Urteil in Kiel Millionenraub aus Geldtransporter - Freiheitsstrafen

Im Fall eines spektakulären Millionenraubs aus einem Geldtransporter hat das Landgericht Kiel zwei Männer verurteilt. Doch auch dem Sicherheitsunternehmen sprach es eine Mitschuld zu.

Die beiden Angeklagten im Landgericht Kiel
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Die beiden Angeklagten im Landgericht Kiel


Das Landgericht Kiel hat zwei Männer wegen eines spektakulären Millionenraubes zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Trotzdem sind der Fahrer eines Geldtransporters und sein Komplize vorerst wieder auf freiem Fuß.

Das Gericht verhängte Freiheitsstrafen von drei Jahren und zehn Monaten gegen den Fahrer. Das Strafmaß gegen seinen Komplizen wurde auf drei Jahre und drei Monate Haft festgelegt. Die Große Strafkammer setzte mit dem Urteil den Vollzug der Haftbefehle gegen die beiden Männer vorerst aus. Allerdings müssen sie sich zwei Mal pro Woche bei der Polizei melden und ihre Ausweise abgeben.

Die 41 Jahre alte Fahrer und sein 48 Jahre alter Komplize waren zuvor noch in Handschellen in den Saal gebracht worden. Die Fluchtgefahr schätzten die Richter angesichts der Auflagen und der stabilen privaten Verhältnisse der geständigen Angeklagten als sehr gering ein. Beide wohnen in Hamburg und sind Familienväter. Eine sofortige Beschwerde der Staatsanwaltschaft wies die Kammer zurück.

Die Angeklagten saßen seit März in Untersuchungshaft. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass die beiden Männer Anfang Januar während einer Tour von Hamburg nach Kiel rund 2,4 Millionen Euro Bargeld aus dem Geldtransporter in ein anderes Fahrzeug umluden.

Ungefähr 92.000 Euro Schadenersatz

Die Beute war mit Ausnahme von 87.000 Euro im März bei den Tätern sichergestellt und dem Sicherheitsunternehmen zurückgegeben worden. Beide Männer waren zuvor wochenlang observiert worden.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil deutlich unter dem Antrag des Staatsanwalts, der sechs Jahre für den Fahrer und fünf Jahre und neun Monate für den Mitangeklagten gefordert hatte. Der Ankläger will nun Revision prüfen. Die Verteidigung hatte wegen Unterschlagung Bewährungsstrafen gefordert.

Laut Urteil müssen die Männer der Sicherheitsfirma nun ungefähr 92.000 Euro Schadenersatz leisten. Das Gericht sprach dem Unternehmen aber eine deutliche Mitschuld an der Tat zu: Es habe es den Angeklagten leicht gemacht, sagte der Vorsitzende Richter Michael Scheck. So sei etwa der "Bundesbank-Modus" nicht wie vorgeschrieben eingeschaltet gewesen, der ein unbemerktes Öffnen der Heckklappe unmöglich gemacht hätte. Zudem hätte der Fahrer besser kontrolliert werden müssen, weil die Firma gegen ihn bereits in anderem Zusammenhang ermittelte.

bbr/dpa



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