Deutsch-französischer Kriminalfall Kalinkas Stiefvater bleibt in Haft

Das deutsch-französische Justizdrama um die 1982 getötete Kalinka nimmt kein Ende: Der Europäische Gerichtshof hat sich nun mit dem Fall befasst - und eine Klage des Stiefvaters abgewiesen. Er muss in Haft bleiben.

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Mehr als 30 Jahre nach dem rätselhaften Tod der 14-jährigen Kalinka beschäftigt der Fall weiterhin die Justiz. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte befasste sich mit einer Klage des inhaftierten deutschen Stiefvaters Dieter K. - und hat entschieden: Der 82-Jährige muss weiter im Gefängnis bleiben. Seine Beschwerde sei unzulässig.

Der Fall ist ein deutsch-französischer Justizkrimi: Dieter K. verbüßt eine 15-jährige Haftstrafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Seine Stieftochter Kalinka war 1982 tot in seinem Haus in Lindau am Bodensee gefunden worden. Pariser Richter sahen es 2011 als erwiesen an, dass er sie vergewaltigen wollte und ihr Beruhigungsmittel sowie eine tödliche Spritze verabreichte.

Der Mediziner konnte allerdings nur in Frankreich vor Gericht gestellt werden, weil Kalinkas leiblicher Vater, André Bamberski, K. mehr als 25 Jahre nach dem Tod des Mädchens ins elsässische Mulhouse entführen ließ. Bamberski war überzeugt davon, dass der Arzt seine Tochter mit einer Spritze betäubt, vergewaltigte und dann umgebracht hatte, um den Missbrauch zu vertuschen.

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Fall Kalinka: Europäischer Gerichtshof entscheidet

K. dagegen hatte stets beteuert, er habe dem Mädchen nie etwas angetan. Die deutsche Justiz hatte die Ermittlungen gegen ihn eingestellt - aus Mangel an Beweisen. Er war jahrelang auf freiem Fuß geblieben. Behörden in der Bundesrepublik hatten K.s Auslieferung nach Frankreich stets abgelehnt. Der Vater sah offenbar keinen anderen Ausweg, als K. dorthin entführen zu lassen.

K. jedoch sieht durch das Verfahren in Frankreich sein Menschenrecht verletzt. Die Begründung: Er dürfe nicht wegen derselben Sache zweimal vor Gericht gestellt werden. Dieser Argumentation folgten die Straßburger Richter nicht: Deutschland und Frankreich hätten unabhängig voneinander gegen K. ermittelt. Dies sei durch einen Artikel im Zusatzprotokoll der Europäischen Menschenrechtskonvention nicht verboten, hieß es.

K. hatte bereits mehrere Versuche unternommen, mit juristischen Mitteln aus der Haft freizukommen. Kalinkas leiblicher Vater, André Bamberski, war 2014 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

fok/dpa

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