Leiche im Amtsgericht Kiel Staatsanwaltschaft legt Obduktionsergebnis vor

Im Kieler Amtsgericht ist eine Leiche gefunden worden. Tagelang war sie auf einer Toilette unbemerkt geblieben. Jetzt liegt das Obduktionsergebnis vor.

Amtsgericht in Kiel (Schleswig-Holstein)
DPA

Amtsgericht in Kiel (Schleswig-Holstein)


Am Donnerstag nach dem Reformationstag wurde im Gebäude des Kieler Amtsgerichts eine Leiche gefunden. Einem Wachmann war aufgefallen, dass eine WC-Kabine seit Tagen verschlossen war. Beim Öffnen der Tür wurde der leblose Körper eines 70-jährigen Mannes sitzend aufgefunden.

Nachforschungen ergaben, dass der Mann am 29. Oktober als Zeuge in einem Strafprozess geladen war. Die Vermutung lag nahe: Der Tote hat mehrere Tage unentdeckt in der Toilette gesessen. Fragen kamen auf: Wie konnte es sein, dass niemand von der Leiche Notiz genommen hatte? Starb der Mann gar eines gewaltsamen Todes?

"Nein, der Mann starb eines natürlichen Todes", lautet nun die Antwort der Staatsanwaltschaft Kiel. Bei der Obduktion der Leiche sei kein Hinweis auf eine Fremdeinwirkung festgestellt worden, sagte ein Sprecher dem SPIEGEL. "Der Mann starb an einem Herzinfarkt." Der Sprecher bestätigte damit das Untersuchungsergebnis des Polizeiarztes, der als Erster die Leiche in Augenschein genommen hatte. Auch der Mediziner war von einem Herzinfarkt ausgegangen und hatte die Leiche von einem Bestattungsunternehmen abtransportieren lassen.

Als Todeszeitpunkt gibt die Staatsanwaltschaft den 29. Oktober an. Der Mann verstarb mithin noch an dem Tag, an dem er vor Gericht aussagen sollte. Die Verhandlung wurde abgesagt, nachdem der Angeklagte nicht erschienen war. Dem Amtsgericht zufolge hatte man alle Zeugen telefonisch darüber informiert, den 70-Jährigen allerding nicht erreicht.

Aber weshalb hat niemand den Mann entdeckt? "Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände", sagt die Vizepräsidentin des Amtsgerichts Kiel, Beate Flatow. Im Bereich der öffentlichen Toiletten sei es in den vergangenen Wochen mehrfach zu Wasserrohrbrüchen gekommen. In diesem Zusammenhang seien die Toiletten teilweise nicht begehbar und vorübergehend gesperrt gewesen.

Der später verstorbene Mann habe die WC-Tür von innen verschlossen. Zwar reinige ein Putzdienst die Toiletten immer am späten Nachmittag. "Eine Reinigungskraft wird aber nie eine verschlossene Kabinentür öffnen, weil sie davon ausgeht, dass ein Besucher drin ist", sagt Flatow. Als dieselbe Tür allerdings zum wiederholten Mal verschlossen aufgefunden wurde, sei der Putzdienst aus aktuellem Anlass davon ausgegangen, dass sie erneut wegen eines Wasserrohbruchs gesperrt war.

"Das ist für uns alle keine alltägliche Situation", sagt Flatow. "Wir werden alles dafür tun, dass so etwas nicht noch einmal geschehen kann." Eine erste Maßnahme hat das Amtsgericht bereits ergriffen: Seit Montag kontrolliert ein Wachdienst ab 22 Uhr sämtliche öffentlich zugänglichen Bereiche des Gebäudes.

ala



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