Prozess in Karlsruhe Justizopfer Harry Wörz will mehr Entschädigung vom Staat

Harry Wörz hat das Land Baden-Württemberg verklagt - weil er jahrelang unschuldig im Gefängnis saß. Nun hat vor dem Landgericht Karlsruhe der Prozess um Entschädigung begonnen. Wörz hält die bislang gezahlte Summe für zu gering.

Justizopfer Harry Wörz (2013): Entschädigungsklage in Karlsruhe
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Justizopfer Harry Wörz (2013): Entschädigungsklage in Karlsruhe


Vor dem Landgericht Karlsruhe hat der Entschädigungsprozess von Justizopfer Harry Wörz begonnen. Der 49-Jährige kämpft um mehr Geld als ihm bislang zugesprochen wurde. Die Richter befragten Wörz zu seinen Aussichten in seinem Job als Bauzeichner, den er vor seiner Verurteilung hatte. Das ist für das Gericht wegen der Entschädigungsfrage wichtig.

Das Gericht schlug einen Vergleich vor: Wörz sollen demnach bei der staatlichen Ausgleichszahlung die Berufsjahre 2002 bis 2010 mit Abschlägen angerechnet werden. Beide Seiten haben nun einen Monat Zeit, über den Vorschlag nachzudenken.

Wörz steht für einen der spektakulärsten Justizirrtümer: Viereinhalb Jahre lang saß der gelernte Installateur und Bauzeichner unschuldig im Gefängnis. Wörz war wegen versuchten Totschlags an seiner von ihm getrennt lebenden Frau verurteilt worden. Sie war 1997 mit einem Schal gewürgt worden und ist seitdem schwerbehindert.

Wörz kämpfte rund 13 Jahre lang vor verschiedenen Gerichten, bis er seine Unschuld beweisen konnte. 2005 sprach das Landgericht Mannheim ihn frei - wegen Mängeln in der Beweisführung kippte der Bundesgerichtshof (BGH) diese Entscheidung aber. 2009 wurde Wörz in Mannheim erneut freigesprochen - Ende 2010 bestätigte der BGH das Urteil, das seither rechtskräftig ist. Der wahre Täter ist bis heute nicht ermittelt worden, im Januar 2013 stellte die Staatsanwaltschaft Karlsruhe alle Ermittlungen ein.

Bislang hat der Staat dem 49-Jährigen insgesamt knapp 156.000 Euro zugebilligt. Wörz will vom Land Baden-Württemberg zusätzlich auch 86.000 Euro für seinen Verdienstausfall. Außerdem verlangt er einen Ausgleich der Kosten für Anwälte und Möbel aus seiner wegen der Haft aufgelösten Wohnung in Höhe von 26.000 Euro.

Az.: 10 O 370/14

ulz/dpa

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