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New Yorker Gefängnisinsel Rikers Island: 22-Jähriger begeht Suizid - nach Qualen in US-Haft

Kalief Browder saß als Teenager drei Jahre lang unschuldig in einem US-Gefängnis. Dort wurde er von Wärtern und Häftlingen schwer misshandelt. Drei Jahre nach seiner Freilassung hat er nun Suizid begangen.

Kalief Browder war 16 Jahre alt, als ihn die US-Justiz von einem Tag auf den anderen aus seinem gewohnten Leben riss. Polizisten nahmen den schwarzen Jungen fest, weil er einen Rucksack gestohlen haben sollte.

Browder wies den Vorwurf stets zurück, dennoch wurde er drei Jahre lang ohne Gerichtsverfahren auf der New Yorker Gefängnisinsel Rikers Island eingesperrt. Zwei Jahre saß er in Einzelhaft. 2013 kam er endlich frei, nachdem die Vorwürfe gegen ihn fallengelassen worden waren.

Doch die drei Jahre, die der Teenager unschuldig im Gefängnis saß, hatten Browder verändert. Er litt an Depressionen, bereits in Haft hatte er mehrere Suizidversuche begangen. Nun fand ihn seine Mutter tot in der Wohnung im New Yorker Stadtteil Bronx.

Browder war auf Rikers Island schwer misshandelt worden. Das Magazin "The New Yorker" veröffentlichte im April Aufnahmen aus dem Jahr 2012, die unter anderem zeigen, wie ein Gefängniswärter Browder in Handschellen zur Dusche bringt und dort brutal zu Boden wirft. In einem anderen Video ist zu sehen, wie der junge Mann von fast einem Dutzend Mitinsassen angegriffen wird, nachdem er ein Bandenmitglied geschlagen hatte, das ihm ins Gesicht gespuckt hatte.

"Er starb nicht umsonst"

Der Fall hatte den New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio zu Reformen auf Rikers Island veranlasst, um die Gewalt in der Haftanstalt einzudämmen und die Praxis der Einzelhaft für junge Insassen zu beenden. De Blasio bezeichnete Browders Suizid als Tragödie. "Eine Menge der derzeitigen Veränderungen auf Rikers Island sind das Ergebnis des Beispiels von Kalief Browder", sagte de Blasio. Er wünsche sich aus tiefstem Herzen, "dass wir ihn nicht verloren hätten, aber er starb nicht umsonst".

Browders Familie erklärte, er sei "letztendlich nicht in der Lage gewesen, seinen eigenen Schmerz und die Qualen zu überwinden, die aus seinen Erfahrungen in Einzelhaft stammten". Sie riefen de Blasio und die Behörden auf, "jede mögliche Maßnahme zu ergreifen um sicherzustellen, dass keine andere Person in New York jemals wieder gezwungen wird, das zu durchleben, was Kalief durchgemacht hat". Browder hatte nach seiner Entlassung aus der Haft ein Studium begonnen. Er habe aber seine Depressionen nicht überwinden können und sei eine Weile im Krankenhaus gewesen, berichtete "The New Yorker".

Rikers gehört zu den größten städtischen Gefängnissen in den USA. Durchschnittlich sitzen hier 14.000 Insassen ein, zumeist in Untersuchungshaft. In einem Bericht war vergangenes Jahr eine "tiefgreifende Kultur der Gewalt" in dem Gefängnis kritisiert und den Wärtern übertriebene Gewaltanwendung vorgeworfen worden.

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syd/AFP

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