Kritik an Justizsenator Erneut zwei Häftlinge aus der JVA Berlin-Plötzensee getürmt

Was ist in der Berliner JVA Plötzensee los? In den vergangenen Tagen flohen fünf Gefangene aus der Haft, am Neujahrstag sind zwei weitere entkommen. Einer von ihnen meldete sich aber schnell zurück.

JVA Berlin-Plötzensee
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Innerhalb weniger Tage sind insgesamt sieben Häftlinge aus der Justizvollzugsanstalt Berlin-Plötzensee entkommen - vier am Donnerstag, ein anderer meldete sich am Donnerstag nicht aus dem offenen Vollzug zurück, und am Neujahrsmorgen türmten zwei weitere Häftlinge.

Das Lagezentrum der Polizei bestätigte den jüngsten Ausbruch am Montagabend. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet. Wie ein Sprecher der Justizverwaltung sagte, ist einer der beiden Männer bereits am Abend zurückgekommen. Da er gegen die Auflagen verstoßen habe, müsse er nun in den geschlossenen Vollzug.

Die beiden Gefangenen hatten sogenannte Ersatzfreiheitsstrafen von wenigen Monaten im offenen Vollzug verbüßt. Sie mussten ins Gefängnis, weil sie Geldstrafen nicht bezahlen konnten. Obwohl sie zu Terminen hin und wieder die JVA verlassen durften, manipulierten sie nach Angaben des Sprechers ein Gitterfenster in der Zelle eines Mithäftlings und entkamen durch das Fenster.

FDP-Innenexperte kritisiert Justizsenator scharf

Bereits am Donnerstag hatten sich vier Häftlinge im Alter von 27 bis 38 Jahren mit einem Trennschleifer und einem schweren Hammer den Weg in die Freiheit gebahnt. Sie arbeiteten in einer Autowerkstatt auf dem JVA-Gelände, gelangten von dort in einen Heizungsraum und schließlich durch eine mit den Werkzeugen bearbeitete Lüftungsöffnung ins Freie. Dann krochen sie unter dem Außenzaun des Gefängnisses hindurch.

Am Freitag wurde bekannt, dass sich auch ein fünfter Gefangener am Donnerstagabend nicht wieder aus dem offenen Vollzug zurückgemeldet hatte. Demnach sucht die Polizei derzeit nach insgesamt sechs Flüchtigen. Nach den Männern läuft eine Großfahndung.

In der "Bild"-Zeitung kritisierte der Berliner Abgeordnete und FDP-Innenexperte Marcel Luthe den Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) scharf: "Sollte sich der weitere Ausbruch bewahrheiten, kann Dirk Behrendt vielleicht weiter für Unisextoiletten zuständig sein, als Justizsenator hat er aber die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Plötzensee nun das Haus der offenen Tür ist."

Behrendt kündigte noch vor Bekanntwerden des neuen Falls vom Montag eine Überprüfung aller Sicherheitsmaßnahmen in der Vollzugsanstalt an. "Zudem werden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, bis alles aufgeklärt ist." Dennoch wurden erste Rücktrittsforderungen laut. Die Berliner CDU gab dem rot-rot-grünen Berliner Senat die Schuld. Behrendt sagte dazu: "Ich bin bereit, dem Parlament Rede und Antwort zu stehen."

mja/dpa

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