JVA Aachen Bewaffnete Schwerverbrecher fliehen per Taxi

Per Großfahndung sucht die Kölner Polizei zwei Schwerverbrecher, die aus der JVA Aachen ausgebrochen sind. Die Männer saßen wegen Mordes, versuchten Mordes und Geiselnahme, gelten als brutal. Sie überwältigten einen Wächter und ließen sich dann per Taxi in die Domstadt kutschieren.


Aachen/Köln - Bisher hat die Polizei keine Ahnung, wo sich Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski, die beiden ausgebrochenen Häftlinge aus der Justizvollzugsanstalt Aachen, aufhalten. Trotz Straßensperren und des Einsatzes von Hubschraubern, einer Spezialeinheit und vielen Polizisten konnten die Ermittler die Spur des flüchtigen und vor allem bewaffneten Verbrecher-Duos bisher nicht aufnehmen. "Wir haben einen riesigen Apparat in Gang gesetzt, aber leider bislang keine konkreten Hinweise auf den Aufenthaltsort", sagte Karl Völkel, Sprecher der Polizei in Aachen.

Die als gefährlich eingestuften Männer im Alter von 50 und 46 Jahren waren am Donnerstagabend um 20.20 Uhr zu Fuß aus dem Aachener Gefängnis ausgebrochen. Mit einem Taxi ließen sie sich nach Kerpen-Buir chauffieren. Ob sie den Taxifahrer dabei mit Pistolen bedrohten, ist noch unklar. In Kerpen zwangen sie einen weiteren Taxifahrer, sie nach Köln zu fahren, wie ein Kölner Polizeisprecher am Freitagmorgen erklärte. Den ersten Taxifahrer nahmen sie als Geisel. In Köln ließen sie den Mann in der Nähe des Hauptbahnhofs den ersten Taxifahrer frei und verschwanden zu Fuß in Richtung Innenstadt, wo sich ihre Spur verlor.

Zuvor hatten sie gegen 19.30 Uhr einen Wärter und einen Pförtner in der JVA überwältigt. Beide Ausbrecher gelten als brutal und rücksichtslos. Heckhoff und Michalski waren unter anderem wegen Mordes, versuchten Mordes und Geiselnahme in Sicherungsverwahrung inhaftiert.

Die Polizei warnt vor den Flüchtigen

Heckhoff war unter anderem im Jahr 1992 an einer Geiselnahme in der westfälischen Justizvollzugsanstalt Werl beteiligt. Damals hatte er mit einem Mithäftling einen Zahnarzttermin genutzt, um drei Justizbeamte und drei Arzthelferinnen in seine Gewalt zu bringen. Beim Zugriff der Polizei übergoss Heckhoffs Kumpan zwei der Geiseln mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sie an. Die Frauen erlitten schwere Verbrennungen.

Die Fahnder gehen davon aus, dass beide derzeit im Besitz einer Waffe sind. Daher werde die Bevölkerung ausdrücklich gewarnt, gegen die Ausbrecher vorzugehen.

Geld haben sie nach Einschätzung der Polizei vermutlich nicht dabei. Die Taxifahrer seien unverletzt zurückgelassen worden, hätten aber beide einen Schock erlitten. Die Kölner Innenstadt wurde für die Fahndung komplett abgeriegelt. Zudem verstärkte die Bundespolizei die Überwachung der Bahnhöfe und des Flughafens. Die Polizei löste eine Großfahndung bis ins benachbarte Ausland aus.

Die genauen Fluchtumstände innerhalb des Gefängnisses seien zunächst noch unklar. In der JVA Aachen sind Schwer- und Schwerstkriminelle untergebracht. Rund 800 Häftlinge sitzen ein. Bei der Eröffnung vor rund 15 Jahren galt das Gefängnis als eines der modernsten in Europa. Seit März leitet die Anstaltsleiterin Reina Blikslager die JVA.

Weihnachtsamnestie für Häftlinge

Mehrere hundert Gefangene sind in diesem Jahr vorzeitig auf freien Fuß gesetzt worden. Voraussetzung war nach Angaben des Justizministeriums in Stuttgart, dass der Häftling ohnehin zwischen dem 20. November 2009 und dem 6. Januar 2010 entlassen worden wäre. Genaue Zahlen, wie viele Gefangene aufgrund der Weihnachtsamnestie entlassen worden sind, werden seit einigen Jahren nicht mehr erhoben. Das Land entlässt zu Weihnachten in der Regel zwischen 350 und 600 Häftlinge. So hatte Baden-Württemberg im Jahr 2006 bei 397 Häftlingen Gnade walten lassen.

Die Weihnachtsamnestie wird Häftlingen auf Antrag gewährt, wenn verschiedene Voraussetzungen erfüllt sind. Schwerverbrecher sind grundsätzlich ausgeschlossen. Ursprünglicher Sinn der vorzeitigen Entlassungen war, dass die Betroffenen wichtige Behördengänge noch vor Weihnachten erledigen können. Die Praxis hat sich in fast allen Bundesländern eingebürgert. Experten sehen zwischenzeitlich nicht Weihnachten, sondern eher den Jahreswechsel als eine für viele Gefangene im geschlossenen Vollzug besonders "kritische" Zeit an.

jjc/dpa/AFP/AP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.