Kachelmann-Urteil Ein richtig freier Mann - endgültig

Der Freispruch Jörg Kachelmanns ist rechtskräftig, der Fall jetzt endgültig erledigt: Die Ex-Freundin des Wettermoderators und die Staatsanwaltschaft haben ihren Revisionsantrag zurückgezogen. Eine richtige Entscheidung - denn eine Tat, die nicht nachgewiesen werden kann, ist nun mal keine Tat.

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Freigesprochener Moderator Kachelmann (Mai 2011): Antrag auf Revision zurückgezogen
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Freigesprochener Moderator Kachelmann (Mai 2011): Antrag auf Revision zurückgezogen


Der Freispruch für Jörg Kachelmann ist rechtskräftig. Damit war zu rechnen. Denn weder die Staatsanwaltschaft Mannheim noch die Frau, die den Wettermoderator der Vergewaltigung beschuldigt hatte, wären gut beraten gewesen, das Risiko einzugehen und die Sache noch einmal öffentlich zu verhandeln. Die Anklage teilte mit, das schriftliche Urteil des Landgerichts Mannheim sei "nachvollziehbar", die sehr ausführlich begründete Entscheidung weise keine Rechtsfehler auf.

Die Nebenklägerin hatte zutreffend in einem Interview, das sie nach Prozessende der " Bunten" gegeben hatte, kritisiert, dass der Justiz schon vor Beginn der Hauptverhandlung die - den Freispruch tragenden - Fakten bekannt gewesen seien.

Die aussagepsychologischen Gutachten der Professoren Luise Greuel und Günter Köhnken lagen vor. Die Expertise des forensischen Psychiaters Hans-Ludwig Kröber zu einer angeblichen Traumatisierung der Nebenklägerin, die sie bei der angezeigten Vergewaltigung erlitten haben wollte, war dem Gericht ebenfalls bereits vor dem ersten Hauptverhandlungstag bekannt.

Zusammen mit den Bedenken, welche die Rechtsmediziner - Bernd Brinkmann, Markus Rothschild und Klaus Püschel - angesichts der von der Nebenklägerin behaupteten Verletzungen äußerten, hätten Kröbers Ausführungen eigentlich alle Verdachtsblasen platzen lassen müssen. Vor allem vor dem Hintergrund der schon am 22. April vorigen Jahres, also wenige Wochen nach der angeblichen Tat, bekannt gewordenen Lügen der Nebenklägerin.

Eine nicht nachweisbare Tat ist eben keine

Doch das Gericht hatte sich davon offenbar weniger beeindrucken lassen als von dem fragwürdigen Schluss der Staatsanwaltschaft, ein Beschuldigter wie der Wettermann mit seinem bunten Sexualleben und seinen vielfältigen falschen Liebesschwüren sei gewiss auch ein Vergewaltiger. Dass die Ermittler keine konkreten Beweise für ihre Überzeugung beibringen konnten, fiel angesichts ihrer Entschlossenheit zur Anklage nicht weiter auf.

Erst das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte mit der Entlassung Kachelmanns aus der U-Haft und deren Begründung den Richtern den Kopf zurechtzurücken versucht. Es dauerte acht Monate, bis der Alptraum der Hauptverhandlung - für den Angeklagten, aber vermutlich nicht weniger für die Nebenklägerin - zu Ende war.

Die Staatsanwaltschaft nahm die Revision ohne Begründung zurück. So blieb es ihr erspart, darauf eingehen zu müssen, was der nun rechtskräftige Freispruch für die Nebenklägerin bedeutet. Dass der Angeklagte "nur" aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde, belastet ihn nicht. Denn eine Tat, die nicht nachzuweisen ist, ist eben keine Tat.

Doch an der Frau bleibt der Makel haften, die Ermittlungsbehörden, die Staatsanwaltschaft, ihren Therapeuten, ja sogar ihren Anwalt und ihre Eltern belogen zu haben. Außerdem ist sie verheizt worden von Personen, die sich ihrer als Mittel zum Zweck vermehrter Publicity bedienten. Dieser von Kachelmann enttäuschten Frau hätte rechtzeitig zur Wahrheit verholfen werden können und müssen. Jetzt ist sie tatsächlich ein Opfer - nämlich der Justiz.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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marcus tullius cicero 07.10.2011
1. Gutes Urteil
Dürfen wir denn jetzt auch den Namen und das Gesicht, der baldigen Angeklagten erfahren?
freesprit 07.10.2011
2. Jetzt ist sie tatsächlich ein Opfer - nämlich der Justiz.
Zitat von sysopDer Freispruch Jörg Kachelmanns ist rechtskräftig, der Fall*jetzt endgültig erledigt: Die Ex-Freundin des Wettermoderators und die Staatsanwaltschaft haben ihren Revisionsantrag zurückgezogen.*Eine richtige Entscheidung*- denn eine Tat, die nicht nachgewiesen werden kann, ist*nun mal*keine Tat. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,790544,00.html
Unser Bedauern hält sich in Grenzen!
MichiD 07.10.2011
3. keine Tat?
"denn eine Tat, die nicht nachgewiesen werden kann, ist nun mal keine Tat." Wir sind hier doch nicht in der Quantenphysik. Eine Tat bleibt eine Tat, auch wenn sie nicht nachgewiesen werden kann. Wieso auch nicht? Sollen sich die Philosophen drum balgen. Lediglich im juristischen Sinne mag es so sein, daß eine Tat, die nicht nachweisbar ist, auch keine Bestrafung/Berücksichtigung erfährt. Wobei es in diesem Fall ja auch Beweise für die Tat gab (z.B. die Aussage des Opfers), welche aber am Ende nicht anerkannt wurden.
Bildungselite 07.10.2011
4. Dieser Titel wurde durch Moody's auf Ramschniveau herabgestuft
Zitat von marcus tullius ciceroDürfen wir denn jetzt auch den Namen und das Gesicht, der baldigen Angeklagten erfahren?
Ist längst bekannt. Das Konterfei von Frau Claudia Dinkel hat doch schon die BUNTE (http://www.bunte.de/society/joerg-kachelmann-jetzt-redet-sie_aid_25571.html) geziert.
heuwender 07.10.2011
5. schaut mal her
Zitat von sysopDer Freispruch Jörg Kachelmanns ist rechtskräftig, der Fall*jetzt endgültig erledigt: Die Ex-Freundin des Wettermoderators und die Staatsanwaltschaft haben ihren Revisionsantrag zurückgezogen.*Eine richtige Entscheidung*- denn eine Tat, die nicht nachgewiesen werden kann, ist*nun mal*keine Tat. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,790544,00.html
ab sofort wird das Wetter wieder besser,Gott sei Dank der Wettermen kehrt zurück.
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