Flüchtiger Kartellboss Ermittler zeigen Video von "El Chapos" Ausbruch

Der berüchtigte Drogenboss "El Chapo" Guzmán ist auf der Flucht. Die mexikanischen Ermittler zeigen nun Fotos und Videos seines spektakulären Ausbruchs aus dem Gefängnis.

REUTERS

Vor wenigen Tagen gelang dem mexikanischen Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán die Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano, rund 90 Kilometer westlich von Mexiko-Stadt. Jetzt haben die Behörden Aufnahmen von Überwachungskameras aus der Zelle des Kartellbosses veröffentlicht.

Darauf zu sehen ist, wie der frühere Chef des Sinaloa-Kartells in den letzten Minuten vor seinem Ausbruch umhergeht, sich auf das Bett setzt und die Schuhe wechselt. Dann verschwindet "El Chapo" im Waschbereich. Genau dort, unter der Dusche, endet der etwa eineinhalb Kilometer lange Tunnel, durch den Guzmán am Samstag gegen 20.50 Uhr Ortszeit geflohen war.

"Die Toilette und die Dusche liegen im toten Winkel der Kameras. Damit soll die Privatsphäre der Häftlinge gewahrt werden", sagte der nationale Sicherheitsbeauftragte Monte Alejandro Rubido.

Zeitgleich mit dem Video wurden auch die ersten Bilder des Tunnels veröffentlicht. Journalisten durften am Dienstag erstmals den Gang betreten. Demnach befand sich dort auch ein Motorrad auf Schienen, mit dem offenbar Erdmassen bewegt wurden.

Der Ausgang des Fluchtwegs befand sich in einer Scheune in der Nähe des Hochsicherheitsgefängnisses, in dem Guzmán einsaß. In die Freiheit gelangte er über eine Holzleiter mit 17 Sprossen. Die Luft in dem Tunnel sei warm und feucht gewesen, feiner Staub habe alles bedeckt, berichteten die Reporter.

Fotostrecke

7  Bilder
Flucht aus Hochsicherheitsgefängnis: "El Chapos" Tunnel in die Freiheit
Den Sicherheitsbehörden zufolge wurde der Tunnel 19 Meter unter der Erde gegraben. Er verfügt über Strom, Licht und eine Lüftung. Experten erklärten, dass es üblicherweise 18 Monate bis zwei Jahre dauern würde, einen so ausgeklügelten Fluchtweg zu konstruieren. Die Komplizen von El Chapo schafften es mutmaßlich in etwa einem Jahr.

Es gilt als wahrscheinlich, dass die Arbeiten nur unter dem Schutz oder mindestens der Duldung staatlicher Sicherheitskräfte überhaupt durchgeführt werden konnten. Die Bohrarbeiten machen Lärm, Geräte und Materialien müssen herangeschafft, Leitungen gelegt werden.

"Wie konnten sie dort sein, ohne dass jemand hörte, dass unten Bauarbeiten vonstatten gingen?", fragt Alonzo Pena, Ex-Beamter bei der US-Einwanderungsbehörde. "Das ist unmöglich."

Die mexikanischen Drogenkartelle kennen sich aus mit dem Bau unterirdischer Gänge: Traditionell schmuggeln sie Rauschgift durch Tunnel in die USA. Das Sinaloa-Kartell gilt zudem als die kriminelle Organisation, die am meisten mit Regierungsinstitutionen verflochten ist.

Der Ex-Agent Joe Garcia vom US-Heimatschutz in San Diego erklärte, der Tunnel in Altiplano sei länger als alle Grenztunnel, die er je gesehen habe. Um ihn zu bauen hätten die Planer vermutlich genaue Kenntnis über sämtliche Einrichtungen des Hochsicherheitsgefängnisses gehabt - einschließlich Stockwerksplänen, Kamera- und Alarmsystemen.

Die Behörden üben sich in Aktionismus. Eine hohe Belohnung wurde ausgesetzt. Mexikos Innenminister Miguel Angel Osorio Chong gab bekannt, dass drei Verantwortliche des Altiplano-Gefängnisses entlassen worden seien, darunter auch der Direktor Valentin Cardenas. "Sie hatten etwas oder sehr viel damit zu tun, was geschehen ist, deshalb haben wir diese Entscheidung getroffen", sagte Chong.

Die Hintermänner des Coups sind allerdings weiter unbekannt. Auch zu den korrupten Strukturen in der Strafvollzugsanstalt, die den Ausbruch fraglos begünstigt haben, äußerte sich der Minister nicht.

Es war bereits Guzmáns zweite erfolgreiche Flucht aus einem Gefängnis. Der nationale Sicherheitsbeauftragte Monte Alejandro Rubido sagte, "Chapos" Verhalten sei bis zu seinem Ausbruch normal gewesen.

Interaktive Grafik
Sie kämpfen um die Macht und das Geld - mit brutalsten Mitteln: In Mexiko haben Drogenkartelle dem Staat und ihren Rivalen den Krieg erklärt. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Syndikate welche Regionen kontrollieren, und erklärt, wer die Hintermänner sind.

ala/AP/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.