Rechtsstreit Kirche einigt sich mit lesbischer Erzieherin

Während ihrer Elternzeit wurde einer lesbischen Erzieherin gekündigt, weil ihre Beziehung gegen die Grundsätze der katholischen Sittenlehre verstoße. Der Fall landete vor Gericht. Nun hat die Frau einem Vergleich mit der Kirche zugestimmt.

Erzieherin im Verwaltungsgericht Augsburg (Archivbild): Vergleich mit katholischer Kirche
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Erzieherin im Verwaltungsgericht Augsburg (Archivbild): Vergleich mit katholischer Kirche


Augsburg/Neu-Ulm - Die katholische Kirche im Bistum Augsburg hat im Rechtsstreit um die Kündigung einer lesbischen Mitarbeiterin einen Vergleich mit der Angestellten geschlossen. Ein ursprünglich für Dienstag angesetzter Verhandlungstermin vor dem Arbeitsgericht in Neu-Ulm sei daraufhin abgesagt worden, sagte eine Gerichtssprecherin.

Der Vergleich sehe vor, dass die Erzieherin die Auflösung ihres Arbeitsvertrags akzeptiert. Im Gegenzug erhalte sie eine Abfindung. Wie hoch diese sei, wollte das Bistum Augsburg nicht mitteilen. "Die Parteien haben über den Inhalt des Vergleichs Stillschweigen vereinbart", sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) warf der katholischen Kirche vor, dass sie die öffentliche Diskussion über die Kündigungspraxis gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern scheue. Für die Erzieherin sei das Ergebnis dagegen ein voller Erfolg. Weil sie 14 Jahre lang bei der katholischen Kirche beschäftigt gewesen sei, falle die Abfindung sehr hoch aus.

"Der Lügerei ein Ende setzen"

Eine Pfarrkirchenstiftung in der Diözese Augsburg wollte der Leiterin eines Kindergartens in Neu-Ulm während der Elternzeit außerordentlich kündigen. Die Begründung war, dass sie mit ihrer gleichgeschlechtlichen Beziehung gegen die Grundsätze der katholischen Glaubens- und Sittenlehre verstoße.

Mitte Juni hatte die Frau einen ersten juristischen Erfolg errungen. Das Augsburger Verwaltungsgericht entschied, dass die katholische Kirche der lesbischen Kindergartenleiterin nicht während der Elternzeit kündigen darf. Spätestens nach Ablauf der Elternzeit wäre der Rauswurf der 39-Jährigen aber sehr wahrscheinlich gewesen.

Die Frau hatte ihre sexuelle Orientierung jahrelang geheimgehalten. Nach der Geburt ihres Kindes habe sie das ändern wollen, sagte die Erzieherin. Sie informierte ihren kirchlichen Arbeitgeber, dass sie eine Lebenspartnerschaft mit einer Frau eingegangen sei. "Ich wollte es sagen, um dieser Geheimnistuerei, dieser Lügerei, ein Ende zu setzen."

aar/dapd/dpa

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