Jurymitglied im Zimmerman-Prozess: "Er ist mit Mord durchgekommen"

Moderatorin Robin Roberts (l.) mit Jurorin B-29 und ihrem Anwalt David Chico: "Er kann nicht vor Gott davonkommen" Zur Großansicht
REUTERS/ ABC

Moderatorin Robin Roberts (l.) mit Jurorin B-29 und ihrem Anwalt David Chico: "Er kann nicht vor Gott davonkommen"

George Zimmerman hat den schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin erschossen. Jurymitglied B-29 hätte den Nachbarschaftswächter gern wegen Mordes verurteilt - stimmte aber trotzdem für nicht schuldig. In einem TV-Interview erklärte die Frau nun ihre umstrittene Entscheidung.

Hamburg - Ein Jurymitglied im Prozess gegen George Zimmerman hat im US-Fernsehen über den umstrittenen Freispruch für den Nachbarschaftswächter gesprochen. "Er ist mit Mord durchgekommen", sagte die als B-29 bekannte Frau in der TV-Sendung "Good Morning America". Sie hätte Zimmerman gerne wegen Mordes an dem schwarzen Jungendlichen Trayvon Martin verurteilt - aus Mangel an Beweisen seien ihr aber die Hände gebunden gewesen.

Zimmerman war Mitte Juli von einem Geschworenengericht freigesprochen worden. Die Jury, bestehend aus sechs Frauen, hatte Zimmermans Version geglaubt: Trayvon Martin habe ihn am Abend des 26. Februar 2012 in Sanford nahe Orlando attackiert, er habe in Notwehr geschossen. Dabei war der 17-jährige Martin unbewaffnet. Der Freispruch für Zimmerman hatte im ganzen Land für heftige Proteste gesorgt, Tausende fordern seitdem Gerechtigkeit für Trayvon Martin.

"Man kann den Mann nicht ins Gefängnis stecken - obwohl wir tief drin gespürt haben, dass er schuldig ist", sagte B-29 nun der ABC-Moderatorin Robin Roberts. Die Jury habe die persönlichen Gefühle beiseite lassen und sich ausschließlich auf die Beweise konzentrieren müssen.

Die Identität der Juroren ist nicht bekannt. B-29 zeigte im Fernsehen zwar ihr Gesicht, nannte sich selbst aber nur "Maddy". Dem Sender ABC zufolge ist sie 36 Jahre alt, Mutter von acht Kindern und stammt aus Puerto Rico.

"Keine Mutter sollte diese Schmerzen fühlen"

In einem CNN-Interview hatte sich zuvor bereits ein anderes Jurymitglied zu dem Prozess geäußert, die Frau war dabei nicht zu erkennen. B-37 sagte unter anderem, sowohl Zimmerman als auch Martin hätten zu dem Unglück beigetragen. Die Hautfarbe habe bei dem Fall keinerlei Rolle gespielt, der Angeklagte habe zudem kein Gesetz gebrochen. Vier ihrer Jurykolleginnen hatten sich daraufhin öffentlich von den Äußerungen distanziert, B-29 war nicht darunter.

Auch B-29 sagte in dem aktuellen TV-Interview, ihrer Meinung nach habe die Hautfarbe keine Rolle gespielt. Doch Zimmerman habe sich für vieles zu rechtfertigen. Er sei zwar mit dem Mord davongekommen. "Aber er kann nicht vor Gott davonkommen."

Sie sei diejenige gewesen, die bei den internen Beratungen zunächst auf schuldig plädiert hatte, sagte B-29. Sie habe bis zum Ende dafür gekämpft - und am zweiten Tag einsehen müssen, dass es nicht genug Beweise für eine Verurteilung gebe.

Seit dem Ende des Prozesses könne sie kaum schlafen oder essen. Sie schulde den Eltern des getöteten Jugendlichen eine Entschuldigung: "Ich bin genauso verletzt wie die Mutter von Trayvon Martin. Denn keine Mutter sollte diese Schmerzen fühlen."

aar/AP

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