Familien-Van ins Meer gestürzt US-Ermittler rätseln über Unfall mit mindestens sechs Toten

Eine achtköpfige Familie ist in Kalifornien in ihrem Auto über eine Klippe in den Pazifik gestürzt. Behörden untersuchen den rätselhaften Unfall, während über die Verunglückten widersprüchliche Details bekannt werden.

Kale Williams/The Oregonian via AP

Sechs Kinder und ihre beiden Mütter sind offenbar bei einem mysteriösen Autounfall an der kalifornischen Küste ums Leben gekommen. Die Leichen der beiden Frauen sowie von einem 19-Jährigen und zwei 14-Jährigen haben Rettungskräfte bereits am Montag geborgen. Nach drei weiteren Kindern im Alter von 16, 15 und 12 Jahren wird noch gesucht. Die Polizei geht davon aus, dass sie ebenfalls im Unglückswagen saßen und tot sind.

Ermittler suchen sowohl an dem geborgenen Fahrzeug als auch im Umfeld der Familie nach Erklärungen für das Unglück. Das Auto, einen Großraum-SUV, hatten Rettungskräfte im Küstenbereich entlang des Highway 1 auf dem Dach liegend am Steilstrand gefunden. Der Wagen war mehr als 30 Meter über eine Klippe in die Tiefe gestürzt.

Ermittler fanden weder Brems- noch Schleuderspuren am Unglücksort. Bisher gebe es aber auch keine Hinweise, dass der Wagen absichtlich in den Abgrund gesteuert worden sei, hieß es. Die Polizei untersucht auch, ob die Bremsen versagt haben, ein Reifen geplatzt ist oder Wetter- oder Straßenbedingungen eine Rolle gespielt haben. "Einige Fragen werden wir wohl niemals beantworten können", sagte ein Ermittler der Nachrichtenagentur AP.

Zugleich werden Details über die Patchworkfamilie bekannt. Es handelt sich um Sarah und Jennifer Hart (beide 38) und ihre sechs Adoptivkinder. Die Familie ist in den USA durch ein Foto eines der Kinder bekannt geworden. Der damals zwölfjährige Devonte umarmte 2014 während Protesten von Schwarzen in Portland (Oregon) einen Polizisten. Das Bild von dem weißen Polizisten und dem weinenden afroamerikanischen Kind wurde damals in zahlreichen Medien veröffentlicht.

Devonte Hart mit Polizist in Portland, 2014
Johnny Huu Nguyen/ AP

Devonte Hart mit Polizist in Portland, 2014

Die Familie hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil die beiden weißen Mütter Kinder unterschiedlicher ethnischer Herkunft adoptiert haben. Sie führten laut der Agentur AP eine Art Hippie-Dasein. So habe die Familie immer wieder spontane Reisen unternommen und auf Festivals und anderen Veranstaltungen kostenlose Umarmungen angeboten. Zudem habe sie selbst Gemüse und andere Lebensmittel im Garten angebaut. Die Kinder seien zu Hause unterrichtet worden.

Ermittler schauten sich nach dem Unglück auch im Haus der Familie um. Der Agentur AP zufolge wollten drei Tage vor dem Unfall Sozialarbeiter die Familie in ihrem Haus im US-Bundesstaat Washington besuchen, trafen aber niemanden an. Nachbarn hatten die Behörden informiert, dass sie sich um das Wohl der Kinder sorgen. Laut den Nachbarn war ein Junge der Familie eine Woche lang täglich zu ihnen gekommen und hatte um Essen gebeten. Er hatte demnach berichtet, die Mütter würden die Kinder durch Essensentzug bestrafen. Der Junge sagte laut den Nachbarn, sie sollen ihm eine Box mit Essen an den Zaun stellen.

Den Behörden zufolge hatten sie vor der Benachrichtigung der Nachbarn nie zuvor mit der Familie zu tun. AP wiederum berichtet über Gerichtsakten aus denen hervorgehe, dass sich Sarah Hart im Jahr 2011 schuldig bekannt habe, ihre damals sechsjährige Adoptivtochter geschlagen zu haben. Sie habe damals angegeben, vor lauter Wut die Kontrolle verloren zu haben.

Freunde zeichnen positives Bild von der Familie

Die Familie war erst vergangenes Jahr in ihr Haus im US-Bundesstaat Washington gezogen. Nun berichteten die Nachbarn noch, dass einige Wochen nach dem Einzug eine der Töchter nachts bei ihnen geklingelt und um Schutz gebeten habe, weil sie misshandelt werde. Am nächsten Morgen sei die gesamte Familie vorbeigekommen und habe sich entschuldigt und den Vorfall damit begründet, sie hätten eine schlechte Woche gehabt.

Bekannte der Familie wiederum sagten, die Berichte der Nachbarn passten nicht zu dem Bild, dass sie von den beiden Müttern haben. Sie berichten von einem liebenden Paar, das seine Kinder zu sozialer Gerechtigkeit erzogen habe. Ein Freund berichtete, die adoptierten Kinder kämen aus schwierigen Verhältnissen. Die beiden Mütter hätten das Leben dieser Kinder verändert. Er glaube bei dem Unglück an einen tragischen Unfall.

mmq/AP



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