14 Tote in Sozialeinrichtung Schießerei in Kalifornien - Polizei tötet zwei mutmaßliche Täter

"Als wären sie auf einer Mission": Bewaffnete haben in Kalifornien eine Einrichtung für Behinderte gestürmt und 14 Menschen getötet. Die Polizei hat zwei mutmaßliche Täter - einen Mann und eine Frau - erschossen. Ein weiterer Verdächtiger wurde festgenommen.


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Die Polizei hat zwei der mutmaßlichen Attentäter von San Bernardino getötet. Ein Mann und eine Frau seien erschossen worden, sagte der Polizeichef der Stadt, Jarrod Burguan. Seinen Angaben zufolge waren die beiden ein Paar. Ein dritter mutmaßlicher Verdächtiger sei auf der Flucht von Beamten gestellt worden. Wie genau er in die Tat verwickelt ist, sei noch unklar.

Die Suche nach den Angreifern hatte San Bernardino am Mittwoch stundenlang gelähmt. Sie hatten am späten Vormittag eine Sozialeinrichtung in der kalifornischen Stadt gestürmt und das Feuer eröffnet. 14 Menschen wurden dabei laut Polizeiangaben getötet, mindestens 17 weitere verletzt. Das Attentat sorgt in ganz Amerika für Entsetzen.

Die Hintergründe sind noch weitgehend offen, nur der Ablauf lässt sich einigermaßen rekonstruieren. Die Schüsse fielen im "Inland Regional Center", einer gemeinnützigen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, die von der Regierung finanziell gefördert wird. US-Medienberichten zufolge wurde sie 1972 eröffnet, 670 Menschen arbeiten demnach in dem Zentrum. Ziel sei es, den Alltag von Menschen mit Entwicklungsstörungen und ihren Angehörigen zu erleichtern.

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Kalifornien: Tödliche Schüsse in San Bernardino
Die Einrichtung besteht aus drei Gebäuden. Die Angreifer stürmten offenbar gezielt das Konferenzzentrum. Dort fand zum Zeitpunkt der Tat die Weihnachtsfeier der lokalen Gesundheitsbehörde statt, etwa hundert Menschen waren anwesend. Einer der Schützen soll zunächst an der Weihnachtsfeier teilgenommen haben. Die Direktorin der Einrichtung, Lavinia Johnson, sagte dem Sender CNN, sie habe mit ihren Mitarbeitern im Gebäude gewartet, bis sie von Polizisten nach draußen geführt worden sei. "Es war ein sehr traumatisches Ereignis für uns."

Schüsse auf der Flucht

Der Angriff dauerte wenige Minuten, die Schützen flüchteten anschließend. Die Suche nach ihnen sorgte für chaotische Zustände. Die Polizei rief die Bewohner auf, in ihren Häusern zu bleiben, Straßen wurden für den Verkehr gesperrt. Mit einem Großaufgebot suchten Einsatzkräfte nach den Tätern. Es hatte Hinweise gegeben, dass mindestens einer von ihnen in einem schwarzen Geländewagen auf der Flucht sei.

Während einer Verfolgungsjagd kam es laut Polizei dann zu einem Schusswechsel mit den Personen in dem schwarzen SUV. Dabei starben die beiden mutmaßlichen Täter. Zudem wurde ein Beamter verletzt.

Über die Motive gibt es noch keine offiziellen Angaben. Der Fall sorgt jedoch für Unruhe bei den Sicherheitsbehörden, da er sich von jüngsten Schießereien deutlich unterscheidet. Die Polizei geht eigenen Angaben zufolge nicht von einem spontanen Amoklauf aus. "Die Information, die wir haben, ist, dass sie vorbereitet kamen", sagte Burguan über die Täter. "Als wären sie auf einer Mission." Die Schützen trugen demnach Militärkleidung, sie hatten außerdem Sturmgewehre, Handfeuerwaffen und möglicherweise Sprengstoff bei sich.

Behörden identifizieren die Attentäter

Es müsse "zumindest von einer einheimischen terroristischen Situation" gesprochen werden, sagte Burguan. Das FBI hatte bereits zuvor mitgeteilt, ein terroristischer Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden.

Wie die "Los Angeles Times" zuerst berichtete, soll es während der Weihnachtsfeier in der Einrichtung zu einem Streit gekommen sein. Eine Person habe daraufhin den Raum verlassen, später soll sie mit einem oder zwei bewaffneten Begleitern zurückgekommen sein, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Polizeichef Burguan hatte zunächst nur bestätigt, dass eine Person die Feier nach "so etwas wie einem Streit" verlassen habe. Am Mittwochabend Ortszeit sagte er dann bei einer weiteren Pressekonferenz, dass der männliche Schütze zuvor als Gast auf der Weihnachtsfeier gewesen sei. Er habe sie verlassen, sei wenig später zurückgekommen und habe das Feuer eröffnet.

Die Behörden identifizierten die Attentäter als Syed F., 28 und Tashfeen M., 27. Er soll Mitarbeiter bei jener lokalen Gesundheitsbehörde gewesen sein, die die Feier im Konferenzzentrum ausrichtete. Burguan geht eigenen Angaben zufolge inzwischen davon aus, dass der Mann und die Frau die einzigen Schützen waren.

Altes Thema, neuer Anlass

Der Fall sorgt erneut für heftige Diskussionen über Amerikas Waffengesetze. US-Präsident Barack Obama forderte abermals schärfere Regeln. "Wir können Maßnahmen ergreifen, um die Chancen zu erhöhen, dass sich diese Massenschießereien nicht so oft zutragen", sagte er dem Sender CBS. Es gebe "ein Muster von Massenschießereien in diesem Land, das es nirgendwo sonst auf der Welt gibt".

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton schrieb auf Twitter: "Ich weigere mich, das als Normalität zu akzeptieren. Wir müssen handeln, um die Waffengewalt jetzt zu stoppen."


Zusammengefasst: Zwei schwer bewaffnete Schützen haben in einer Sozialeinrichtung in Kalifornien mindestens 14 Menschen getötet und 17 weitere verletzt. Über ihre Motive gibt es bisher keine offiziellen Angaben. Die mutmaßlichen Täter - eine 27-Jährige und ihr 28-jähriger Partner - wurden auf der Flucht von Beamten erschossen. Ein dritter Verdächtiger befindet sich in Polizeigewahrsam. In den USA kommt es immer wieder zu tödlichen Schießereien, trotzdem hat sich bisher nichts an den laxen Waffengesetzen geändert.

aar/dpa/AFP/Reuters/AP



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