Missbrauchsskandal um Jimmy Savile: Polizei spricht von 300 möglichen Opfern

Seit die Missbrauchsvorwürfe gegen BBC-Star Jimmy Savile öffentlich wurden, ist vom guten Ruf des verstorbenen Kultmoderators nichts mehr übrig. Wie nun bekannt wurde, geht die Polizei von bis zu 300 potentiellen Opfern aus. Möglicherweise seien auch noch lebende Personen am Skandal beteiligt.

Verstorbener Kult-Moderator: Der Missbrauchsskandal um Jimmy Savile Fotos
Getty Images

London - Jahrzehntelang soll sich Jimmy Savile an Kindern vergangen haben, Vermutungen gab es bereits zu seinen Lebzeiten, doch öffentlich wurden sie erst nach dem Tod des einstigen BBC-Moderators. Wie die britische Polizei nun mitteilte, soll es 300 mögliche Opfer geben, darunter zwei männliche.

"Es ist erschütternd", sagte der Leiter der Untersuchungen, Peter Spindler. In einigen Fällen gebe es Hinweise auf weitere Täter, möglicherweise handelt es sich um noch lebende Personen. Bisher seien jedoch noch keine Verdächtigen festgenommen oder befragt worden, sagte Spindler.

Einige Kinder waren zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat offenbar erst acht Jahre alt. Einige hätten Hinweise darauf gegeben, dass es in den siebziger und achtziger Jahren bei der BBC einen Pädophilenring gegeben habe, zu dem neben Savile weitere Berühmtheiten gehörten. Dies teilten die Anwälte einiger Opfer mit.

Savile, der im vergangenen Jahr 84-jährig verstarb, moderierte unter anderem die Sendung "Top of the Pops". Der Entertainer, als dessen Markenzeichen seine wilde Frisur und eine dicke Zigarre galten, war in der Bevölkerung sehr beliebt, bis der Skandal im vergangenen Jahr nach seinem Tod ans Licht kam. Bei seiner Arbeit kam Savile häufig mit Kindern in Kontakt.

Ärzte unter Verdacht

Erst kurz zuvor war bekannt geworden, dass die Ermittler im Fall Savile mindestens drei Ärzte verdächtigen, sich an Kindern vergangen zu haben - in Krankenhäusern, zu denen Savile enge Verbindungen pflegte und in denen er Minderjährige missbraucht haben soll, wie der "Guardian" berichtet. Zudem hatte die BBC vor wenigen Tagen bekanntgegeben, dass gegen neun aktuelle und ehemalige Mitarbeiter Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs und Belästigung erhoben wurden.

Auch in den USA ist die Missbrauchsaffäre Thema: Im November tritt Mark Thompson seinen Posten als Geschäftsführer bei der "New York Times" an. Noch bis vor wenigen Wochen war er Chef der BBC. Der Sender wird derzeit heftig kritisiert - vor allem, weil ein eigener Beitrag über die Verdächtigungen gegen Savile monatelang unter Verschluss gehalten wurde.

aar/AP/Reuters

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1. Verschleppen
Peter.Lublewski 25.10.2012
"Es ist erschütternd", sagte der Leiter der Untersuchungen, Peter Spindler. In einigen Fällen gebe es Hinweise auf weitere Täter, möglicherweise handelt es sich um noch lebende Personen. Bisher seien jedoch noch keine Verdächtige festgenommen oder befragt worden, sagte Spindler." Ganz einfach: Die Angelegenheit wird solange verschleppt, bis die noch lebenden Verdächtigen auch tot sind.
2.
Hesekiel 25.10.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSeit die Missbrauchsvorwürfe gegen BBC-Star Jimmy Savile öffentlich wurden, ist vom guten Ruf des verstorbenen Kultmoderators nichts mehr übrig. Wie nun bekannt wurde, geht die Polizei von bis zu 300 potentiellen Opfern aus. Möglicherweise seien auch noch lebende Personen am Skandal beteiligt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/jimmy-savile-polizei-spricht-von-300-moeglichen-opfern-a-863437.html
Wie ein solches Ausmaß möglich gewesen sein soll ohne Mitwisser bleibt mir schleierhaft. Nur zu hoffen, dass jetzt ermittelt wird bevor die Mittäter auch noch unbehelligt weggestorben sind.
3.
haroldb 25.10.2012
Herr Lublewski, Sie haben leider keine Ahnung von dem, wovon Sie schreiben. Bei einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren nach englischem Recht werden normalerweise die Täter bzw. der Tat verdächigten Personen erst ganz am Schluß vernommen, wenn die sonstigen Ermittlungen (zB Befragung aller Zeugen) abgeschlossen sind. Das ist nur dann anders, wenn bei schweren Verbrechen und Fluchtgefahr jemand in Untersuchungshaft genommen wird. Letzteres ist hier unmöglich, da der Hauptverdächtige seit mehr als einem Jahr verstorben ist. Ob es weitere Verdächtige gibt, ist bislang reine Spekulation der Medien. Wenn es lebende Täter gibt, ist es kaum vorstellbar, daß diese nicht vernommen und bei genügend erhärtetem Verdacht angeklagt werden. Was bei den Medienberichten leider immer wieder vergessen wird, ist daß alle frühren Ermittlungen gegen Saville eingestellt werden mußten, da die Beteiligten (Opfer u.a.) sich geweigert haben, ihre Angaben polizeilich und vor Gericht zu bestätigen.
4.
mot2 25.10.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSeit die Missbrauchsvorwürfe gegen BBC-Star Jimmy Savile öffentlich wurden, ist vom guten Ruf des verstorbenen Kultmoderators nichts mehr übrig. Wie nun bekannt wurde, geht die Polizei von bis zu 300 potentiellen Opfern aus. Möglicherweise seien auch noch lebende Personen am Skandal beteiligt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/jimmy-savile-polizei-spricht-von-300-moeglichen-opfern-a-863437.html
Der Mensch neigt zu Germeinsamkeiten. Im übrigen, die gemeine Seegurke, cucumber, kann man nur lange kochen, eher sie geniessbar wird, alte Regel aus Fernost. zum Grusse
5. Ahnung
Peter.Lublewski 25.10.2012
Zitat von haroldbHerr Lublewski, Sie haben leider keine Ahnung von dem, wovon Sie schreiben. Bei einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren nach englischem Recht werden normalerweise die Täter bzw. der Tat verdächigten Personen erst ganz am Schluß vernommen, wenn die sonstigen Ermittlungen (zB Befragung aller Zeugen) abgeschlossen sind. Das ist nur dann anders, wenn bei schweren Verbrechen und Fluchtgefahr jemand in Untersuchungshaft genommen wird. Letzteres ist hier unmöglich, da der Hauptverdächtige seit mehr als einem Jahr verstorben ist. Ob es weitere Verdächtige gibt, ist bislang reine Spekulation der Medien. Wenn es lebende Täter gibt, ist es kaum vorstellbar, daß diese nicht vernommen und bei genügend erhärtetem Verdacht angeklagt werden. Was bei den Medienberichten leider immer wieder vergessen wird, ist daß alle frühren Ermittlungen gegen Saville eingestellt werden mußten, da die Beteiligten (Opfer u.a.) sich geweigert haben, ihre Angaben polizeilich und vor Gericht zu bestätigen.
So steht das aber nicht im Artikel. Allerdings werde ich mich bei einer Freundin - Rechtsanwältin in Lincoln - erkundigen. Vielleicht habe ich danach Ahnung.
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