In Drogerie getötetes Mädchen 15-jähriges Opfer hatte sich von mutmaßlichem Messerstecher getrennt

Das in Kandel erstochene Mädchen wurde von seinem Ex-Freund getötet - davon sind Ermittler überzeugt. Er soll das Opfer zuvor bedroht haben. Der Jugendliche stammt laut Ermittlern aus Afghanistan und kam 2016 nach Deutschland.


Der 15-Jährige, der im rheinland-pfälzischen Kandel ein gleichaltriges Mädchen mit einem Küchenmesser erstochen haben soll, ist der Ex-Freund des Opfers. Es handelt sich um einen unbegleiteten Asylbewerber aus Afghanistan, der seit Frühjahr 2016 in Deutschland lebt - zuletzt in einer Jugend-WG. Das teilten Staatsanwaltschaft und Polizei bei einer Pressekonferenz mit.

Der mutmaßliche Täter sei bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten, sagte Polizeivizepräsident Eberhard Weber. So sei er wegen einer Schulhofschlägerei aufgefallen, außerdem hätten die Eltern des getöteten Mädchens ihn wegen Beleidigung, Bedrohung und Nötigung ihrer Tochter angezeigt.

Die 15-Jährige hatte sich Anfang Dezember von dem Jugendlichen getrennt. Der Jugendliche soll das Mädchen laut Polizeiangaben aber über soziale Netzwerke und telefonisch immer wieder bedrängt haben. Einer Vorladung der Polizei sei er mehrfach nicht gefolgt. Daraufhin habe ihn die Polizei am Tattag persönlich kontaktiert.

"Ich habe Schreie gehört"

Die 15-Jährige habe ihren Ex-Freund am Mittwoch zufällig getroffen, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig. "Er folgte ihr bis in den Drogeriemarkt, holte aus und stach auf das Mädchen ein." Auf Antrag der Staatsanwaltschaft habe ein Richter nun Haftbefehl wegen des Verdachts auf Totschlag erlassen.

Die Ermittlungen zum Motiv, zu den Hintergründen, zum genauen Ablauf der Tat am Mittwochnachmittag dauerten an. Womöglich sei "eine Beleidigung zu Ungunsten des Tatverdächtigen vorausgegangen", sagte Polizeivizepräsident Weber. Das Opfer sei zum Zeitpunkt der Tat von zwei anderen männlichen Jugendlichen begleitet worden.

Insgesamt hätten sich rund 20 Kunden in der Drogerie aufgehalten. "Ich habe Schreie gehört und den Streit", berichtet die 31-jährige Diana Jäger. Sie habe in der weitläufigen Filiale am Ortsrand Fotos ausdrucken wollen, als sich die Tat ereignete.

Ermittler prüfen Altersangabe

Nach der Tat habe sich der Verdächtige "vor Ort widerstandslos festnehmen lassen", sagte der Leiter der Ermittlungsgruppe, Dieter Lippold. "Er hat relativ teilnahmslos gewirkt." Die Tatwaffe mit rund 20 Zentimeter langer Klinge wurde sichergestellt. Das Opfer habe mehrere Messerverletzungen erlitten, eine Obduktion solle nun die genaue Todesursache feststellen.

Die Staatsanwaltschaft geht derzeit nach eigenen Angaben davon aus, dass es sich beim verdächtigen Asylbewerber tatsächlich um einen Jugendlichen handelt. Die Altersangabe werde im Zuge der Ermittlungen aber ebenfalls überprüft.

Der Asylbewerber schweigt laut Staatsanwaltschaft bislang zu den Vorwürfen. Er war Polizeivizepräsident Weber zufolge in Frankfurt am Main im April 2016 erstmals registriert worden. Bis September 2017 sei er in einer Jugendhilfeeinrichtung im Kreis Germersheim untergebracht gewesen; seither habe er mit anderen männlichen Jugendlichen in einer betreuten Jugend-WG in Neustadt an der Weinstraße gewohnt.

Leitende Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig
DPA

Leitende Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig

Kandel im Landkreis Germersheim hat knapp 10.000 Einwohner und liegt in der Südpfalz auf ungefähr halber Strecke zwischen Landau und Karlsruhe.

apr/dpa

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