Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Kampf gegen Kinderpornografie: Erfolg der "Operation Spaten"

Ermittlerinnen Belanger (l.) und Beaven-Desjardins in Toronto: Schlag gegen Kinderpornografie Zur Großansicht
DPA/TORONTO POLICE SERVICE

Ermittlerinnen Belanger (l.) und Beaven-Desjardins in Toronto: Schlag gegen Kinderpornografie

Jahrelang hatte sie verdeckt recherchiert, dann gelang der kanadischen Polizei ein wichtiger Schlag gegen die Verbreitung von Kinderpornografie. Mehr als 300 Verdächtige wurden festgenommen. Spuren führen auch nach Deutschland, die Ermittlungen hierzulande dauern noch an.

Toronto - Die Operation "Spaten" begann in Toronto und erstreckte sich dann über die ganze Welt: Im Internet kamen verdeckte Ermittler einem Mann auf die Spur, der drastische Bilder von Kindesmissbrauch verbreitete. Brian W., so der Name des Verdächtigen, betrieb offenbar eine Firma, die er zur Produktion und Verbreitung von Kinderpornos nutzte.

Sieben Monate lang durchleuchteten die Ermittler die Aktivitäten des 42-Jährigen. Im Mai 2011 schlugen sie schließlich zu, durchsuchten Wohnungen und Geschäftsräume in Toronto und stellten 45 Terabyte Daten sicher - eine enorme Menge. Zum Vergleich: Handelsübliche externe Festplatten fassen heute etwa ein Terabyte.

Doch das war nur der Anfang einer Operation, die nun als eine der größten im Kampf gegen internationale Kinderpornografie gefeiert wird. 348 Personen wurden bisher festgenommen, 386 Kinder gerettet - diese Bilanz stellten die Ermittler am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Toronto vor. In Kanada wurden 108 Verdächtige festgenommen, in den USA 76, in Australien 65: Lehrer, Ärzte, Priester, Bankangestellte und Polizisten.

Ausgehend vom Firmennetzwerk verfolgten die kanadischen Ermittler Spuren nach Südamerika, Südafrika, Asien, Australien und Europa. Sie suchten Kunden und Lieferanten von kinderpornografischem Material und stießen so auf immer neue Fälle. Die Ermittlungsergebnisse wurden Fahndern in mehr als 50 Ländern zur Verfügung gestellt.

Auch an die deutschen Behörden wurden Daten übermittelt. Laut kanadischer Polizei führen Spuren in die Bundesrepublik, auch deutsche Kinder sollen betroffen sein. Man habe Informationen erhalten, bestätigte die hessische Generalstaatsanwaltschaft. Es handele sich jedoch um laufende Ermittlungen, zu denen man sich nicht weiter äußern werde.

Vier Millionen Dollar umgesetzt

Viele der Verdächtigen in den USA und Kanada haben sich offenbar bereits schuldig bekannt. Deswegen konnten die Ermittler mit ihren Ergebnissen auch an die Öffentlichkeit gehen.

Sie nannten zum Beispiel den Fall eines pensionierten Lehrers, der 9000 Videos mit kinderpornografischem Material auf seinem Rechner gehabt haben soll. Im US-Bundesstaat Georgia wurde ein Mann festgenommen, der Kameras auf Schultoiletten installierte und ebenfalls Kinderpornografie bestellt hatte.

Brian W. wird nicht nur Verbreitung und Produktion von Kinderpornografie vorgeworfen. Sondern auch die Bildung einer kriminellen Organisation - nach Ansicht der Ermittler ein Novum in Kanada. 4 Millionen Dollar soll W. mit seiner Firma umgesetzt haben. Er wird auch beschuldigt, Komplizen in Osteuropa für die Produktion von Kinderpornos bezahlt zu haben.

Die inzwischen abgeschaltete Website war laut "Toronto Star" wie ein typischer Online-Versandhändler aufgebaut. Es gab Rezensionen, Bestseller-Listen, Kreditkartenbezahlung - und das nach Ansicht der Polizei falsche Versprechen, dass keiner der Filme gegen kanadisches oder US-amerikanisches Recht verstoße. Mehr als drei Millionen Menschen besuchten 2010 die Website.

Monatelang versuchten die Beamten, an Beweismaterial zu kommen, doch der W. war vorsichtig. Dutzende Bestellungen habe er aus Angst vor Undercover-Ermittlungen abgelehnt, heißt es in dem Bericht. Schließlich sei es verdeckten Ermittlern gelungen, Videos zu kaufen, die gegen geltendes Recht verstoßen sollen. Immer mehr Kunden gerieten anschließend in den Fokus der Fahnder.

Die Ermittler hätten Hunderttausende Fotos und Videos beschlagnahmt, teilweise seien grausame sexuelle Handlungen an Kindern zu sehen gewesen, sagte Joanna Beaven-Desjardins, Leiterin der Einheit für Sexualverbrechen in Toronto.

Geleitet wurden die Ermittlungen von der Kripobeamtin Lisa Belanger. "Es war traurig und schwierig, die Kinder aufwachsen zu sehen", sagte sie dem "Toronto Star". Die Menge des beschlagnahmten Materials sei so groß gewesen, dass man einen Jungen im Alter von elf Jahren und dann später in Erwachsenenfilmen gesehen habe. "Man sieht ihn aufwachsen und sich körperlich verändern und dann wird einem klar, wie viel Zeit seines Lebens er vor einer Kamera verbracht hat", wird Belanger zitiert.

Die sei nur die Spitze des Eisberges, machten die kanadischen Ermittler immer wieder klar. Die Untersuchungen dauerten an, sagte Beaven-Desjardins. Mit weiteren Festnahmen sei zu rechnen.

hut/AP/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: