Messerattacke in Kandel Gutachten soll Alter des Verdächtigen klären

Im Fall der getöteten 15-Jährigen in Kandel soll ein Gutachten das Alter des Tatverdächtigen klären. Unterdessen gibt es Unstimmigkeiten über eine mögliche Mitverantwortung der Behörden.

Trauermarsch in Kandel
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Trauermarsch in Kandel


Ende Dezember soll ein aus Afghanistan stammender Jugendlicher in Kandel seine Ex-Freundin erstochen haben. Nun soll sein Alter mit Hilfe eines medizinischen Gutachtens geklärt werden, kündigten Polizei und Staatsanwaltschaft an. Der Verdächtige ist nach offiziellen Angaben 15 Jahre alt. Der Vater des Mädchens bezweifelt das.

Die 15-Jährige war in einem Drogeriemarkt in der rheinland-pfälzischen Stadt bei einer Messerattacke so schwer verletzt worden, dass sie starb. Der dringend Tatverdächtige schweigt bislang zu den Vorwürfen. Nach Angaben des Kreises Germersheim, bei dem das zuständige Jugendamt angesiedelt ist, wird eine Volljährigkeit derzeit aber "von allen Beteiligten ausgeschlossen". Darin wird auf eine Untersuchung in Frankfurt im Jahr 2016 verwiesen, der zufolge "eine Varianz von +/- 1 Jahr möglich" sei.

Laut dem vorläufigen Obduktionsergebnis wurde das Mädchen von mehreren Messerstichen verletzt, einer davon traf es ins Herz und war tödlich. "Die Ermittlungen zu dem Motiv, den Hintergründen sowie dem konkreten Tatgeschehen dauern an", hieß es. Die Polizei durchsuchte das Zimmer des mutmaßlichen Täters in Neustadt/Weinstraße und stellte dabei zwei Handys sicher. Derzeit werden außerdem Zeugen befragt.

Unstimmigkeiten zwischen Polizei und Jugendamt

Die Polizei in Ludwigshafen widersprach unterdessen dem zuständigen Jugendamt wegen dessen Darstellung über die Gefährlichkeit des Jugendlichen.

In einer Mitteilung erklärte die Polizei, anders als vom Jugendamt dargestellt sei der Vormund des mutmaßlichen Täters über eine direkte Bedrohung des Mädchens informiert worden. Konkret verwies die Polizei auf zwei Telefonate vom 18. und 19. Dezember. In einem dieser Gespräche habe der Sachbearbeiter dem Vormund mitgeteilt, dass der Beschuldigte ehrverletzende Bilder des Mädchens anderen öffentlich zugänglich gemacht und dem Mädchen gedroht habe, sie am Bahnhof Kandel "abzupassen" und, dass sie in Zukunft "aufpassen" müsse. Die beiden Telefonate seien dokumentiert.

Außerdem habe es am 18. Dezember eine sogenannte Gefährderansprache gegeben, bei der auch zwei Betreuerinnen des Jugendlichen anwesend gewesen seien und in der es auch um die Bedrohung gegangen sei. In all diesen Gesprächen habe die Polizei von Drohungen, das Mädchen "abzupassen" und dass sie "aufpassen" müsse, berichtet.

Dagegen hatte das Jugendamt am Dienstag bestritten, über eine Bedrohung informiert worden zu sein. Es habe "zu keiner Zeit" Indizien gegeben, die dafür gesprochen hätten, dass um Leib und Leben des Mädchens zu fürchten sei.

bbr/dpa/AFP

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