Los Angeles - Mehr als 1480 Fälle in den vergangenen fünf Jahren, allein im L.A. County: Laut einem Bericht der "Los Angeles Times" landen in Kalifornien regelmäßig Unschuldige hinter Gitter, weil sie mit Kriminellen verwechselt werden.
In einigen Fällen enthalten die Haftbefehle demnach nur Name, Geburtsdatum sowie eine Beschreibung, die auf viele Leute zutreffen kann. Polizisten fänden daher oft Leute, auf die einige oder sogar alle diese Informationen zutreffen. Manchmal hätten Kriminelle auch die Identität von jemand anderem genutzt, woraufhin diese Person verhaftet wurde, berichtet die Zeitung.
Die "Los Angeles Times" schildert mehrere erschütternde Fälle, etwa den von Santiago Ibarra Rivera, der im Abstand von 20 Jahren zweimal in Untersuchungshaft landete. Er ist am gleichen Tag geboren wie ein Mann mit ähnlichem Namen, der per Haftbefehl gesucht wird. Nachdem er 1989 das erste Mal eingesperrt wurde, bekam er Dokumente vom Gericht, das ihn von allen Verdächtigungen freisprach.
Im März 2009 hielten ihn Polizisten aber erneut an, als er in einem Auto ohne Nummernschild fuhr. Als sie seinen Namen überprüften, tauchte der Haftbefehl auf. Und da halfen auch seine Beteuerungen nichts, dass er zu Hause Papiere habe, die seine Unschuld beweisen. Im Gegenteil: Dass er von dem Haftbefehl wusste, mache den Mann nur umso verdächtiger, meinte einer der Beamten.
Rivera soll nach Angaben der "L.A. Times" fast einen Monat in Untersuchungshaft verbracht haben, bevor das Missverständnis aufgeklärt wurde. Und das, obwohl es Gerichtsunterlagen des alten Falles gab, in denen sich auch Fingerabdrücke des tatsächlich Gesuchten befanden.
Der Sheriff sagt, man könne nicht jeden Einzelfall prüfen
Das Sheriff's Department gibt an, dass solche Verwechslungsfälle relativ selten vorkommen, wenn man bedenke, dass in den Gefängnissen des County im Schnitt 15.000 Menschen inhaftiert sind. Im Los Angeles County leben nach Angaben des Statistikamtes der USA 9,8 Millionen Menschen, also knapp ein Viertel der Kalifornier. In Relation zu der hohen Bevölkerungszahl mag die Zahl der versehentlichen Verhaftungen tatsächlich gering erscheinen. Für die mehr als tausend Betroffenen allerdings dürfte dies kaum ein Trost sein.
Eigentlich soll eine neunstellige Nummer, die Kriminellen in Kalifornien zusammen mit den Fingerabdrücken zugeordnet wird, solche Verwechslungen verhindern. Doch manche Haftbefehle würden die Nummer nicht enthalten, was es für die Polizei schwermache, den Verdächtigen korrekt zu identifizieren. Doch selbst wenn die Nummer aufgeführt werde, gebe es immer noch falsche Festnahmen.
Und ist jemand erst einmal aufgrund einer Verwechslung in Untersuchungshaft, treffen sämtliche Hinweise auf ein Missverständnis meist auf taube Ohren. Gefängnisinsassen erklärten ständig, sie seien unschuldig, teilte das Sheriffbüro laut "Los Angeles Times" mit. Es sei nicht möglich, jeder dieser Behauptungen nachzugehen.
Viel mehr als eine Entschuldigung vom Haftrichter können die Betroffenen nach Angaben der Zeitung nicht erwarten. Die Gesetze schützen demnach die Polizeibehörden, solange die Beamten auf der Basis eines gültigen Haftbefehls handeln. Haben sie Grund zu glauben, sie hätten die richtige Person erwischt, sind sie juristisch nicht zu belangen.
wbr
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