Kannibalismus Häftling soll Lunge von einem Zellengenossen gegessen haben

Kannibalismus in der Vollzugsanstalt: Im französischen Rouen soll ein 39-Jähriger einen Mitgefangenen getötet und dann einen Teil seiner Lunge gegessen haben. Er habe die Seele seines Opfers an sich nehmen wollen, sagte der Mann, der sich jetzt vor Gericht verantworten muss.

Angeklagter Nicolas C. im Gerichtssaal: "Die Seele des Opfers an sich genommen"
AFP

Angeklagter Nicolas C. im Gerichtssaal: "Die Seele des Opfers an sich genommen"


Rouen - "Ich will, dass er die Wahrheit sagt, ich will, dass er mir ins Gesicht sagt, dass er meinen Sohn getötet hat, und ich will, dass er mir erklärt, warum er seine Lunge gegessen hat", sagte die verzweifelte Mutter des Opfers kurz vor Prozessbeginn dem "France Soir".

Seit diesem Montag steht Nicolas C. im nordfranzösischen Rouen vor Gericht. Er hat bereits gestanden, seinen Mithäftling im Januar 2007 getötet zu haben. Auch ein Motiv für den sich anschließenden Akt des Kannibalismus gab er an: Er habe Thierry Baudrys "Seele an sich nehmen wollen", soll er gesagt haben.

Weil er versucht haben soll, eine Frau mit Waffengewalt zum Sex zu zwingen, saß C. damals in der Strafvollzugsanstalt von Rouen in Untersuchungshaft. Den Ermittlern zufolge war eine Auseinandersetzung der beiden Männer Auslöser für die grausige Tat. Man habe über die Sauberkeit in der Zelle gestritten, hieß es. Ein dritter Häftling sei anwesend gewesen, habe aber bei dem anschließenden Kampf nicht eingegriffen.

Der Angeklagte soll den 31-jährigen Baudry zunächst mit Fußtritten traktiert, verprügelt und dann mit Müllsäcken erstickt haben. Daraufhin öffnete er ihm der Anklage zufolge mit einer Rasierklinge den Brustkorb und entnahm einen Teil der Lunge - in der Annahme es handele sich dabei um das Herz des Opfers.

Der Anwalt des Angeklagten plädiert auf Schuldunfähigkeit. Fabien Picchiottino erklärte am Montag, sein Mandant habe impulsiv gehandelt. Nach sechs Tagen des Zusammenlebens der Männer in einer Zelle habe der Täter sein Opfer "einfach nicht mehr ertragen", weil dieser "einen Mangel an Hygiene" an den Tag gelegt habe, so der Verteidiger. In psychiatrischen Gutachten wurde Nicolas C. eine beschränkte Zurechnungsfähigkeit attestiert.

Dem Angeklagten droht jetzt wegen vorsätzlicher Tötung und brutaler Misshandlung lebenslange Haft. Das Urteil wird Donnerstag erwartet.

ala/AFP/apn/dpa



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