AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 14/2017

Schmuggelskandal in JVA "handys sind jetzt in der küche. geil."

Eine teilprivatisierte JVA in Niedersachsen hat ein Problem: Auf abenteuerliche Weise sollen Mitarbeiter eines nicht staatlichen Knastdienstes Handys und Drogen reingeschmuggelt und dann abkassiert haben.

  JVA Bremervörde
dpa

JVA Bremervörde

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Flachbildschirm, Minikühlschrank und ein eigenes Bad, das ist die Standardausstattung der Einzelzellen in der Justizvollzugsanstalt Bremervörde. Als Anfang 2013 die ersten Gefangenen einzogen, sprach der damalige Justizminister Bernd Busemann (CDU) von einem "guten Tag für die Stadt, die Region und das Land". Ein privater Investor der holländischen Royal BAM Gruppe hatte 66 Millionen Euro in den Neubau gesteckt. Es war die erste öffentlich-private Partnerschaft in einem niedersächsischen Gefängnis, ein Vorzeigeprojekt. Nur noch 84 der insgesamt 148 Mitarbeiter waren Landesbedienstete, zuständig für hoheitliche Aufgaben wie die Bewachung der Insassen.

Private Dienstleister übernahmen den Rest: Gebäudewartung, Reinigung, das Essen, Beschäftigung. Ein Rundumservice für den Superknast, eine perfekte Kooperation - bis Anfang 2016 ein Häftling im Dienstzimmer eines der staatlichen Gefängnisaufseher vorsprach. Er wisse, sagte der Mann, wie Mobiltelefone und Rauschgift in die JVA Bremervörde gelangten.

Hinter Gittern gehören Mobiltelefone zu den begehrtesten Luxusgütern. Sie ermöglichen einen unkontrollierten Draht zur Außenwelt - und sind streng verboten. Wer in U-Haft sitzt, muss Telefonate mit Angehörigen vorher richterlich genehmigen lassen. Die Gespräche werden überwacht. Denn Zeugen könnten eingeschüchtert, Beweise vernichtet werden.

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Heft 14/2017
Was der rasante digitale Fortschritt dem Menschen abverlangt


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Peletua 02.04.2017
1. Vorbild?
'Krumme Deals' mit Vollzugsbeamten gibt es sicher auch in rein staatlichen Anstalten; private Bedienstete aber müssen nicht befürchten, den komfortablen Beamtenstatus und die hübsche (Früh-)Pension zu verlieren. ‚Teilprivatisiert‘! Was bitte soll daran vorbildhaft sein? JVA-Privatisierungen nach US-Vorbild sind in Deutschland verfassungswidrig; dazu gab es doch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, oder bin ich nicht mehr auf dem letzten Stand? Man stelle sich die Lobbyisten-Riege der Knastkonzerne vor, wie sie die Bundesregierung anheult/besticht/bedroht, damit diese dafür sorgt, dass mehr Menschen ins Gefängnis kommen. Die Branche braucht schließlich den ‚Rohstoff‘ Häftling; ohne Häftlinge keine Arbeitsplätze! Und schon wird der Gesetzgeber zum Kriminalitäts-Förderverein. Verfassungs- und sittenwidrig, würde ich mal sagen...
steffen.ganzmann 02.04.2017
2.
Zitat von Peletua'Krumme Deals' mit Vollzugsbeamten gibt es sicher auch in rein staatlichen Anstalten; private Bedienstete aber müssen nicht befürchten, den komfortablen Beamtenstatus und die hübsche (Früh-)Pension zu verlieren. ‚Teilprivatisiert‘! Was bitte soll daran vorbildhaft sein? JVA-Privatisierungen nach US-Vorbild sind in Deutschland verfassungswidrig; dazu gab es doch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, oder bin ich nicht mehr auf dem letzten Stand? Man stelle sich die Lobbyisten-Riege der Knastkonzerne vor, wie sie die Bundesregierung anheult/besticht/bedroht, damit diese dafür sorgt, dass mehr Menschen ins Gefängnis kommen. Die Branche braucht schließlich den ‚Rohstoff‘ Häftling; ohne Häftlinge keine Arbeitsplätze! Und schon wird der Gesetzgeber zum Kriminalitäts-Förderverein. Verfassungs- und sittenwidrig, würde ich mal sagen...
Gerade *darüber* würde ich mir keine Sorgen machen, solange die deutschen Gefängnisse massivst überbelegt sind ...
Zaunsfeld 02.04.2017
3.
Bei der ganzen Sache darf man nicht vergessen, dass der Staat natürlich trotzdem sämtliche Kosten trägt, die für den Gefängnisbetrieb anfallen und zwar in Form einer gewissen Summe pro Häftling. Es gibt nur zwei Dinge, die nicht der Staat zahlt. 1. Das Gefängnisgebäude. Das hat der private Investor selbst gebaut, aber natürlich zahlt der Staat diese Kosten entweder in Form der Kopfpauschale oder als monatliche oder jährliche Miete. Und da kann man sicher sein, dass das auf Dauer wesentlich teurer ist, als es gewesen wäre, wenn der Staat das Ding selbst gebaut hätte. Denn der Staat muss zurzeit quasi keine Zinsen zahlen, wenn er Geld braucht, um Infrastruktur zu bauen. Der Privatinvestor hingegen wird eine Rendite von mindestens irgendwas zwischen 10 und 20% pro Jahr dabei herausschlagen. 2. Die Zivilangestellten werden einfach schlecht bezahlt. Küchenpersonal, Werkstattpersonal, technische Instandhaltung usw. sind nun keine Staatsangestellten mehr (das sind in normalen Gefängnissen auch keine Beamten, sondern in der Regel Angestellte des Staates), sondern sind nun Privatangestellte. Der einzige Grund, warum man sowas macht, ist dass man sie als Privatangestellte schlechter bezahlen kann, da dann für sie die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes nicht gelten. Bisher waren ALLE, ohne Ausnahme ALLE PPP-Projekte für den Staat und damit für uns Steuerzahler insgesamt wesentlich teurer, als wenn der Staat das wie bisher selbst gemacht hätte. Das fängt bei der LKW-Maut für Autobahnen an, geht weiter über diverse Straßenbauprojekte und Immobilienbauprojekte und endet mit nun halbprivatisierten Gefängnissen. Die einzigen, die finanziell profitiert haben, waren IMMER die Privatinvestoren. Deswegen wundert es mich, dass bei PPP-Projekten überhaupt jemand außer den Privatinvestoren reinen Gewissens von einem Erfolg sprechen kann.
elCaputo 02.04.2017
4. hoheitliche Augaben
Hoheitliche Aufgaben - und dazu gehört der Strafvollzug - sollten grundsätzlich und in jedem Aspekt in staatlicher Hand liegen. Mir schwillt der Kamm, wenn am Flughafen Analphabeten mit einer zweistündigen Unterweisung Sicherheitskontrollen durchführen oder in Hessen Hinz und Kunz als Hilfspolizisten in Uniform Personallücken stopfen, die einzig dem klammen Haushalt geschuldet sind. Vom Einsatz privater Firmen bei der Geschwindigkeitskontrolle will ich gar nicht anfangen. Halbstaatlich, privat oder auch nur als Mieter für eine JVA in privater Trägerschaft braucht es nicht und sollen nur eines bezwecken, Kostensenkung. Ob diese wirklich erreicht wird, bleibt offen und wenn man Beispiele wie jenes aus dem Artikel betrachtet, stellt sich die Frage, womit dies erkauft wird. In einem derart sicherheitsrelevanten und anspruchsvollem Umfeld sollten nur Staatsdiener tätig sein und keine Zeitarbeitsfirmen oder sonstige Lohndrücker.
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