Kinderporno-Verdacht Katholischer Verbandschef tritt zurück

Die katholische Kirche hat offenbar ihren nächsten großen Skandal: Nach Ermittlungen wegen des Besitzes von Kinderpornografie gibt Georg Hupfauer, der Bundesvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, sein Amt auf. Er räumte bereits ein, entsprechende Internetseiten besucht zu haben.

Ehemaliger KAB-Chef Hupfauer: "Nach Herrn Edathy bin ich ab heute der zweitbekannteste Mann Deutschlands"
DPA

Ehemaliger KAB-Chef Hupfauer: "Nach Herrn Edathy bin ich ab heute der zweitbekannteste Mann Deutschlands"


Köln - Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie ist der Chef der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Georg Hupfauer, zurückgetreten. Er habe seinen Rücktritt bereits am Mittwoch erklärt, teilte die Sozialorganisation auf ihrer Internetseite mit. Hintergrund sei ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Aachen gegen den langjährigen Bundesvorsitzenden. Mit Bestürzung und Fassungslosigkeit habe der KAB-Führungskreis aus der Presse von den Vorwürfen erfahren.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Aachen, Jost Schützeberg, sagte auf Anfrage, nach einer Strafanzeige sei im März 2013 ein Ermittlungsverfahren gegen Hupfauer eingeleitet worden. Bei den anschließenden Durchsuchungen im Mai wurden demnach Festplatten und USB-Sticks sichergestellt, deren Auswertung noch andauere. Es bestehe jedoch kein Zusammenhang zu der Operation kanadischer Behörden, in deren Verlauf der Name des damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy aufgetaucht sei, sagte Schützeberg. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung über den Verdacht gegen Hupfauer berichtet.

Im Interview mit dem "Express" spricht Hupfauer von einem riesigen Fehler, den er begangen habe: "Ich räume ein, dass ich über Jahre hinweg im Internet frei zugängliche, pornografische Seiten querbeet besucht habe. Darunter hat sich auch Kinderpornografie befunden. Ich habe nicht gezielt danach gesucht, aber ich war auf diesen Seiten", sagte er. "Nach Herrn Edathy bin ich ab heute der zweitbekannteste Mann Deutschlands. Mir ist bewusst, dass es das bisherige Leben des Georg Hupfauer nicht mehr geben wird."

In der online veröffentlichten Stellungnahme der KAB äußerte Bundespräses Johannes Stein die Hoffnung, dass die Verbandsmitglieder "unterscheiden werden - zwischen den Ermittlungen gegen eine Privatperson und dem sozialpolitischen Auftrag der KAB."

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung ist ein Sozialverband, in dem nach eigenen Angaben bundesweit 125.000 Mitglieder organisiert sind. Demnach existieren über 2000 Ortsgruppen in 27 Diözesanverbänden.

jdl/rls/dpa

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