Einstweilige Verfügung: Ex-Geliebte stoppt Kachelmann-Buch

Jörg Kachelmanns Ex-Freundin hat eine einstweilige Verfügung gegen sein neues Buch erwirkt. Die Frau, die den Wettermoderator wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung vor Gericht gebracht hatte, wird darin mit vollem Namen genannt. Ihr Anwalt sagt: "Das war erst der erste Pfeil aus dem Köcher."

Kachelmann-Buch: "Gewohnheitsmäßig männerverurteilende Justiz"? Zur Großansicht
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Kachelmann-Buch: "Gewohnheitsmäßig männerverurteilende Justiz"?

Mannheim - Dämpfer für Jörg Kachelmann: Die Ex-Freundin des Moderators, die ihn wegen Vergewaltigung angezeigt hatte, hat eine einstweilige Verfügung gegen sein neues Buch erwirkt. Nach der Entscheidung des Landgerichts Mannheim darf der Heyne-Verlag das Werk nicht verbreiten, solange die Ex-Geliebte Kachelmanns darin mit vollem Namen genannt wird, teilte die Anwaltskanzlei Zipper & Collegen mit. Die Entscheidung betrifft nicht die Exemplare, die bereits im Buchhandel sind.

Kachelmann und seine Ehefrau Miriam waren in dieser Woche in die PR-Offensive gegangen. Erst gaben sie dem SPIEGEL ein langes Interview, in dem sie "schlecht ausgebildete" Polizisten, Staatsanwälte, Gutachter und Richter sowie eine "gewohnheitsmäßig männerverurteilende Justiz" kritisierten. Dann wurde das Buch des Paares veröffentlicht. Es trägt den Titel "Recht und Gerechtigkeit", im Vorwort heißt es: "Es ist unser Ziel, dass Falschbeschuldiger verurteilt und dass Justiz und Öffentlichkeit dafür sensibilisiert werden, dass es sich bei Tätern auch um Frauen handeln kann und diese nicht aufgrund ihres Geschlechts von vornherein und automatisch Opfer sind."

In der einstweiligen Verfügung des Landgerichts geht es bisher nur um die Nennung des vollen Nachnamens der Ex-Geliebten. Rechtsanwalt Manfred Zipper kündigte jedoch an, auch gegen weitere Passagen des Buchs vorzugehen: "Das war erst der erste Pfeil aus dem Köcher", sagte er. Der Beschluss des Landgerichts (Az. 3 O 98/12) lag der Nachrichtenagentur dpa in Kopie vor; eine Bestätigung des Gerichts oder des Verlags gab es am Mittwoch nicht.

Nach einem spektakulären Prozess wurde Kachelmann Ende Mai 2011 aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen, im Oktober wurde das Urteil rechtskräftig. In seinem Buch betont Kachelmann, dass an den Anschuldigungen gegen ihn nichts dran sei. Seine Ex-Freundin habe bei ihren Aussagen gelogen und ihn falsch beschuldigt - dabei nennt er die Frau mit vollem Namen. Sie selbst hatte nach dem Ende des Strafprozesses der Zeitschrift "Bunte" ein Interview gegeben und dabei auch für Fotos posiert. Ihr Nachname wurde in dem Text abgekürzt.

"Emma" gegen Kachelmann

Die Zeitschrift "Emma" geht weiter gegen Kachelmann vor. Der Verlag kündigte am Dienstag an, gegen eine vom Moderator vor dem Landgericht Köln erwirkte einstweilige Verfügung durch alle Instanzen vorzugehen. Das Verfahren betrifft eine sprachkritische Glosse in der Zeitschrift: Alice Schwarzer hatte darin die Begriffe "einvernehmlicher Sex" und "Unschuldsvermutung" als Unworte des Jahres vorgeschlagen. Nach Ansicht des Landgerichts Köln erweckt Schwarzer den Eindruck, dass Kachelmann seine ehemalige Geliebte vergewaltigt habe - damit seien seine Persönlichkeitsrechte verletzt.

"Es ging und geht uns lediglich darum, darauf aufmerksam zu machen, dass Zweifel auch nach acht Monaten Verhandlung blieben", teilte der "Emma"-Verlag nun mit. Alice Schwarzer werde "in der Sache 'Unwort des Jahres' jetzt ins Hauptsacheverfahren gehen".

aar/dpa/dapd

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