Drama im Joshua-Tree-Nationalpark Verirrte Wanderer töteten sich selbst

Im Sommer verschwand ein junges Paar in einem US-Nationalpark. Ihre Leichen wurden jetzt in einem Canyon gefunden - eng umschlungen und mit Schusswunden.

Rachel Nguyen und Joseph Orbeso
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Rachel Nguyen und Joseph Orbeso


Rachel Nguyen wurde im Juli 20 Jahre alt. Zur Feier nahm ihr 22-jähriger Freund Joseph Orbeso sie mit in den Joshua-Tree-Nationalpark. Am 27. Juli machten die beiden sich auf zu einer Wanderung in die südkalifornische Wüstenlandschaft - doch sie kamen nie zurück. Am nächsten Morgen meldete ihre Unterkunft das Paar als vermisst. Die Suche begann.

250 Rettungskräfte durchstreiften bei etwa 38 Grad Hitze zu Fuß, mit Pferden und Hunden die Wildnis, unterstützt von Flugzeugen. Das Auto des Paares wurde im Nordwesten des Parks am Anfang des Maze-Loop-Treks gefunden, Fußspuren führten weg davon. Doch die beiden blieben verschwunden.

Nach neun Tagen wurde die groß angelegte Suche ergebnislos eingestellt, nur ein kleines Team machte an den Wochenenden weiter. Darunter der Vater von Joseph Orbeso. Drei Monate nach dem Verschwinden, am 15. Oktober, folgte Gilbert Orbeso einer Spur aus Wasserflaschen und Verpackungen - und fand die Leichen seines Sohnes und dessen Freundin in einem engen Canyon. Eng umschlungen, wie er berichtete.

Das Paar lag unter einem Baum, Kleidung bedeckte ihre Beine zum Schutz vor Sonne und Hitze, teilte der Bezirkssheriff von San Bernardino am Freitag mit. Sie hatten ihre Lebensmittel rationiert und kein Wasser mehr. Und beide Körper wiesen Schusswunden auf.

"Aufgrund der Beweise vor Ort glauben die Polizisten, dass Orbeso erst seine Freundin erschoss und dann sich selbst", heißt es in der Mitteilung. Der 22-Jährige war Wachmann auf einem Golfplatz in Long Beach und hatte eine auf sich zugelassene Waffe dabei. Die Untersuchung von Orbesos Tat werde fortgeführt, heißt es.

Joshua-Tree-Nationalpark
AFP

Joshua-Tree-Nationalpark

Das Paar habe wohl keinen anderen Ausweg mehr gesehen, sagte eine Polizeisprecherin dem Sender KBC. "Sie hatten sich verirrt, waren in einer extremen Umgebung, ihre Ressourcen waren fast oder ganz aufgebraucht - sie befanden sich in einer sehr verzweifelten Situation." Es gebe keine Hinweise darauf, dass Orbeso geplant habe, Rachel Nguyen etwas anzutun.

Auch der Vater Orbesos vermutet, dass der Tod der beiden das Ergebnis von Verzweiflung gewesen sein könnte. "Joseph ist ein Beschützer, außerdem ein freundlicher und fürsorglicher Mensch", sagte er dem Sender KESQ. "Wir können das nicht beurteilen, solange es keine weiteren Fakten gibt." Er trauere um seinen Sohn, sei aber erleichtert, dass er ihn nach Hause bringen könne.

Der Joshua-Tree-Nationalpark ist eine Wüstenlandschaft zwischen der Mojave-und der Colorado-Wüste und liegt 209 Kilometer entfernt von Los Angeles. Die Temperaturen können im Sommer über 35 Grad Celsius steigen.

Wie das Rettungsteam des Parks auf der Facebook-Seite mitteilt, sei es erstaunlich leicht, sich in dem 3200 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet zu verirren - selbst in unmittelbarer Nähe eines Weges. Man sollte mithilfe des Sonnenstandes auf die Richtung achten, oft zurückschauen und sich für den Rückweg Orientierungspunkte in der Landschaft merken. Außerdem raten die Retter, im Auto eine Notiz über das Wanderziel zu hinterlassen und jemandem von seinen Plänen zu erzählen.

abl

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