Kampusch-Biografie "Ich tue mir nicht leid"

3096 Tage lang wurde Natascha Kampusch von dem Österreicher Wolfgang P. gefangengehalten. In ihrer Autobiografie beschreibt sie nun, wie er sie gedemütigt und erniedrigt hat - und warum sie lange Zeit nicht in der Lage war, sich aus seinen Fängen zu befreien.

DPA

Wien - Vier Jahre sind seit ihrer Flucht aus einem Kellerverlies vergangen, frei fühlt sich Natascha Kampusch noch immer nicht. Sie arbeite weiter an ihrer Freiheit, sagte die 22-Jährige in einem Interview mit dpa. In ihrer am Mittwoch erscheinenden Biografie "3096 Tage" beschreibt Kampusch unter anderem, wie sehr sie die Zeit in Gefangenschaft und die anschließenden Reaktionen der Öffentlichkeit auch psychisch einschränken.

Sie beschreibt darin die täglichen seelischen und körperlichen Misshandlungen, mit der ihr Peiniger Wolfgang P. ihren Willen brechen wollte. Er schlug sie brutal zusammen, schor ihr die Haare, gab ihr mit "Bibiana" einen neuen Namen und ließ sie halbnackt im Haus putzen. Selbst bei späteren gemeinsamen Ausflügen schaffte die junge Frau es nicht, um Hilfe zu rufen.

"Ich wollte mit der ganzen Geschichte abschließen", erklärte Kampusch das Buch. Durch das Erzählen seien die Erlebnisse noch einmal hochgekommen. Es habe aber auch beim Verarbeiten geholfen, da sie die Gefangenschaft lange verdrängt und sich eingeredet habe, dass alles doch nicht so schlimm gewesen sei. "Aber als ich das dann gelesen habe, ist mir klar geworden, wie schrecklich das eigentlich war. Mir hat die Person, der das passiert ist, dann so leidgetan. Ich tue mir aber eigentlich nicht leid - das war wie eine Rückkoppelung", sagte Kampusch.

"Das Haus in der Nähe des Friedhofs"

Außerdem habe sie Menschen, die sich für ihre Geschichte interessierten, eine authentische Schilderung der Geschehnisse geben wollen. Denn auch vier Jahre nach der Flucht fühlt sich die junge Frau als Opfer stigmatisiert und durch Vorurteile in ihrer Freiheit eingeschränkt: "Das ist so, wie wenn man jemandem, der am Boden liegt, noch einen Tritt gibt, damit er da bloß liegenbleibt. Man darf dann nur noch das Haus am Rande der Ortschaft in der Nähe des Friedhofs bewohnen." In Zukunft will Kampusch lernen, endlich ohne Einschränkungen zu leben: "Ich möchte die Freiheit zu allem haben."

Sie sei als Kind kurz nach der Entführung und in dem Versteck hinter einer tonnenschweren Betontür gar nicht in der Lage gewesen, sich zu wehren oder Fluchtpläne zu schmieden, sagte Kampusch. "Es hätte vielleicht sogar gereicht, wenn es eine ganz normale Tür gewesen wäre."

Die Wienerin war 1998 als Zehnjährige auf dem Weg zur Schule von Wolfgang P. entführt und achteinhalb Jahre in einem schalldichten Kellerverlies eingesperrt worden. Am 23. August 2006 gelang ihr aus eigener Kraft die Flucht. Ihr Peiniger warf sich noch am selben Tag vor einen Zug. Ihre Befreiung machte weltweit Schlagzeilen.

jjc/dpa



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