McAfees Flucht aus Belize Fliehe dann, wenn der Regen fällt

Tue Abenteuerliches und blogge darüber - nach diesem Motto lässt Software-Pionier John McAfee seit Wochen die Öffentlichkeit an seiner Flucht aus Belize teilhaben. Nun fasst er das Wesentliche zusammen und brüstet sich damit, welch simpler Trick ihm half: Er wartete auf Regen.

REUTERS

Hamburg - Einer der beiden Journalisten, die Anfang Dezember mit John McAfee aus Belize flohen, bezeichnete das gemeinsam Erlebte als "gefährlich, unglaublich, bewegend". Und es gebe sicherlich noch viele weitere Adjektive, die ihm gerade nicht einfielen, so der Reporter des "Vice"-Magazins weiter. Bei dem Protagonisten selbst hingegen klingt das Ganze schon deutlich unspektakulärer: McAfees Schilderung der Flucht lässt eher Worte wie "verregnet" und "glücklicherweise" in den Vordergrund rücken.

Der 67-Jährige lebte viele Jahre in dem mittelamerikanischen Land. Er verließ Belize, nachdem sein Nachbar tot aufgefunden worden war. Zwischen den beiden Männern hatte es Streit gegeben, die Polizei wollte McAfee befragen. Der Software-Pionier weist jede Verstrickung in den Mordfall zurück und bezichtigt die Regierung von Belize, ihm etwas anhängen zu wollen. Er konnte nach Guatemala entkommen, von wo er an die USA ausgeliefert wurde.

Die Ruhe der Weihnachtstage hat McAfee genutzt und auf seiner Website whoismcafee.com einen höchst ausführlichen und mit zahlreichen Fotos bestückten Blog-Eintrag veröffentlicht. Passend zur Saison spricht er von einer "Weihnachtsgeschichte" und nennt sie in Anlehnung an opulente Heldenepen "Die Flucht - Teil eins". Mit der Detailverliebtheit eines Fünftklässlers, der einen Schulaufsatz über seine Sommerferien schreibt, berichtet der Software-Pionier, wie er und seine Begleiter aus Belize entkommen konnten - mit Hilfe eines Doubles und des Wetters.

Er habe sich bei seiner Flucht desselben Mechanismus bedient, den auch Hacker anwendeten, wenn sie Informationen bekommen wollte, tönt der 67-Jährige in seinem Blog: Es sei schwer, ein Computersystem elektronisch zu knacken, aber leicht, vom zuständigen Administrator die Informationen zu bekommen.

"Kein Kontrollposten hält ein Auto an, wenn es regnet"

Schon während der Flucht hatte McAfee per Blog erklärt, ein Double eingesetzt zu haben. Tatsächlich wurde damals gemeldet, dass ein Mann in Mexiko in der Nähe der Grenze zu Belize festgenommen worden sei. Nun erklärte der Strippenzieher, dabei habe es sich um einen Mann gehandelt, den er seit mehr als 30 Jahren kenne und der vor einigen Jahren ganz legal seinen Namen in John McAfee geändert habe.

Die Festnahme des Doppelgängers lenkte vom echten McAfee ab, der sich mit seiner Entourage in die entgegengesetzte Richtung aufgemacht hatte und dann nur noch auf das passende Wetter warten musste: Regen. "In Belize hält kein Kontrollposten ein Auto an, wenn es regnet", schreibt der einstige IT-Unternehmer in seinem Blog.

Sicherheitshalber spannte McAfee noch einen weiteren Freund ein. Dieser fuhr einen auf den Flüchtigen zugelassenen Jeep und passierte unmittelbar vor dem eigentlichen Fluchtfahrzeug die Straßen. "Ich wusste, dass die Kontrollposten sich auf diesen Wagen konzentrieren würden, wenn sie ihn anhielten. Weitere Verkehrsteilnehmer würden höchstwahrscheinlich durchgewinkt."

Und tatsächlich rauschten er und seine Begleiter dem Blog-Eintrag zufolge in ihrem Wagen bis nach Punta Gorda durch, ohne einmal gestoppt zu werden. Dort bestieg McAfee zusammen mit seiner Freundin Sam und den beiden Reportern des "Vice"-Magazins ein Boot nach Livingston im Nachbarland Guatemala. Wenige Tage später nahm er sich einen Anwalt, stellte einen Asylantrag und wurde kurz darauf festgenommen. Die Behörden in Guatemala-Stadt kündigten zunächst seine Auslieferung nach Belize an, wiesen ihn aber schließlich in die USA aus.

Mehr am 2. Januar 2013

Am 12. Dezember landete er in Miami. Seitdem fahre er auf Nebenstraßen gen Westen, verkündete der 67-Jährige in seinem Forum. Er habe gefärbte Haare, nächtige in Billigmotels und esse in Fast-Food-Restaurants. "Einen Tag habe ich die Kleidung eines Bauarbeiters an, am nächsten Tag die eines Bauern, und den übernächsten Tag kleide ich mich wie ein Geschäftsreisender", schreibt der Selbstdarsteller. "Ich glaube, meine besten Freunde würden mich nicht erkennen."

Von den Behörden in Belize wird er bisher lediglich als "Person von Interesse" bezeichnet, eine Anklage wurde nicht erhoben. Einem Sprecher der Ermittlungsbehörden in Belize zufolge liegen nicht genügend Beweise vor, um einen Haftbefehl gegen McAfee zu erwirken oder seine Auslieferung beantragen zu können.

McAfee hat nach eigenen Angaben sein gesamtes Vermögen in Belize zurückgelassen und ist nun mittellos. "Ich habe nichts", sagte er dem US-Fernsehsender ABC nach seiner Ankunft in den USA. Sein ganzer Besitz, darunter Investitionen über 20 Millionen Dollar (15 Millionen Euro) sowie rund 15 Immobilien, sei in dem Kleinstaat zurückgeblieben. Alles, was er noch habe, seien ein paar Kleidungsstücke und Schuhe, sagte McAfee. Ein Freund habe ihm mit ein wenig Bargeld ausgeholfen, erläuterte der 67-Jährige und wedelte vor der Fernsehkamera mit einem kleinen Geldbündel. Er habe keine Ahnung, wovon er jetzt leben solle.

In der vergangenen Woche ließ McAfee in einem Gespräch mit dem britischen Boulevardblatt "The Sun" anklingen, eventuell nach Southampton übersiedeln zu wollen. Als Sohn einer Britin und eines US-Amerikaners habe er beide Staatsangehörigkeiten. Als Grund gab er an, dort mit seinen beiden Freundinnen zusammen sein zu können. Diese hätten von den USA keine Einreisegenehmigung bekommen.

McAfees Abenteuergeschichte ist noch lange nicht zu Ende. Er kündigte an, am 2. Januar weitere Einblicke in seine Version der Ereignisse zu geben.

siu/AFP

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Pat-Riot 28.12.2012
1. Wunke, wunke
Zitat von sysopREUTERSTue Abenteuerliches und blogge darüber - nach diesem Motto lässt Softwarepionier John McAfee seit Wochen die Öffentlichkeit an seiner Flucht aus Belize teilhaben. Nun fasst er das Wesentliche zusammen und brüstet sich damit, welch simpler Trick ihm half: Er wartete auf Regen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/john-mcafees-berichtet-in-seinem-blog-ueber-flucht-aus-belize-bei-regen-a-874961.html
Vielleicht sollte man dem Fünftklässler, der McAfees Erlebnisbericht hier so brav nacherzählt, mal beibiegen, dass es durchgewinkt heißt, nicht "durchgewunken". Vom Plural von "würde" ganz zu schweigen.
jenstw 28.12.2012
2. Duchgewunken
Es heißt ab sofort "durchgewunken", klingt viel besser finde ich.
cdrenk 28.12.2012
3. Rechtschreibung
SPON ist Boulevard. Die nehmen das mit der Rechtschreibung nicht so genau.
Dr.W.Drews 28.12.2012
4.
Da kann man nur sagen was für ein Depp. So schlau er sich bei seiner Flucht auch angestellt haben mag. Bei seiner Vermögensverwaltung hat er versagt. Dies sei auch eine Warnung an die deutschen Schwarzgeldverschieber. Diese Leute tönen immer wieder wie mies es doch in Deutschland sei. Wenn es dann aber mal wirklich ernst wird, winseln sie erbärmlich um nur ja wieder auf deutschem Boden die Rechtssicherheit genießen zu dürfen.
bewarzer-fan 28.12.2012
5. mich würds nicht wundern,
wenn McA alles drumherum nach langer Planung inszeniert hätte. Das wiederum hätte dann den Stoff für einen netten Abend-Heist a la 'Catch me if you can' und 'Auf der Flucht'. Plot: gelangweilter Mio-när erfährt von der unheilbaren Krankheit seines Nachbarn. Um dessen Nachkommen finanziell abzusichern, machen beide einen Deal: die Umstände des Todes werden fragwürdig sein, während gleichzeitig McA. abtaucht. Ein Strohmann, der McA's Namen annimmt ist in Mesoamerika schnell zu finden, die evt. notwendige Gesichts-OP wird aus der Portokasse gezahlt, die Namensänderung ist Formalie, genauso wie ein, zwei auffällige Autos zu kaufen, die auf den richtigen McA zugelassen sind - ein Benz oder BMW wird zwischen all den Reiskochern in Mesoamerika schon auffallen. Weiter: Nachbar lebt ab und das Spiel beginnt, wie von den beiden Bloggern und McA beschrieben. Nun braucht man nur noch etwas mittel- und nordamerikanisches Lokalkolorit, vielleicht noch eine heiße Latina, nen Schusswechsel mit Banditen/Drogenhändlern. Nebenbei werden ein Dutzend Kinder aus der Hand von Sklavenhändlern befreit - et viola! da ist die Story für Paramount fertig - und wir rennen alle ins Kino, kaufen das Buch und den Flucht-Hut und McA. ist seine vorgeblichen Verluste um ein Mehrfaches los.
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