Kachelmann-Prozess Ein teurer Ausflug in die Schweiz

Außer Spesen nichts gewesen: Für Tausende Euro reiste der Tross im Kachelmann-Prozess in die Schweiz, um dort eine Zeugin zu vernehmen. Doch Belastendes kam bei dem stundenlangen Verhör nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen nicht heraus.   

REUTERS

Mannheim - Der Ausflug des Mannheimer Gerichts nach Zürich hat im Vergewaltigungsfall Kachelmann offenbar nicht das von der Staatsanwaltschaft erhoffte Ergebnis gebracht. Anlass der Reise, bei der pro Teilnehmer 300 Euro Übernachtungskosten entstanden sein sollen, war die Vernehmung der Schweizer Fotografin Linda T., die den Wettermoderator bei einem Fotoshooting am 17. Januar 2010 kennengelernt hatte. Die Mannheimer Staatsanwaltschaft war auf T.s Telefonnummer gestoßen, als sie nach der Festnahme Kachelmanns seine Handys auswerten ließ.

In einzelnen Medien wurde die Frau als "Geliebte Nr. 10" bezeichnet, was die Zeugin nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen nun jedoch nicht bestätigte. Sie sei weder je Kachelmanns Geliebte noch eine Partnerin gewesen. Man habe sich bei dem Shooting gut verstanden und beim Abschied geküsst. Dieser Annäherung Kachelmanns, die sie angeblich nicht beabsichtigt hatte, habe sie sich nicht widersetzt. Zu weiteren Treffen sei es nicht gekommen.

Meldungen, die Frau sei nach der Begegnung mit Kachelmann im Januar 2010 traumatisiert und für längere Zeit arbeitsunfähig gewesen, erwiesen sich ebenfalls als falsch. Linda T. war im Sommer vorigen Jahres krankgeschrieben - wegen Arbeitsüberlastung. Dies habe sie die Mannheimer Staatsanwaltschaft auch wissen lassen, hieß es.

Linda T. hatte sich geweigert, in Deutschland vor Gericht auszusagen. Da die Staatsanwaltschaft in ihr eine mögliche Belastungszeugin sah, die eventuell eine Neigung Kachelmanns zu sexuellen Übergriffen hätte offenbaren können, machten sich Richter und Ergänzungsrichter, zwei Staatsanwälte, der Nebenklagevertreter, die Verteidigung und der Angeklagte zu ihr auf den Weg.

In Zürich wurde die Frau von einem Schweizer Staatsanwalt vernommen. Die Prozessbeteiligten aus Deutschland durften ihr keine Fragen stellen, sondern mussten diese vorlegen. Nicht alle Fragen der Deutschen, verlautete aus der Schweiz, seien jedoch zugelassen worden.

jdl



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harmagedon 16.02.2011
1. einfach unglaublich
Zitat von sysopAußer Spesen nichts gewesen: Für Tausende Euro reiste der Tross im Kachelmann-Prozess in die Schweiz, um dort eine Zeugin zu vernehmen. Doch*Belastendes kam bei dem stundenlangen Verhör nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen nicht heraus.*** http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,745996,00.html
Dieser Prozess ist langsam nicht mehr auszuhalten. Lasst den Mann einfach in Ruhe!
verissimus 16.02.2011
2. Keine neuen Erkenntnisse.
Zitat von sysopAußer Spesen nichts gewesen: Für Tausende Euro reiste der Tross im Kachelmann-Prozess in die Schweiz, um dort eine Zeugin zu vernehmen. Doch*Belastendes kam bei dem stundenlangen Verhör nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen nicht heraus.*** http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,745996,00.html
Die Strafjustiz in diesem Lande ist überwiegend kostenintensiv, aber völlig ineffektiv! Wenn der steuerzahlende Wähler wüsste, was üblicherweise (auch) in diesem Bereich insb. für Zeugen, Sachverständige und Pflichtverteidiger ausgegeben wird, könnte er ahnen, dass auch in diesem Bereich der öffentlichen Verwaltung die Steuergelder schlicht massenhaft veruntreut werden.
Damon Ridenow 16.02.2011
3. .
Dieser ganze Prozess ist mittlerweile nur noch eine reine Farce, eine Schande für einen Rechtsstaat und vergeudetes Geld. Warum wird er nicht sofort eingestellt, bevor noch mehr Zeit, Geld und Manpower vergeudet wird? Da sucht die Staatsanwaltschaft krampfhaft nach irgendwas, was man Herrn Kachelmann anhängen kann, und es lässt sich nichts von Beweiskraft finden. Ich finde, es reicht.
Revan 16.02.2011
4. Peinlich hoch 3
Immer wenn man glaubt, dieses Gericht und die Staatsanwaltschaft kann man an Peinlichkeit nicht mehr toppen, setzen die auf Staatskosten noch einen drauf. Was sollte diese Reise auf Staatskosten überhaupt ? Wann beschäftigt man sich mal mit den echten "Beweisen", vereidigt die direkt Beteiligten, nimmt ihre Aussagen auf, wertet diese und kommt dann zum Urteil. Den Staatsanwalt sollte man sofort seines Postens entheben und ins Archiv zum Vergleichen per Google von alten Doktorarbeiten vergattern, mit dem Titel Plagiatsanwalt. Und den Richter dahin schicken wo er hingehört, aufs Troddelsofa zur Sportschau.
robocop, 16.02.2011
5. "einzelne Medien"
Wer diese "einzelnen Medien" sind, ist nicht schwer herauszufinden. Bei der "Berichterstattung" dieser berüchtigten Magazine stinkt es gewaltig. Sobald Kachelmann freigesprochen wird, sollte er diese Spur verfolgen und den Verlag dieser Schmierblätter verklagen, bis denen die Ohren klingeln. Immerhin handelt es sich um Rufmord. Wenn man bei der Gelegenheit die Schwarzer und den Markwort auch noch plattmachen kann, dann tut man der Öffentlichkeit einen Gefallen.
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