Kinder-Schönheitskönigin Der rätselhafte Mord an JonBenet Ramsey

JonBenet Ramsey wurde 1996 erdrosselt im Keller ihrer Eltern gefunden. Eine TV-Doku will den Täter identifiziert haben: Ramseys Bruder, der damals selbst ein Kind war. Er wehrt sich mit einer 750-Millionen-Dollar-Klage.

imago/ ZUMA Press

Der Tod JonBenet Ramseys ist einer der rätselhaftesten Kriminalfälle der US-Geschichte. Bis heute ist ungeklärt, wer die sechsjährige Kinder-Schönheitskönigin 1996 umbrachte. Eine Doku des TV-Senders CBS will geschafft haben, was Polizei und Staatsanwaltschaft bislang nicht gelang: Ramseys Mörder zu identifizieren.

In der TV-Sendung kamen sieben Ermittler zu Wort. Ihrer Einschätzung zufolge wurde Ramsey von ihrem damals neun Jahre alten Bruder Burke umgebracht - und die Eltern vertuschten die Tat. So sei ein vermeintlicher Erpresserbrief platziert worden, um den Verdacht auf einen Täter von außen zu lenken.

Die Hypothese der Sendung: Burke sei sauer gewesen, weil JonBenet ihm ein Stück Ananas geklaut habe. Er habe seiner Schwester in einem Wutanfall mit einer Taschenlampe gegen den Kopf geschlagen. Ramsey wurde erdrosselt und mit gebrochenem Schädel gefunden.

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Tod einer Kinder-Schönheitskönigin: Der Fall JonBenet Ramsey

Burke Ramsey hat nun unter anderem gegen CBS Klage eingereicht und will 750 Millionen Dollar erstreiten. Man habe Rufmord betrieben, um Aufmerksamkeit für die Sendung zu bekommen und Gewinn zu machen. Die befragten Experten hätten Augenwischerei betrieben. Von Anfang an sei die vorgefasste Linie der Sendung gewesen, dass er der Täter sei. "Die Behauptung, dass Burke Ramsey seine Schwester umbrachte, basiert auf einer Zusammenstellung von Lügen, Halbwahrheiten, erfundenen Informationen und dem bewussten Weglassen von wahren Informationen über den Mord an JonBenet Ramsey", heißt es in der Klageschrift. Die Sendung war im September ausgestrahlt worden.

Ein CBS-Sprecher äußerte sich nicht zu der Klage. Burke Ramsey war bereits im Oktober gerichtlich gegen einen der Experten aus der Doku vorgegangen. Dieser hatte gesagt, Burke habe JonBenet zu Tode geknüppelt.

Der Vater fand die Leiche

Weihnachten 1996 informierten die Eltern des Mädchens die Polizei darüber, dass sie im Haus einen Erpresserbrief gefunden hätten. Ihre Tochter sei entführt worden, gegen ein Lösegeld käme sie frei. Wenige Stunden später, als die Polizei schon im Haus war, entdeckte der Vater das Mädchen tot im Keller des Familienhauses - erdrosselt und mit gebrochenem Schädel. Später wurden in ihrem Intimbereich auch Verletzungen festgestellt, die auf eine mögliche Sexualstraftat deuten könnten.

Die Eltern John und Patsy Ramsey waren selbst in Verdacht geraten. Doch die Staatsanwaltschaft entlastete die Familie 2008 aufgrund von DNA-Beweismitteln - der Täter sei ein unbekannter Mann, der offenbar heimlich in das Haus eingedrungen sei.

Dass CBS nun den Bruder wieder in den Fokus rückt, findet mancher Beobachter weit hergeholt. Der "Rolling Stone" nannte die Sendung eine "Hexenjagd". Es habe weder neue Indizien noch relevante Zeugenaussagen gegeben. Die Vorgehensweise der für die Doku engagierten Ermittler sei subjektiv und teilweise gefährlich irreführend gewesen. Zudem habe sie sich auf fehlerhafte polizeiliche Ermittlungen gestützt, die sehr wahrscheinlich dazu führten, dass der wahre Mörder nie vor Gericht komme.

Nach der Ausstrahlung wies Burke Ramsey in einer anderen TV-Sendung jeden Verdacht gegen sich selbst und seine Eltern zurück.

Geständnis erwies sich als falsch

Die Doku und die Klage gegen CBS ist ein weiterer Aufreger in einem an Überraschungen reichen Fall. 2006 hatte ein Lehrer gestanden, den Mord begangen zu haben, er wurde in Thailand festgenommen und in die USA gebracht. Doch die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Anklage, weil die DNA des Mannes nicht mit Spuren vom Tatort übereinstimmte.

Die Mutter des getöteten Mädchens hatte all das nicht mehr erlebt: Patsy Ramsey starb im Sommer 2006 an Krebs.

Der inzwischen zuständige Staatsanwalt sagt, die Eltern des Mädchens seien möglicherweise voreilig vom Mordverdacht freigesprochen worden, er hat DNA-Tests mit neuester Technologie angeordnet. Die Untersuchungen im Fall JonBenet Ramsey gehen weiter.

ulz/AP



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