund gekostet.

aar/bim/AP/Reuters

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