Karlsruhe Mann wegen Attacke auf Fußballfan zu Freiheitsstrafe verurteilt

"Was betroffen macht, ist diese totale Sinnlosigkeit": Ein Gericht verurteilte einen ehemaligen Zeitsoldaten zu neun Jahren Haft, weil er einen 35-Jährigen mit einem Faustschlag tötete.

Landgericht Karlsruhe
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Landgericht Karlsruhe


Wegen einer tödlichen Attacke nach einem Fußballspiel in Karlsruhe ist ein 22-Jähriger vom Landgericht Karlsruhe zu neun Jahren Haft und einem hohen Schmerzensgeld an die Familie des Opfers verurteilt worden. Das Gericht sprach ihn wegen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Er hatte einen 35 Jahre alten Besucher eines Fußballspiels im November mit einem Faustschlag ins Gesicht niedergestreckt - grundlos, wie der Richter sagte.

Das Opfer, ein Mann aus Bruchsal bei Karlsruhe, war nach dem Fausthieb sofort bewusstlos. Er schlug hart auf dem Asphalt auf und starb zwei Tage später an einem schweren Hirntrauma im Krankenhaus (Az.: 1 Ks 220 Js 42689/17).

"Er war zur falschen Zeit am falschen Ort", sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsbegründung. "Was betroffen macht, ist diese totale Sinnlosigkeit - es gab keinen Anlass." Der Angeklagte habe in einer einzigen Sekunde eine ganze Familie ins Unglück gestürzt, sagte der Richter. "Nur weil er ein Ventil für seine Aggressionen brauchte."

Das Opfer und ein Freund begegneten dem Täter, einem vorbestraften Zeitsoldaten, auf dem Rückweg vom Stadion nach dem Spiel Karlsruher SC gegen den FSV Zwickau. Der damalige Zeitsoldat hatte mehr als zwei Promille Alkohol im Blut und sei offenbar auf Streit aus gewesen.

Staatsanwaltschaft hatte auf Totschlag plädiert

Dann tat der Freund des Opfers etwas, was aus Sicht des Gerichts "nicht besonders sinnvoll erschien": Er sprach die beiden an und schnippte dem Kumpel des späteren Täters die Kappe vom Kopf, um den beiden Grenzen aufzuzeigen. Laut dem Gericht sah der Angeklagte damit seine Gelegenheit gekommen: Er schlug dem völlig überraschten Opfer die Faust mit einer solchen Wucht ins Gesicht, dass Knochen brachen. Als der 35-Jährige zu Boden ging, flüchtete der Schläger, wurde aber von Passanten später festgehalten.

Die Angabe des Angeklagten, wonach das spätere Opfer zuvor ihn gegen die Brust gestoßen habe, nahm das Gericht ihm nicht ab - zumal er sehr viel größer und kräftiger war und sein Opfer dem Richter zufolge ein "friedfertiger Mensch" gewesen sei.

Die Frau des getöteten Bruchsalers und seine Eltern, die als Nebenkläger auftraten, und die Staatsanwaltschaft hatten auf Totschlag plädiert. Der Vorsitzende Richter betonte jedoch, dass dem Angeklagten kein Vorsatz nachgewiesen werden könne. Auch werde das Leid der Familie mit einer etwas höheren Strafe nicht geringer. Er sprach den Angehörigen Schmerzensgeld von insgesamt etwa 60.000 Euro zu sowie die Erstattung diverser Auslagen. Der Täter muss einen Teil seiner neunjährigen Strafe in einer Entzugsklinik absitzen.

bbr/dpa



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