Überfall auf Schulhof: "Black Jackets" zu langen Haftstrafen verurteilt

21 Mitglieder der rockerähnlichen Bande "Black Jackets" sind von dem Stuttgarter Landgericht zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten maskiert einen Schulhof gestürmt und ihre Opfer mit Baseballschlägern und Eisenstangen malträtiert. Ein Jugendlicher wurde dabei fast zu Tode geprügelt.

Angeklagte und Anwälte im Landgericht Stuttgart: Lange Haftstrafen für "Black Jackets" Zur Großansicht
DPA

Angeklagte und Anwälte im Landgericht Stuttgart: Lange Haftstrafen für "Black Jackets"

Stuttgart - Mehr als zwei Jahre dauerte der Prozess, es gab 196 Verhandlungstage. Nun hat das Stuttgarter Landgericht sein Urteil gefällt: Für eine lebensgefährliche Attacke der rockerähnlichen Bande "Black Jackets" auf Jugendliche in Esslingen müssen 21 Angeklagte für bis zu sieben Jahre und neun Monate hinter Gitter.

Die meisten Männer erhielten Strafen zwischen knapp drei und sechs Jahren. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sich elf Angreifer des versuchten Totschlags und der schweren Körperverletzung schuldig gemacht. Zehn Angeklagte wurden wegen schwerer Körperverletzung verurteilt.

Die Angeklagten im Alter von 20 bis 27 Jahren hatten im Juni 2009 maskiert einen Schulhof gestürmt und insgesamt 15 Menschen mit Baseballschlägern und Eisenstangen angegriffen - einer davon wurde fast zu Tode geprügelt. Er erlitt eine offene Schädelzertrümmerung, die zu unheilbaren Hirnschäden führte. "Er wird nie wieder allein leben können", sagte die Vorsitzende Richterin. Das Gericht sprach ihm ein Schmerzensgeld von 90.000 Euro und eine monatliche Rente von 120 Euro zu. Zwei weitere Geschädigte sollen je 9250 Euro von den Verurteilten erhalten.

"Massiv und schonungslos"

Einige der Opfer gehörten einer rivalisierenden Bande - "La Fraternidad" (LF) - an, die mit dem Angriff zur Auflösung gezwungen werden sollte. Mordmerkmale wie niedrige Beweggründe und Heimtücke sah die Kammer nicht - sehr wohl aber eine Tötungsabsicht bei elf Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft hatte nur für einen Angeklagten eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags beantragt.

Die Tötungsabsicht machte die Vorsitzende Richterin im Urteilsspruch unter anderem an dem geplanten Vorgehen und der heftigen Gewalt mit Baseballschlägern fest. "Jedem war klar, dass man massiv und schonungslos vorgehen würde." Die höchste Strafe erhielt ein 22-jähriger Angeklagter, der eingeräumt hatte, auf das am schwersten verletzte Opfer eingeschlagen zu haben.

Nur vier Angeklagte waren zur Tatzeit älter als 21 Jahre. Der Rest erhielt Jugendstrafen. Die meisten Angeklagten konnten den Verhandlungssaal auf freiem Fuß verlassen: Nach zum Teil mehr als drei Jahren Untersuchungshaft hob das Gericht fast alle Haftbefehle auf - lediglich drei blieben bestehen. Es sah in den meisten Fällen keine Fluchtgefahr mehr, da der Zeitpunkt der Entlassung bereits erreicht oder annähernd erreicht ist.

aar/dpa/dapd/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Justiz
RSS
alles zum Thema Jugendgewalt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback