Berlin/Amsterdam - Zehn somalische Piraten, die wegen eines Überfalls auf ein deutsches Schiff in Hamburg vor Gericht gestellt werden sollen, sind am Mittwoch in den Niederlanden eingetroffen. Die Männer wurden mit einem niederländischen Militärtransporter von Dschibuti aus nach Eindhoven geflogen und in ein Gefängnis gebracht, wie das Verteidigungsministerium in Den Haag mitteilte. Von dort aus sollen sie an Deutschland ausgeliefert werden. Der Zeitpunkt dafür ist noch unklar. Die Piraten hatten am 5. April 800 Kilometer östlich von Somalia das Containerschiff "Taipan" der Hamburger Reederei Komorowski gekapert und besetzt. Mit einer Kommandoaktion befreiten niederländische Soldaten am selben Tag das Schiff mitsamt der 13-köpfigen Besatzung. Die Piraten wurden festgenommen, und die Hamburger Justiz erließ Haftbefehl gegen sie wegen versuchten räuberischen Menschenraubes.
Am Mittwochmorgen war das niederländische Kriegsschiff "Tromp" im Hafen von Dschibuti eingelaufen und hatte die Somalier an eigens angereiste Militärpolizisten aus den Niederlanden übergeben. Diese brachten die Verdächtigen umgehend zum Flughafen, wo eine DC-10 des Militärs schon abflugbereit wartete.
Nach Angaben des Justizministeriums werden den Somaliern zunächst vom Distriktgericht in Amsterdam die Haftbefehle eröffnet. "Es kann alles sehr schnell gehen, wenn die deutsche Justiz die Verdächtigen schnell übernimmt", sagte der niederländische Justizsprecher Wim de Bruin SPIEGEL ONLINE.
Prozesspremiere in Hamburg
Wilhelm Möllers, der Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft, sagte SPIEGEL ONLINE, er könne noch keinen Zeitrahmen für die Auslieferung nennen. Der Oberstaatsanwalt wies darauf hin, dass die Somalier sich in den Niederlanden gegen eine vereinfachte Auslieferung juristisch wehren könnten. Wenn sie das nicht tun, könnten die Männer rasch nach Hamburg gebracht werden.
Ein Spezialkommando der "Tromp" hatte die Piraten am Ostermontag in einer spektakulären Aktion im Golf von Aden festgenommen. Nachdem die Somalier die "MS Taipan" geentert hatten, feuerte ein Hubschrauber auf die Brücke und zwang die Seeräuber zur Aufgabe.
Der Prozess vor dem Hamburger Landgericht wird eine Premiere. Bisher hatte Deutschland festgesetzte Piraten stets nach Kenia ausgeliefert und dort vor Gericht gestellt. Das ostafrikanische Land jedoch stoppte die Aufnahme weiterer Somalier Ende vergangener Woche endgültig, die EU will sich nun um ein neues Abkommen mit Nairobi bemühen. Hinzu kam, dass die zehn Somalier außerhalb des von der EU-Mission "Atalanta" kontrollierten Seegebiets gestellt worden waren.
Grundsätzlich erscheint die Beweislage bei dem Verfahren nicht schlecht. Kurz nach dem Sturm der "MS Taipan" reiste ein Team des Bundeskriminalamts in die Emirate, um Spuren zu sichern und die Besatzung zu befragen. Im Gegensatz zu früheren Fällen waren die Piraten am Ostermontag erst festgesetzt worden, als sie das Schiff schon geentert hatten.
Laut deutschem Strafgesetzbuch könnten sie dafür in Hamburg bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe bekommen. Die Bundesregierung hatte den Fall der besonderen Bedeutung wegen an sich gezogen und die Auslieferung abgenickt.
luk/mgb/apn
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