Geiseldrama in Alabama: Fünfjähriger seit drei Tagen festgehalten

Drei Tage dauert das Leiden des kleinen Jungen schon: Ein Mann in Alabama stürmte einen Schulbus, erschoss den Fahrer und entführte einen Fünfjährigen. Seitdem hält er das Kind in einem selbstgebauten Bunker gefangen. Die Behörden fürchten, dass der Geiselnehmer lange durchhalten kann.

Polizisten in Midland City: Was der Mann mit der Tat bezweckt, ist unklar Zur Großansicht
AP/ Montgomery Advertiser

Polizisten in Midland City: Was der Mann mit der Tat bezweckt, ist unklar

Midland City - Schwerbewaffnete Mitarbeiter des Sheriff Department von Dale County, des FBI und sogar der Homeland Security sind vor Ort - aber im Moment offenbar machtlos. Seit Dienstag hält ein 65-jähriger Rentner einen fünf Jahre alten Jungen im Bundesstaat Alabama in einem selbst angelegten unterirdischen Bunker gefangen. Unerreichbar für die Sicherheitskräfte.

Was der Mann mit der Tat bezweckt, ist unklar. Die Polizei stehe zwar mit dem Mann über ein Plastikrohr in Kontakt, bisher gäbe es aber keinerlei Fortschritte, wie die Behörden mitteilten.

Das Geiseldrama begann am Dienstag: Der 65-Jährige stürmte in Midland City im Bundesstaat Alabama einen Schulbus, in dem sich 21 Kindern befanden. Er forderte von dem Fahrer mit vorgehaltener Waffe, ihm zwei Kinder auszuliefern. Nach übereinstimmenden Medienberichten weigerte sich der 66-Jährige, woraufhin der Täter ihn mit vier Schüssen tötete und den Fünfjährigen in seine Gewalt brachte. Der Mann ließ ein weiteres Kind nach CNN-Angaben nur zurück, da es in Ohnmacht gefallen war.

Der Mann verschleppte den Fünfjährigen in einen selbstgebauten Bunker auf seinem Grundstück in Midland City. Seitdem hält er das Kind dort in etwa einem Meter Tiefe auf fünf Quadratmetern gefangen.

"Wir haben keine Gründe zu glauben, dass das Kind verletzt wurde", sagte der Sheriff des Bezirks Dale County dem Sender NBC. Der Fünfjährige weine aber und verlange nach seinen Eltern.

Wie die Behörden mitteilten, brauche der Junge täglich Medikamente. Die Polizei versorge das Kind nun über ein langes Plastikrohr, das in den Bunker führt. Außerdem hat sie ihm auf diesem Weg Malbücher und Wachsstifte zukommen lassen.

Täter ist als jähzornig bekannt

Über das dünne Plastikrohr halten die Behörden auch Kontakt mit dem Kidnapper. Die Behörden fürchten, dass der Mann gut vorgesorgt haben könnte. Es sei bekannt, dass sich der Mann in der Vergangenheit bis zu acht Tage in dem Bunker in Midland City aufgehalten habe. Die Lokalzeitung "Dothan Eagle" meldete sogar, dass die Behörden davon ausgingen, dass der Mann genügend Vorräte für drei Wochen hätte. Außerdem verfüge der Bunker über Elektrizität und einen Fernseher.

Ein Mitarbeiter des Dale County Sheriff Büros teilte der Bürgerrechtsorganisation "Hatewatch" mit, dass der Rentner bekannt dafür sei "ein Überlebenstraining-Typ zu sein." Außerdem habe er "anti-amerikanische" Ansichten. "Seine Nachbarn und Freunde haben erzählt, dass er der Regierung nicht traut, dass er ein Vietnamveteran sei und dass er eine posttraumatische Belastungsstörung habe."

Der 65-Jährige scheint auch berüchtigt zu sein für seinen Jähzorn. Nachbarn bezeichneten den Mann als gewalttätig und beschrieben ihn als Einzelgänger, der sich mit seinem Bunker vor einer Katastrophe schützen wolle. Nach Angaben des "Dothan Eagle" ist er bereits zwei Mal wegen Waffenvergehen festgenommen worden.

Eine Nachbarin berichtete CNN auch, dass der Entführer ihren Hund mit einer Eisenstange getötet und danach mit der Tat vor ihrem Ehemann geprahlt habe. "Er wurde über die Zeit immer seltsamer."

Gerichtstermin als Motiv?

Der Grund für die Tat liegt weiterhin im Dunkeln. Das FBI soll laut Polizeiangaben Beweise für ein "hate crime", ein Verbrechen aus Hass, vorliegen haben. Das ist in den USA eine Bezeichnung für eine Tat, die auf Grund von Rassismus oder Intoleranz begangen wird. Das FBI hat sich aber zu dem Stand ihrer Untersuchung bisher nicht geäußert. Der Rentner soll das Kind laut Behördenangaben aber nicht gekannt haben.

Ein möglicher Auslöser für die Geiselnahme könnte ein Gerichtstermin sein: Nach CNN-Informationen hätte der Entführer am Mittwoch, einen Tag nach der Entführung, vor Gericht erscheinen sollen. Wie ein Nachbar dem Sender berichtete, sollte er sich verantworten, weil er zweimal auf den Wagen eines Nachbarn geschossen habe, in dem sich ein sechsmonatiges Kind befand. Der Nachbar soll vorher eine Bremsschwelle auf seinem Weg beschädigt haben. Verletzt worden sei bei dem Vorfall niemand, trotzdem hätte dem Entführer eine Haftstrafe gedroht.

Alle Nachbarn des Mannes mussten inzwischen ihre Häuser verlassen. Auch drei Schulen in der Umgebung wurden nach den Vorfällen für eine Woche geschlossen. Mehr scheinen die Behörden im Moment nicht tun zu können. Auf einer Pressekonferenz am späten Donnerstagabend fragte ein Reporter den Sheriff von Dale County, wie Menschen am besten helfen könnten. "Beten" antwortete der Sheriff, "beten".

cvb/dpa/AP

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