Kampf um Meteomedia Sogar auf seine Autos sollte Kachelmann verzichten

Ob unschuldig oder nicht - Wettermoderator Jörg Kachelmann sollte nach SPIEGEL-Informationen während seiner Untersuchungshaft aus dem eigenen Unternehmen gedrängt werden. Man wollte ihm nicht nur die Firmenanteile nehmen, sondern sich auch die Verfügungsrechte an allen auf ihn lautenden Autos sichern.

Wettermoderator Kachelmann: "Neue Galionsfigur finden"
dpa

Wettermoderator Kachelmann: "Neue Galionsfigur finden"


Hamburg - Den Machtkampf um Meteomedia hat er vorerst gewonnen. Der wegen Vergewaltigung angeklagte Wettermoderator Jörg Kachelmann kann seine Firma behalten. Doch es war knapp.

Dem SPIEGEL liegen umfangreiche Dokumente vor, die zeigen, dass Kachelmann nicht nur seine Firmenanteile verlieren sollte. Mitgesellschafter Frank-Bernhard Werner legte ihm demnach sogar eine Vollmacht vor, wonach er berechtigt sein sollte, alle auf Kachelmann lautenden Autos von jedem Dritten heraus zu verlangen und damit nach Gutdünken zu verfahren. So schrieb die Geschäftsführerin der Bochumer Meteomedia-Außenstelle, Kristina Schleß, an die Gesellschafter und Verwaltungsräte eine unmissverständliche E-Mail, in welcher sie schon kurz nach der Inhaftierung Kachelmanns dessen Abberufung als Verwaltungsrat einforderte.

Am 30. März reiste Werner zu Kachelmann ins Gefängnis nach Mannheim. Werner gehören mittelbar 38 Prozent an Meteomedia, das Kachelmann 1990 gründete.

Im Gepäck hatte der Kachelmann-Widersacher einen Stapel rechtsverbindlicher Erklärungen, die der Inhaftierte unterschreiben sollte. Es ging um den Rücktritt von allen Ämtern und den Verkauf seiner Firmenanteile an eine Gesellschaft, die mehrheitlich Werner gehört. Selbst die Löschung seines Namens aus dem Handelsregister sollte Kachelmann unterschreiben. Daraufhin sollte eine Generalversammlung einberufen werden. Ziel: die Abwahl des Stimmen-Mehrheitseigners Kachelmann aus dem Verwaltungsrat.

Der sollte nicht einmal erfahren, dass sich die anderen Firmeneigner ohne ihn treffen wollten. Man hatte die Einladung einfach an seine Wohnadresse geschickt, was allerdings von Meteomedia-Geschäftsführerin Schleß dann doch beanstandet wurde.

An Kachelmann hält Werner, der zwischenzeitlich von seinen Ämtern in der Firma zurückgetreten ist, weiterhin nicht fest. In einer internen E-Mail an die Mitarbeiter schrieb er, man müsse "eine neue Galionsfigur für die Firma finden". Kachelmann werde es "unabhängig vom Ausgang des Verfahrens nicht mehr sein können". Als neuer Kopf des Wetterdienstleisters komme vor allem Wetter-Moderator Sven Plöger in Frage. "Er ist profilierter Meteorologe und ein bekanntes Gesicht", findet Werner.

Meteomedia indes hat bekanntgegeben, dass Kachelmann seine Position als Präsident des Verwaltungsrats des Unternehmens behält. Der Mitteilung des Unternehmens zufolge seien in der Geschäftsleitung die Ressorts nun "klar verteilt". Nach Darstellung von Meteomedia beeinflussten die Vorwürfe gegen Kachelmann das Tagesgeschäft nicht stark. "Kunden und Mitarbeiter unterstützen Meteomedia loyal unter dem Motto 'Jetzt erst recht'", heißt es. Kachelmann werde sein Amt jedoch zunächst ruhen lassen, heißt es in einer Mitteilung der Firma, um sich "auf seinen Prozess vorzubereiten".

Der findet vor der 5. Großen Strafkammer am Landgericht in Mannheim statt - und dürfte nach SPIEGEL-Informationen ungewöhnlich starten: So ist geplant, dass zu Prozessbeginn Anfang September erst mal etliche Ex-Geliebte von Jörg Kachelmann aussagen sollen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde der Eindruck erweckt, dass Kachelmann eine Firmenwohnung verlieren sollte. Dies ist jedoch nicht korrekt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

sef



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 263 Beiträge
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Seite 1
Armenspeisung 21.08.2010
1. Machtkampf
Zitat von sysopOb Unschuldig oder nicht - Wettermoderator Jörg Kachelmann sollte nach SPIEGEL-Informationen während seiner Untersuchungshaft aus dem eigenen Unternehmen gedrängt werden. Nicht nur Firmenanteile sondern auch Autos und eine Wohnung wollte man ihm nehmen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,713010,00.html
Das bekommt jetzt aber wirklich ein "Geschmäckle"! Immer mehr gewinne ich den Eindruck, daß an den von der ominösen "Radiomoderatorin" erhobenen Vorwürfe nichts dran ist. Womöglich geht es überhaupt nur um Wirtschaftsinteressen.
J. Knau 21.08.2010
2. -
Wem wirklich was an seinem Unternehmen liegt, sollte keine AG daraus machen. Loyalität gibt es in der Wirtschaft nicht, da ist es besser wenn die Machtverhältnisse eindeutig sind. Aldi Nord und Süd sind zum Beispiel auch keine AGs.
derlabbecker 21.08.2010
3. Titel...
Im Zweifel für den Angeklagten gilt anscheinend nur vor Gericht, nicht im Wirtschaftsleben. Das war ein ganz plumper Versuch dieses Herrn sich die Firma unter den Namen zu reissen. Was für eine Ratte...
dborrmann, 21.08.2010
4. Schweinerei
Ein anderes Wort fällt mir nicht ein. Ich wünsche mir Herrn Kachelmann als "Gallionsfigur". Ich hoffe, dass er auch wieder im Fernsehen auftritt. Ihm persönlich wünsche ich Glück und Gelassenheit.
rkinfo 21.08.2010
5. Insiderwissen ? - "Einer gegen Alle"
Zitat von sysopOb Unschuldig oder nicht - Wettermoderator Jörg Kachelmann sollte nach SPIEGEL-Informationen während seiner Untersuchungshaft aus dem eigenen Unternehmen gedrängt werden. Nicht nur Firmenanteile sondern auch Autos und eine Wohnung wollte man ihm nehmen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,713010,00.html
Nachdem die Staatsanwaltschaft Mannheim später so gesprächig war wie ein Wasserfall wäre auch denkbar dass hier einige bei Meteomedia vielleicht vorher schon informiert waren ?! Ein fehlender Rückhalt in der eigenen Firma hätte auch die Entscheidung der Staatsanwaltschaft zum harten Durchgreifen mit entscheiden können. Wobei gleichzeitig die Fluchtgefahr in einem anderen Licht so erscheint. Kachelmann hätte so unbedingt in die Schweiz gemußt um den Zerfall seines Lebenswerkes zu stoppen. Sicherlich wußte das dortige Managemant aber vom zwielichtigen Freizeitverhalten ihres Chefs. Wobei die Frage bleibt warum man ihm nicht vorher auf die Risiken hinwies ?! Was Meteomedia wußte dass konnten auch Insider bei der ARD gewußt haben. Sicherlich haben viele Künstler 'Leichen im Keller' und Lebenswandel der besser unter Verschluß bleibt. Kachelmann kämpfte also in der Position "Einer gegen Alle" in den letzten Monate während Viele mehr wußten aber tatenlos mitschwammen. Dabei konnten doch Viele sich leicht ausrechnen das 'Kachelmann' das Markenzeichen der Firmengruppe ist und man seinen eigenen Arbeitsplatz gefärdet wenn das positive Image zerbricht. Zuletzt - auch in diesem Wirtschaftskrimi zeigt Kachelmann wieder aggressionsfreies Verhalten und setzt sich in zäher Kleinarbeit wieder durch. Und gleichzeitig basiert die ganze Vergewaltigungsanklage darauf das Kachelmann bei Extremsituationen ausrasten soll ... seltsam ?! Man stelle sich vor Kachelmann hätte nach seiner Verhaftung panisch auf die Aktionen in der Firma reagiert ... Ob da nicht Einige dort es sogar darauf angelagt haben ?
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