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06. Juni 2012, 18:55 Uhr

Kanada

Teile einer weiteren Leiche aufgetaucht

Ein Fußgänger hat in Kanada einen grausigen Fund gemacht: In Montreal tauchte ein dritter abgetrennter Fuß auf - und damit eine weitere Leiche. Ob der Fall mit dem in Berlin inhaftieren Luka Rocco Magnotta zusammenhängt, ist unklar. Der 29-Jährige wartet auf seine Auslieferung.

Berlin - In Kanada sind weitere abgetrennte Leichenteile aufgetaucht. Ein Passant fand am Mittwoch einen Fuß auf der Straße in Montreal. Kurz zuvor hatten zwei Schulen in Vancouver Pakete mit Leichenteilen erhalten. Die Leichenteile könnten unmöglich alle von demselben Toten stammen, hieß es. Mittlerweile sind demnach drei abgetrennte Füße in Kanada aufgetaucht.

Ein Päckchen wurde nach Polizeiangaben am Dienstagmittag von einem Angestellten der False-Creek-Grundschule geöffnet. Es habe "allem Anschein nach" eine Hand enthalten, sagte ein Polizeivertreter in Vancouver. Etwas später sei an der St.-George-Schule ein zweites Paket mit einem abgetrennten Fuß geöffnet worden.

Die per Paket an zwei Schulen in Vancouver geschickten menschlichen Gliedmaßen sind der kanadischen Polizei zufolge in Montreal aufgegeben worden. Wahrscheinlich gehören sie zu der Leiche eines chinesischen Studenten. "Wir versuchen herauszufinden, ob es eine Verbindung gibt", sagte Polizeisprecherin Ani Lemieux aus Montreal. Tatsächlich suche man noch nach einem Arm, einem Bein sowie dem Kopf des 33-jährigen Opfers.

Der Mörder des jungen Mannes soll ein Bekannter von ihm, der kanadische Pornodarsteller Luka Rocco Magnotta, sein. Der Chinese war in der Nacht zum 25. Mai mit einem Eispickel erschlagen worden. Seine Leiche wurde dann zerstückelt. Ein Fuß und eine Hand, die in zwei Paketen verpackt an kanadische Parteien adressiert waren, wurden ihm mit DNA-Tests inzwischen zweifelsfrei zugeordnet.

Auslieferung Magnottas von Berlin nach Kanada steht bevor

Der 29-jährige Magnotta, der zeitweise als Pornodarsteller und Prostituierter gearbeitet hatte, soll den Mord gefilmt und das Video ins Internet gestellt haben. Auf dem Video soll auch zu sehen sein, wie er Teile seines Opfers verspeist.

Magnotta wartet derzeit im Berliner Gefängnis Moabit auf seine Auslieferung. Nach dem Pornodarsteller war weltweit gefahndet worden. Am Montag war Magnotta dann in Berlin festgenommen worden. Ein Zeuge hatte ihn nach dessen Flucht über Paris nach Berlin in einem Internetcafé im Stadtteil Neukölln erkannt und die Polizei alarmiert. Der Kanadier leugnete zunächst, der Gesuchte zu sein. Seine Identität ist inzwischen aber zweifelsfrei erwiesen.

Die Vorbereitungen für eine Auslieferung Magnottas an Kanada schreiten voran. Es sei damit zu rechnen, dass die Generalstaatsanwaltschaft am Donnerstag beim Kammergericht den Auslieferungshaftbefehl beantragen werde, sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Martin Steltner, am Mittwoch. Kurz nach der Festnahme hatte das Landeskriminalamt (LKA) bei den kanadischen Behörden um die Übersendung der Auslieferungsunterlagen gebeten.

lgr/AFP/dapd/dpa

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